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„Platz nehmen“ Aktion wirbt in Osnabrück für mehr Akzeptanz für Jugendliche

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Für Marco Brockmann vom Fachdienst Jugend war die Aktion "Platz nehmen" ein Erfolg. Mit den Gesprächen mit Jugendlichen und Passanten auf dem Rosenplatz zeigte er sich zufrieden. Foto: Thomas OsterfeldFür Marco Brockmann vom Fachdienst Jugend war die Aktion "Platz nehmen" ein Erfolg. Mit den Gesprächen mit Jugendlichen und Passanten auf dem Rosenplatz zeigte er sich zufrieden. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Einen Platz für Jugendliche bot der Fachdienst Jugend am Freitagnachmittag mit Playstation, Süßigkeiten und Limo am Rosenplatz. Es kamen einige junge Menschen zum „Mobilen Jugendtreff“, die sich informierten und mit Erwachsenen sprachen. Die in der Presse-Einladung angekündigten Politiker kamen jedoch nicht.

Es gibt einen Sketch der britischen Comedy-Gruppe Monty Python aus den Siebzigerjahren, in der eine marodierende Gruppe Großmütter unschuldige Jugendliche anpöbelt und überfällt. Die Komiker hatten den Spieß einfach umgedreht und so auf Konflikte zwischen den Generationen hingewiesen.

Es scheint sich wenig geändert zu haben in den vergangenen vier Jahrzehnten. Der landesweite Aktionstag „Platz nehmen“, der am Freitag gleichzeitig in elf Städten in Niedersachsen und Bremen stattfand, wollte für mehr Akzeptanz für Jugendliche werben. Dabei wäre die Lösung für ein friedliches Miteinander einfach.

„Es kommt immer drauf an, wie man was sagt. Wenn mir einer blöd kommt, dann bin ich extra laut“, sagt der 16-jährige Davino. Er ist mit seiner Freundin Roseyna (17) am „Mobilen Jugendtreff“ am Rosenplatz vorbei gegangen und sie sind interessiert stehen geblieben. Beide sind am Bolz- und Spielplatz an der Wörthstraße mit Erwachsenen in Konflikt geraten, die ihre Ruhe haben wollten. „Und das schon nachmittags um vier Uhr“, erklärt Davino. Abends hätte er Verständnis, meint er. Aber auch, wenn er am Nachmittag darum gebeten würde, leise zu sein, würde er es machen, wenn der Ton stimmt, sagt er. „Wie du mir so ich dir“, pflichtet ihm Roseyna bei.

Vom Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) sind Pauline Pötzsch und Birte Spekker zum Rosenplatz gekommen, um ihre Solidarität mit den Jugendlichen auszudrücken, die sich auf dem Parkplatz neben der Uni-Bibliothek aufhalten. Dort hat die Uni einen Wachdienst installiert, um diejenigen zu vertreiben, die dort angeblich Alkohol und Drogen konsumieren (https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/1194181/osnabrueck-streit-zwischen-uni-und-asta-geht-weiter). Pötzsch ist im AStA-Referat Soziales, Gleichstellung und Inklusion und sieht die Politik in der Pflicht. Sie müsse mehr Geld in soziale Projekte stecken. Und: „Wir brauchen nicht mehr Geschäfte in der Innenstadt, sondern mehr Räume, um zusammen zu kommen.“ Ihr schwebt ein von der öffentlichen Hand subventioniertes Café mit niedrigen Preisen vor, wo sich Jugendliche treffen können.

„Jugendliche müssen nicht in die Gesellschaft integriert werden. Sie sind Teil der Gesellschaft“, sagt Marco Brockmann vom Bereich Streetwork des Fachdiensts Jugend der Stadt Osnabrück. Mit dem Aktionstag solle darauf hingewiesen werden, dass sich Jugendliche genauso wie Erwachsene in der Öffentlichkeit treffen dürften. Jugendliche wollen aber häufig unter sich bleiben, sagte Brockmann und nannte Facebook als Beispiel. Als zunehmend Erwachsene in das soziale Netzwerk stießen, verließen junge Menschen Facebook, um sich anderswo im Internet zu treffen.

Brockmann warb für Verständnis. Auch bei Lärmbelästigung, Vermüllung oder Sachbeschädigung solle es einen anderen Weg geben, als gleich die Polizei zu rufen. „Man muss sich auf Augenhöhe treffen. Dazu gehört auch eine freundliche Ansprache.“


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