Dieckmann zur Baustellendebatte Osnabrücker Baufirma bekommt den geballten Frust der Autofahrer ab

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Sie schuften im Akkord und werden auch noch beschimpft: Die Osnabrücker Tiefbaufirma Dieckmann bittet um mehr Verständnis und Akzeptanz für ihre Leistungen. Foto: Jörn MartensSie schuften im Akkord und werden auch noch beschimpft: Die Osnabrücker Tiefbaufirma Dieckmann bittet um mehr Verständnis und Akzeptanz für ihre Leistungen. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Die Baustelle am Osnabrücker Hasetor treibt Autofahrer regelmäßig in den Wahnsinn. Und einige von ihnen lassen ihren Frust an den Mitarbeitern der Firma Dieckmann aus, hupen oder beschimpfen sie. Das Bauunternehmen sieht sich zu Unrecht in der Kritik stehen.

Polier Daniel Tiemann hat auf seinen Urlaub verzichtet, damit die Arbeiten noch vor der Frist abgeschlossen sind – und das werden sie voraussichtlich sein, sagt Oberbauführer Ralf Klimpel. Mit Anerkennung durch die Verkehrsteilnehmer darf das Dieckmann-Team nicht rechnen. Denn die nehmen nur den Stau wahr, auch wenn die Bauarbeiter bei 30 Grad im Schatten ackern. „Das ist manchmal schon heftig“, sagt Tiemann, der das Sagen hat auf der Baustelle. Dann müssten sie sich Kommentare anhören wie „Könnt ihr nicht schneller arbeiten?“, und beschimpft würden sie auch. Dabei sei jeder Arbeiter täglich 12 bis 13 Stunden von zu Hause weg – Familie hin oder her.

Stehen in der Kritik, obwohl sie nur ihren Job machen: Die Mitarbeiter der Baufirma Dieckmann. Von links: Geschäftsführer Jens-Peter Zuther, Oberbauführer Ralf Klimpel und Polier Daniel Tiemann. Foto: Jörn Martens

„Wir arbeiten für den Bürger“, betont Klimpel. Denn der wolle ja schließlich ordentliche Straßen und funktionierende Hausanschlüsse haben – von Internet über Gas bis hin zu Wasser. „Und das wird viel zu selten herausgestellt“, ergänzt Dieckmann-Geschäftsführer Jens-Peter Zuther.

Das Hasetor ist noch bis Ende Oktober ein Nadelöhr. Foto: Jörn Martens

„Wenn wir im Zeitplan bleiben, steht maximal in der Zeitung, dass es nicht ganz so schlecht gelaufen sei“, beschwert sich Klimpel. Der geschützte Radfahrstreifen (Protected Bike Lane) am Heger-Tor-Wall, die Hasestraße, der Kollegienwall: Alle Baustellen hat Dieckmann pünktlich abgeschlossen. Lob? Fehlanzeige. Für die Baustelle am Hasetor hätten sie Zeit bis Ende November, sagt Klimpel. Derzeit peilten sie jedoch eine sechsspurige Verkehrsfreigabe bereits ab Ende Oktober an. In der Nacht vom 31. August auf den 1. September wird zwischen 20 und 6 Uhr noch eine Vollsperrung nötig sein, damit die Ampelanlage, eine Stahlkonstruktion, zurückgebaut werden kann.

Foto: Jörn Martens

Der Knotenpunkt wird für die neue, elektrifizierte Buslinie 41 umgebaut. Wie kompliziert die Baustelle am Hasetor ist, erschließt sich jedem, der für eine Weile zusieht und auf einige Details achtet. Es ist eng, sehr eng. Der Baggerfahrer rangiert: Drei, vier Zentimeter zu weit und er würde die akkurat verlegten nagelneuen Pflastersteine touchieren. Seinem Kollegen im Radlader, der eine Ladung Sand transportiert, geht es keinen Deut besser: Auf der einen Seite eine Mauer, auf der anderen ein von Baken eingefasster Schutzstreifen, auf dem morgens um 8.30 Uhr zig Radfahrer aus dem Norden in die Innenstadt düsen. Der Arbeiter kann den Radlader gerade so wenden. Die Radfahrer seien mit am schlimmsten, berichtet Polier Tiemann. Wenn er und seine Kollegen sie bitten würden, mal für zwei Minuten abzusteigen, damit ein Bagger sicher vorbeifahren kann, auch dann würden sie beschimpft.

Foto: Jörn Martens

„Wir lassen dem Verkehrsteilnehmer im Moment viel Platz und arbeiten sehr beengt“, erläutert Klimpel. Dabei sei eine Straße ebenso komplex wie ein Gebäude: Ganz unten in der Erde, tiefer als die Gebäudekeller, liegen die Entwässerungskanäle, darüber die Gas-/Wasser- und Stromleitungen und darüber noch die Telekommunikationsleitungen – schließlich wolle ja jeder schnelles Internet haben.

Foto: Jörn Martens

Auch das Verlegen von Pflaster ist keine triviale Angelegenheit. Polier Tiemann zählt auf: 15 Zentimeter Frostschutzschicht, Planungsabnahme, Schottertragschicht, einplanieren, Plattendruckversuche, Pflasterbettung, Verdichten mit einem Rüttler oder Baggerstampfer – „und dann erst werden die Steine verlegt.“ An guten Tagen schafft sein Team 600 Quadratmeter Pflaster am Tag.

„Bei den Mitarbeitern liegen die Nerven blank“Daniel Tiemann, Polier

In der Einmündung zur Turnerstraße ist es besonders schwierig. In der Straße liegt ein Kindergarten, morgens kommen die Eltern, die Straße wurde deshalb nicht voll gesperrt. Wenn ein Auto vorbei möchte, muss der Baggerführer seine Maschine in eine Hauseinfahrt bewegen – und dabei stets hellwach sein. Denn auch ein Vater mit Kind auf dem Fahrradlenker fährt vorbei, ein anderer schiebt einen Buggy. „Bei den Mitarbeitern liegen die Nerven blank“, so Tiemann.

Oberbauführer und Prokurist Klimpel ist übrigens voll des Lobes für die Stadt. „Man hat immer einen Ansprechpartner“, sagt er. „Die Bürger regen sich schnell auf, wenn ihr individuelles Bedürfnis nicht befriedigt wird“, ist sein Eindruck. Und er wird noch grundsätzlicher: „Schauen Sie mal: In jedem Auto sitzt genau einer“, sagt er. Er übertreibt nicht.

Foto: Jörn Martens

Auf diese Autofahrer kommt noch mehr zu: Bis 2020 will die Stadt 12 Millionen Euro in die Instandsetzung ihrer Straßen investieren. „Wir haben einen Reparaturstau in Osnabrück“, sagt Bauleiter Klimpel. „Wenn wir den wirklich abarbeiten, werden wir permanent parallel zehn Baustellen haben.“ Dieckmann-Chef Jens-Peter Zuther betont: „Ich denke, es wird in den nächsten Jahren eine deutliche Aufklärung brauchen, was hier alles geschehen muss.“


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