Deutsches Auswandererhaus Osnabrücker Studentin an Heimweh-Studie beteiligt

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Im Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven gehen die Besucher auf eine Zeitreise durch 300 Jahre Aus- und Einwanderungsgeschichte. In einer aktuellen Studie beschäftigt sich das Museum mit dem Thema „Heimweh“. Foto: Deutsches Auswandererhaus/Kay RiechersIm Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven gehen die Besucher auf eine Zeitreise durch 300 Jahre Aus- und Einwanderungsgeschichte. In einer aktuellen Studie beschäftigt sich das Museum mit dem Thema „Heimweh“. Foto: Deutsches Auswandererhaus/Kay Riechers

Osnabrück. Was ist Heimweh? Dieser Frage widmet das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven eine umfangreiche Studie. Daran beteiligt ist die Osnabrücker Studentin Kathrin Müller. Sie erzählte dem Museum von ihren Erfahrungen, fern der Heimat zu studieren.

Die Regensburgerin Kathrin Müller ist für ihr Masterstudium nach Osnabrück gezogen und wohnt jetzt 600 Kilometer von ihrer Heimat entfernt. "Es klingt banal, aber ich vermisse als gebürtige Bayerin eine gute Brezn", gesteht die 24-Jährige unserer Redaktion. Aber das ist natürlich nicht alles.

Als Auslöser für Heimweh wird in der Studie des Deutschen Auswanderhauses "eine angespannte private Lage" sowie die räumliche und – im Fall von Auslandsaufenthalten in unterschiedlichen Zeitzonen – auch „zeitliche Entfernung“ von der Heimat identifiziert. Der Studentin Müller fehlen in Osnabrück vor allem gute Freunde und ihre Familie. Sie könne nicht spontan für ein Wochenende heimfahren, erklärt sie. "Natürlich kann man telefonieren oder sich im Online-Chat sehen. Aber manchmal möchte man die Personen, die einem wichtig sind, persönlich treffen und sich geborgen fühlen." Oder wie es Florence Poniewas (25) aus Bremen ausdrückt, die für ihr Bachelorstudium einige Zeit in Osnabrück verbrachte und ebenfalls an der Studie teilnahm: „Heimweh ist ein bisschen wie Liebeskummer.“


Für das Studium zog die Studentin Kathrin Müller nach Osnabrück. Vor allem die "Brezn" aus ihrer Heimat Bayern vermisst sie. Foto: Deutsches Auswandererhaus/Teresa Grunwald

Für die Studie des Deutschen Auswandererhauses schilderten insgesamt 24 Studenten aus Bremen, Bremerhaven, Elsfleth, Oldenburg und Osnabrück ihr Erlebnis, fern der Heimat zu studieren, in persönlichen Interviews. Zudem nahmen über 1000 Besucher an einer anonymen Multiple-Choice-Umfrage teil.

Sehnsucht nach Orten und Personen

Die erste Analyse zeige, dass Heimweh ein vielschichtiger Begriff sei. Die Situationen, in denen die Befragten Heimweh erlebten, würden zwischen kurzen Momenten und mehreren Monaten schwanken. "Am häufigsten damit verbunden ist die Sehnsucht nach Orten und Personen, die im Leben der Studierenden eine wichtige Rolle spielen“, erklärt Kulturhistorikerin Teresa Grunwald, "daneben dominieren Gefühle wie Traurigkeit und Einsamkeit." Grunwald war am Deutschen Auswandererhaus als Volontärin für Presse und Marketing tätig. Die Durchführung der Studie und der damit verbundenen Öffentlichkeitsarbeit stellten ihr Abschlussprojekt dar, bei dem sie von Katie Heidsiek, Sozialwissenschaftlerin am Deutschen Auswandererhaus, unterstützt wurde.

An der Kaje erleben die Besucher des Deutschen Auswandererhauses den Moment des Abschieds von der alten Heimat. Foto: Deutsches Auswandererhaus/Stefan Volk

Die Studie sei bewusst in zwei Teile aufgeteilt. Zum einen zeige die Besucherumfrage ein Meinungsbild zum Thema Heimweh. Zum anderen gäben die Aussagen der Studenten einen detaillierten Einblick zu persönlichen Erlebnissen. „Studierende migrieren über kürzere oder längere Zeiten und Entfernungen und kommen so verstärkt mit Heimweh in Berührung“, sagt Heidsiek. Denn: Migration sei nicht nur die Auswanderung auf Dauer, sondern auch der temporäre Umzug innerhalb eines kleinen geografischen Raums. Entsprechend zählt auch der Umzug der Studentin Müller von Regensburg nach Osnabrück zur Migration.

Der 1913 eröffnete Bahnhof Grand Central Terminal galt als das Tor zum amerikanischen Kontinent. Der Bahnhof ist im Deutschen Auswandererhaus rekonsturiert worden. Foto: Deutsches Auswandererhaus/Ilka Seer

Ist Heimweh ein gutes Problem?

„Heimweh und Migration gehören eng zusammen“, erklärt Simone Eick, Direktorin des Deutschen Auswandererhauses, den Hintergrund der Studie. In der Sammlung des Erlebnismuseums erzählen über 3000 Familienkonvolute die Lebensgeschichten von Aus- sowie Einwanderern. „Die Aufzeichnung der Erinnerungen von Zeitzeugen sind wichtig, wenn wir Gefühle erforschen, für die es kaum textliche Belege gibt.“ Die Interviews mit den Studenten ergaben über elf Stunden Audio- und Video-Rohmaterial.


„Heimweh ist ein bisschen wie Liebeskummer.“Florence Poniewas, Studienteilnehmerin


Eine Zwiegespaltenheit mit Blick auf die Sehnsucht nach der Heimat zeige sich in der anonymen Besucherbefragung: 30 Prozent der Gäste des Deutschen Auswandererhauses bewerteten Heimweh gleichermaßen als "gut" und "problematisch". Hieraus ergebe sich die Frage: „Ist Heimweh ein gutes Problem?“. Woran dies liegt, werde nun weiter erforscht.


Deutsches Auswandererhaus

Das 2005 eröffnete Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven informiert über die Geschichte der 7,2 Millionen europäischen Auswanderer, die von 1830 bis 1974 über Bremerhaven nach Übersee gingen. Seit 2012 wird in einem Erweiterungsbau die Einwanderungsgeschichte nach Deutschland der vergangenen 300 Jahre dargestellt: Von den Hugenotten über Saison- und "Gastarbeiter" bis hin zu syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen. Mit bewegenden Geschichten realer Aus- und Einwanderer gibt das Migrationsmuseum Einblicke. Detailgetreu rekonstruierte Räume lassen die Kaje des Jahres 1888 oder aber das Zwischendeck eines Segelschiffs 1854 lebendig werden.

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