Schwarzer Humor aus der Schweiz Schlussakt mit Matto Kämpf bei „Kultur im Innenhof“

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Mit seinem schwarzen Humor bildete der Schweizer Matto Kämpf den Abschluss bei der diesjährigen Sommer-Reihe „Kultur im Innenhof“. Foto: Hermann PentermannMit seinem schwarzen Humor bildete der Schweizer Matto Kämpf den Abschluss bei der diesjährigen Sommer-Reihe „Kultur im Innenhof“. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Mit seinem schwarzhumorigen Best-of-Programm „Heimat ist da, wo man sich aufhängt“ ließ der Schweizer Matto Kämpf die diesjährige Sommer-Reihe „Kultur im Innenhof“ im Hof vom Haus der Jugend ausklingen.

Degenerierte Rehe, die sich im Wald den Wanderern vor die Füße werfen. Affen und Zoobesucher, die sich gegenseitig parodieren. Oder eine Frau, die auf einer Safari seelenruhig einen Löwen filmt, der ihren Gatten verspeist. Es ist schon eine makaber-abstruse Welt, die Matto Kämpf das Publikum mit seinen „Tiergeschichten“ herauf beschwört. „Heimat ist da, wo man sich aufhängt“ lautete denn auch der Titel von Kämpfs Best-off-Programm, mit dem der 48-jährige Schweizer Autor, Filmer und Theatermacher den Abschluss der diesjährigen Sommer-Reihe „Kultur im Innenhof“ vom Haus der Jugend bildete .

Wobei Kämpfs Comedy eher einer Lesung glich. Denn wenn er von masochistischen Regenwürmern berichtete, eine „Tundrajagd in russischer Manier“ beschrieb oder einen Rentner darüber sinnieren ließ, ob eine Fliege in der Suppe die Sichtweise ändern kann - immer trat Kämpf mit Buch oder Heft in der Hand auf. Das nahm seiner Comedy bei aller Raffinesse und geschliffenem Wortwitz die Spontanität. Eigentlich schade, denn der gesetzte Schweizer sprudelte in seinen Texten nur so über von Fantasie und verblüffenden Plots. Wer kommt schon auf eine „Schöpfungsgeschichte aus dem Berner Oberland“, in der selbiges mitsamt Bergen und Hauptsponsoren von einem goldenen Murmeltier in die Welt geniest wird? Und auch in Kämpfs „Krimi“ über einen städtischen Kommissar, der in einem abgelegenen Dorf ermittelt, überwogen schwarzhumorige Wortspiele rund um die Gäste im Wirtshaus „Zur Sau“ den eigentlichen Mordfall.

Im zweiten Teil des knapp zweistündigen Programms gab es eine Dia-Show mit alten Familien-und Landschaftsfotos auf großer Leinwand, in der etwa das Bild einer Mumie die verstorbene Großmutter darstellte. Ebenso verblüffend wie abstrus kamen auch die Auszüge aus Kämpfs Schrift „Kanton Afrika: Eine Erbauungsgeschichte“ über Urgroßvater Immanuels Trip durch die Schweiz daher. Deren Wirkung war gegen Ende des Programms allerdings beinahe schon verpufft. Vielleicht ist es mit Matto Kämpfs Humor ähnlich wie mit der Moral seines Märchens von der schönen Prinzessin, die jeden blind macht und deren starker Prinz wiederum jeden zu Tode drückt: „Manchmal ist zuviel zuviel.“


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