Nach 20 Jahren Bajus für Hagedorn: Wechsel in der Grünen-Fraktionsspitze

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Wechsel in der Fraktionsspitze der Grünen: Michael Hagedorn (links) gibt den Vorsitz nach 20 Jahren an und Volker Bajus ab. Foto: Jörn MartensWechsel in der Fraktionsspitze der Grünen: Michael Hagedorn (links) gibt den Vorsitz nach 20 Jahren an und Volker Bajus ab. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Führungswechsel in der Grünen-Ratsfraktion in Osnabrück: Michael Hagedorn (62) gibt nach 20 Jahren den Vorsitz an Volker Bajus (54) ab. Die Fraktion wählte Bajus einstimmig.

Es war ein geplanter Wechsel, den Bajus und Hagedorn am Donnerstag in einer Pressekonferenz im Rathaus öffentlich machten. Hagedorn hatte zu Beginn der Ratsperiode intern angekündigt, auf halber Strecke die  Verantwortung abzugeben. "Es spielen auch prinzipielle Erwägungen eine Rolle", sagte Hagedorn, "es gibt keine Ämter auf Lebenszeit." Nach zwei Jahrzehnten als Fraktionsvorsitzender sei der Zeitpunkt zum Wechsel gekommen. "Ich freue mich, dass ich wieder etwas mehr Zeit für Privates und für meinen Beruf habe", sagte der freiberufliche Rentenberater. 

Der 62-Jährige ist seit 1996 Mitglied des Rates. 1998 übernahm er den Vorsitz der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, die in ihren besten Zeiten zwischen 2011 und 2016 über elf Sitze im 51-köpfigen Rat verfügte. Zurzeit sind die Grünen mit neun Mandaten vertreten.

Weiter finanzpolitischer Sprecher

Hagedorn gibt seinen Sitz im einflussreichen Verwaltungsausschuss (nach dem Rat das wichtigste Entscheidungsgremium) an Bajus ab. Er behält seine Mandate im Finanzausschuss und Aufsichtsrat des Klinikums. Hagedorn verspürt gerade jetzt wieder Lust auf Finanzpolitik: "Ich habe 20 Jahre harte Einsparrunden hinter mir. Jetzt haben wir seit zwei Jahren wieder Luft. Die müssen wir jetzt nutzen, um wichtige Zukunftsinvestitionen auf den Weg zu bringen und gleichzeitig die Lebensqualität in dieser Stadt weiter zu stärken. Da bleibt noch viel zu tun." Hagedorn ließ offen, ob er bei der nächsten Kommunalwahl 2021 noch einmal antritt.

Großer Dank

Volker Bajus würdigte Hagedorns Arbeit. Es solle nicht "wie ein Nachruf klingen", aber: "Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet. Mit Michael Hagedorn ist die Stadt ökologischer, weltoffener und lebendiger geworden." Besonders hob Bajus Hagedorns Einsatz bei der wirtschaftlichen Sanierung des Klinikums hervor. Hagedorn habe "mit Herzblut, Hartnäckigkeit und großer Sachkenntnis" für das Wohl der Stadt gearbeitet und dabei auch beruflich zurückgesteckt, um mehr Zeit für das Ehrenamt zu haben. 

Die Grünen-Fraktion werde unter seiner Führung weiterhin ein "zuverlässiger und verhandlungsbereiter Partner für die demokratischen Kräfte in der Stadt" bleiben, versprach Bajus. Er halte es mit Grünen-Chef Robert Hadeck, der gesagt hatte, "die Grünen müssen radikaler werden, um realistisch zu bleiben". Die technischen und gesellschaftlichen Umwälzungen, der Rechtspopulismus oder die soziale Spaltung erforderten "weitergehende, auch radikale Konzepte", so Bajus.

Autofreie Innenstadt

Der 54-jährige Diplom-Sozialwirt und frühere Landtagsabgeordnete ist nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag wieder in seinen alten Job bei Terre des hommes zurückgekehrt. Sein Schwerpunkt ist die Umwelt- und Klimapolitik, die er nach eigenen Worten auf kommunaler Ebene stärken will. Sein Credo: mehr Ökostrom, mehr Bäume, Grünanlagen und Freiflächen. In der Verkehrspolitik brauche es "weniger Autos und mehr Intelligenz, also digital vernetzter Angebote aus Car-Sharing, Bus und Rad." Die Innenstadt solle "langfristig ganz autofrei werden", so Bajus.


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