Station in Osnabrück USA-Kenner berichtet über Deutschland, Europa und das System Trump

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Osnabrück. Christoph von Marschall, Chefkorrespondent des Berliner "Tagesspiegels" und USA-Kenner mit Zugang zum Weißen Haus, ist am kommenden Dienstag, 28. August 2018, Gast der VHS Osnabrück. Er hat ein Buch geschrieben über Deutschlands Rolle in der Welt – aus der Perspektive anderer Länder.

Auf seiner Visitenkarte steht: Diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion. Das klingt schon sehr nach jener Welt, in der sich der 58-jährige Journalist seit fast dreißig Jahren bewegt, nach der Welt der hohen Diplomatie. Acht Jahre war von Marschall US-Korrespondent des "Tagesspiegels" in Washington. Er ging während der Ära Obama im Weißen Haus ein und aus. 2017 kehrte er für ein Jahr an die alte Wirkungsstätte zurück, um aus der amerikanischen Perspektive die deutsche Außenpolitik zu erleben. Doch wonach er danach am meisten gefragt wird, ist: Wie ist es denn im Weißen Haus mit Trump?

Bilder aus dem Weißen Haus

Und so wird der erfahrene Politik-Beobachter am Dienstag seinen Vortrag in der Volkshochschule Osnabrück auch mit einer Bilderserie aus dem Weißen Haus beginnen und von Kollegen berichten, die sich täglich an Trump abarbeiten. Doch die Medienwelt sei, wie das ganze Land, tief gespalten, sagte von Marschall in einem Gespräch mit unserer Redaktion: Den renommierten Medien, die mit großer Hartnäckigkeit die Lügen des Präsidenten aufdeckten und dessen Politik hinterfragten, stünden nicht minder engagierte Journalisten gegenüber, die Trump verteidigen.

von Marschall hält es für möglich, dass Trump wiedergewählt wird. Die Hoffnung mancher Kritiker, der selbstverliebte Draufgänger werde sich im Regierungsalltag selbst erledigen, habe sich nicht erfüllt. Und ein künftiger Gegenkandidat werde es sehr schwer haben gegen ihn, denn die Aufmerksamkeit richte sich auf Trump. von Marschall: "Trump beherrscht das nationale Mikrophon."

Es sei ein Irrtum zu glauben, Trump kommuniziere an den Medien vorbei direkt per Tweets mit seinen Wählern, sagt von Marschall. Die Trump-Anhänger, die er auf Wahlveranstaltungen erlebt habe, seien "keine Leute, die ständig das Smartphone in der Hand haben". Trump beschimpfe die etablierten Medien, aber er brauche und benutze sie. Und die Medien schenkten ihm jede Aufmerksamkeit. 

Deutschland als Trittbrettfahrer

von Marschall erklärt, wie das System Trump funktioniert und warum es Erfolg hat. Sein eigentliches Thema aber ist Deutschland – aus der Sicht der Anderen. Deutschland nehme sich selbst als rational und berechenbar war, gelte bei vielen Diplomaten in der Welt aber als "unsicherer Kantonist" und "Trittbrettfahrer".

Die Recherchereise für das Buch "Wir verstehen die Welt nicht mehr. Deutschlands Entfremdung von seinen Freunden” führte den Korrespondenten in die wichtigsten Hauptstädte. Er sprach mit Regierungspolitikern, Diplomaten und Vordenkern unter anderem in Washington, Brüssel, London, Moskau, Warschau. Deutschland werde als "sympathisch" wahrgenommen, so von Marschall, drücke sich aber vor der Verantwortung. Und wenn das Land vorangehe – wie in der Flüchtlingspolitik, achte es zu wenig die Befindlichkeiten anderer Staaten. In der Sicherheitspolitik werde Deutschland als "Trittbrettfahrer" wahrgenommen, das seine Verpflichtungen nicht erfülle.

Was muss sich ändern in der deutschen Außenpolitik? von Marschall will am Dienstag einige Antworten geben und mit den Zuhörern darüber diskutieren.




Vortrag in der VHS

„Deutschland, Europa und Trump.“ Dienstag, 28. August, 19.30 Uhr, in der VHS Osnabrück, Bergstraße 8.  Eintritt frei. Information bei der VHS Osnabrück unter 0541 / 323-2243 oder unter www.vhs-os.de

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