Stadt wirbt für Akzeptanz Jugendliche in Osnabrück: Irgendwo müssen sie ja hin

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Der Ledenhof ist zu einem Treffpunkt für diverse Jugendcliquen geworden. Foto: Gert WestdörpDer Ledenhof ist zu einem Treffpunkt für diverse Jugendcliquen geworden. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Wenn Jugendliche sich in Gruppen auf öffentlichen Plätzen treffen, bleiben Beschwerden über Lärm und Vandalismus selten aus. Mit einem landesweiten Aktionstag soll heute für mehr Verständnis geworben werden – auch in Osnabrück.

Die Jugend hat den Ledenhof in Beschlag genommen. Doch recht herunter- und in die Jahre gekommen ist das Areal, kaum ein Erwachsener verirrt sich hierher, um auf den Steinstufen zu entspannen. Ein perfekter Treffpunkt für Jugendliche. Aus Boxen tönt Musik, diverse Cliquen haben es sich am Rand im Schatten bequem gemacht.

„Hier wird man verstanden“, sagt eine 16-Jährige. „Hierher flüchten sich oft Leute, die hängen gelassen wurden“, ergänzt eine 13-Jährige. Beide sagen, dass sie von der Stadt in Obhut genommen worden sind. Ein Joint wird herumgereicht.

Man arrangiert sich

Beschwerden am Ledenhof gebe es selten, berichten die beiden Mädchen. Auf der Fläche unterhalb der Sitzstufen mischen sich trockenes Laub und Papiermüll; eine ältere Frau liest Pfanddosen auf. Ein Mann Mitte 50 sitzt wenige Meter von den Teenagern entfernt, Blickrichtung Schloss. Nein, die stören ihn überhaupt nicht, sagt er und steckt sich wieder seine Kopfhörer in die Ohren. „Ich höre hier jeden Nachmittag nach der Arbeit Musik und warte auf den Bus.“

Nicht jeder ist so tolerant. Es gebe immer mal wieder Beschwerden wegen Lärms, berichtet Nils Bollhorn, Fachdienstleiter Jugend bei der Stadt Osnabrück. Das Problem der Jugendlichen sei, dass die öffentlichen Räume vordefiniert seien – nach der Devise: Eine Bank ist zum Sitzen da und dient nicht als Skateboard-Rampe. Dabei gehe es auch anders, so Bollhorn. Es gibt Städte, die Bänke aufstellen, die für beides geeignet sind: Tagsüber dienen sie als Ruhefläche, abends dürfen Jugendliche sie zum Skaten nutzen. Er plädiert dafür, kreative Ideen der Jugendlichen aufzunehmen: „Der öffentliche Raum könnte ganz anders genutzt werden.“

Dass Jugendliche auch mal laut seien und versuchten, ihre Grenzen auszuloten, gehöre nun mal zur Persönlichkeitsentwicklung. „Wenn sie nicht über die Stränge schlagen, ist das auch überhaupt kein Problem“, so der Fachdienstleiter. „Eine akzeptierende Haltung seitens der Stadt ist wichtig.“ Viele Jugendliche verfügten auch gar nicht über die Möglichkeiten, sich woanders zu treffen als auf öffentlichen Flächen – gerade in größeren Gruppen. Besuche in Cafés können sich viele gar nicht leisten, zu Hause sei es oft beengt.

Ein Problem sind allerdings schwarze Schafe. Ein neuralgischer Punkt, der der Stadt seit einigen Monaten Probleme bereitet, ist der Großspielplatz an der Lerchenstraße. Wie Katrin Hofmann vom Osnabrücker Service-Betrieb (OSB) berichtet, sind nicht nur die Polizei und der Ordnungsaußendienst, sondern auch Streetworker an den Jugendlichen dran. Bollhorn gibt zu bedenken: „Die wenigen schlechten Nutzer führen zu einer Stigmatisierung aller jungen Menschen.“

Rücksichtnahme

Auf Spiel- und Bolzplätzen darf sich jeder aufhalten, in der Osnabrücker Grünflächensatzung ist allerdings von einem „Gebot der Rücksichtnahme“ die Rede und: „Verboten ist der Alkoholgenuss und das Rauchen sowie der Konsum von Drogen aller Art auf Sand- und Gerätespielplätzen.“

Leider sei es oft so, dass Ältere nicht den Dialog mit den Jugendlichen suchten, sondern die Straßenseite wechselten, gibt Marco Brockmann von der mobilen Jugendarbeit zu bedenken. Oft helfe es, die Älteren daran zu erinnern, dass sie auch mal jung gewesen seien – und den Jüngeren zu sagen, dass sie auch einmal alt würden.

Am Freitag. 24. August, beteiligt sich die Stadt Osnabrück auf dem Rosenplatz an dem landesweiten Aktionstag „Platz nehmen“, um für mehr Akzeptanz für Jugendliche im öffentlichen Raum zu werben. Von 14 bis 17 Uhr wird auf dem Rosenplatz ein mobiler Jugendtreff am Schäferbrunnen (Ecke Sutthauser Straße) aufgestellt. Die Jugendlichen möchten dort mit Passanten und Vertretern aus der Politik ins Gespräch kommen, kündigt die Stadt an.


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