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23.08.2018, 15:45 Uhr KOMMENTAR

Ein politisches Schwergewicht macht Platz

Kommentar von Wilfried Hinrichs

Foto: Swaantje HehmannFoto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Mit Michael Hagedorn tritt ein politisches Schwergewicht in die zweite Reihe der Osnabrücker Kommunalpolitik zurück. Mit ihm geht der grüne Pragmatismus.

Keine Frage: Dass die Grünen in Osnabrück so hohes politisches Gewicht haben, ist auch ein Verdienst Hagedorns. Es waren auch sein Pragmatismus, seine Konsensfähigkeit und seine hohe Bereitschaft, im Dienste der Sache einen Kompromiss mit anderen Fraktionen zu finden, die den bunten Rat arbeitsfähig hielten. Manche dogmatisch-inspirierten Forderungen, die aus seiner Partei kamen, fing er geschickt ein. Zugleich disziplinierte er seine Fraktion in finanzpolitischen Dingen und wurde zeitweise zum schärfsten Wächter der Stadtkasse.

Als er als Vorsitzender des Aufsichtsrates um die Existenz des Klinikums rang, entwickelte sich eine milde Form der politischen Partnerschaft mit CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde. Der Grüne und der Ex-Generalsekretär der Umweltstiftung fanden so große Schnittmengen, dass 2016 nach der Kommunalwahl sogar ein schwarz-grünes Bündnis möglich schien. Und auf der anderen Seite? Die SPD, der natürliche Partner der Grünen, wurde von Hagedorn nie geschont. Im Gegenteil: Nach dem Ende der rot-grünen Zählgemeinschaft bemühte sich die Grünen-Fraktion um Abgrenzung.

Mit Volker Bajus tritt nun ein anderer Typus an die Spitze, der sich in einer linken Ratspartnerschaft gewiss wohler fühlen würde. Es ist zu erwarten, dass er besonders in der Klima- und Verkehrspolitik schärfer Kante zeigen wird als sein Vorgänger. Bajus und Brickwedde haben sich im Rat schon scharfe Wortgefechte geliefert, wenn das Auto, der Neumarkt und die Umwelt auf der Tagesordnung standen. Seine Ankündigung, sich für eine autofreie Innenstadt einzusetzen, müssen CDU und BOB als Provokation empfinden.  


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