Leben in einer europäischen Diktatur Junge Europäer drehen Kurzfilm in Osnabrück

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Filmdreh in der Lagerhalle. Foto: Thomas OsterfeldFilmdreh in der Lagerhalle. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Eingebettet in das Projekt „Labor Europa“ beschäftigen sich junge Menschen aus Griechenland und Italien mit der europäischen Idee – und setzen die Ergebnisse medial um.

Der Wecker klingelt. Ein junger Mann schält sich aus dem Bett. Sein Gesichtausdruck verrät, dass er sich am liebsten gleich wieder unter der Bettdecke verkriechen würde, denn das Land, in dem er lebt, wurde durch einen Putsch von einer Demokratie zu einer nationalistischen Diktatur. Schauspieler Steven Wind schlüpft in die Rolle des Mannes, dessen Tagesablauf man bald auf einer Leinwand mitverfolgen kann: In einem Kurzfilm, den ein Team europäischer junger Leute gedreht hat, die gerade auf Einladung des Projekts „Labor Europa“ in Osnabrück zu Besuch sind.

„Der junge Mann kann keinen Kaffee trinken, weil der zu teuer geworden ist, und er kann nicht mehr reisen, weil der Staat die Bewegungsfreiheit der Bürger massiv einschränkt“, erzählt Piera Raineri. So stellt sich die 19-jährige Römerin das Leben in einer Diktatur vor. Zusammen mit anderen Laboranten hat sie das Drehbuch zum Kurzfilm entwickelt.

Fühlen wir uns wie Europäer? Was macht es aus, Europäer zu sein? Das waren die Fragen der Referenten, auf denen die Thematik zum Film basiert. Man wollte eine Dystopie entwerfen, einen Gegenentwurf zu europäischen Demokratien, der von der Realität mancher Staaten gar nicht so weit entfernt ist.

Insgesamt sechs junge Leute aus Griechenland und Italien waren zum „Labor Digital Media and Games“ eingeladen worden, um unter dem Motto „Being European“ medial kreativ zu werden. Drei verschiedene Konzepte entstanden: Der Film, bei dem Raineri nicht nur Dreherfahrungen sammeln, sondern auch in den Job des Schauspielers hineinschnuppern will. Andere Teilnehmer arbeiten an einer Videoinstallation: Auf einem Monitor ist eine Original-Filmsequenz von der Unterzeichnung des Maastrichter Vertrags zu sehen, auf weiteren wird das Material nach und nach optisch ge- und zerstört – als Metapher für den drohenden Auflösungsprozess der EU. Eine dritte Gruppe entwickelt ein Computerspiel, durch das die Vielfalt der Identitäten in Europa erfahrbar gemacht wird.

Angeleitet werden die jungen Europäer von drei Referenten: Stefan Berendes ist Medienpädagoge im Bereich digitale Medien und Eric Jannot ein Berliner Game-Entwickler, der jahrelang in der Spielebranche tätig war und sich besonders für Fragen der Ethik in Computerspielen interessiert. Thomas Kirchberg aus Göttingen bringt seine Erfahrungen als Filmemacher und Videoproduzent ins Labor ein.

Die Ergebnisse des einwöchigen Medienlabors werden während der Kulturnacht im Kunstraum Hase29 (Hasestraße 29) gezeigt.


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