Interview mit Organisatorin Anke Bramlage „Die Kulturnacht gibt Gelegenheit, eigene Räume zu schaffen“

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Organisiert die Kulturnacht: Anke Bramlage. Foto: Gert WestdörpOrganisiert die Kulturnacht: Anke Bramlage. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Anke Bramlage leitet im Fachbereich Kultur das Projektbüro. Jetzt organisiert sie erstmals Kulturnacht. Ein Grund, sich mit ihr zu unterhalten.

Frau Bramlage, das Thema „Raum“ steht als Oberbegriff über der diesjährigen Kulturnacht. Wie bezieht sich die Aktion auf dem Marktplatz darauf?

Der Künstler Tim Roßberg zeigt eine Projektion namens „Transforming Space“. Er hat dafür eine Lichtprojektion auf das Rathaus und St. Marien konzipiert. Dabei zeichnet er die Strukturen der Gebäude mit Linien nach und unterlegt das Ganze mit Sound, der sich natürlich auf die Optik bezieht.

Ebenfalls von Tim Roßberg?

Genau. Jenseits der Projektion bleibt der Marktplatz aber frei. Es wird also keine Bierzeltgarnituren dort geben, sondern weiße Papphocker, einfach, um Raum zu lassen und den Menschen die Gelegenheit geben, sich eigene Räume zu schaffen: Ich kann mich mit Freunden zusammen- oder mich an die Seite setzen, weil ich eine andere Perspektive haben möchte; ich kann mir ruhigere Ecken suchen, wenn mir der Ton zu laut ist – der Raum ist sehr frei. Wir haben nur wenig Gastronomie aufgebaut, einen Getränke-, einen Bratwurst- und unseren Infostand. Sonst ist da nichts.

Die Projektion kann ja naturgemäß erst nach Einbruch der Dämmerung starten.

Ja. Die Projektion startet um 21 Uhr und läuft dann bis 24 Uhr durch. Auf ein Set von rund acht Minuten folgt eine zehnminütige Pause, dann beginnt die Projektion von vorne.

Und was passiert vor 21 Uhr?

Wir starten, wie fast jedes Jahr, um 18 Uhr: Bürgermeister Burkhard Jasper wird die Projektbeteiligten begrüßen, die im Anschluss gemeinsam auf die Kulturnacht anstoßen. Parallel dazu beginnt das Projekt „Heinz baut.“ Das ist eine Produktion des Schweizer Artistiktheaters Georg Traber. In diesem Fall wird ein Artist – Julian Bellini – aus Stangen ein Dreibein bauen, hochklettern und sich nach und nach ein Gerüst in die Höhe bauen. Das dürfte ziemlich spektakulär aussehen. Ab 21 Uhr beginnt er dann mit dem Abbau, während an Rathaus und Marienkirche die Projektion beginnt.

Gibt es neue Akteure bei der Kulturnacht?

Zunächst sind da die üblichen Institutionen vertreten: Fokus ist vor dem Theater dabei, mit Musik, Lounge, Gastronomie vertreten und hat ein buntes Straßenkulturprogramm zusammengestellt. Neu dabei ist u.a. Netrocks, ein junges Startup, vertreten von Wolf Goertz. Die Agentur hat ihren Innenhof geöffnet und wir haben einen Musiker vermittelt. Ansonsten beteiligen sich die großen Institutionen, klar: Das Theater, das Felix-Nussbaum-Haus, die Lagerhalle, das Haus der Jugend. Aber es gibt auch viele kleine, feine Adressen. Schön finde ich dabei, dass viele das Thema „Raum“ aufgegriffen haben.

Dieses Jahr liegt erstmals die Organisation der Kulturnacht allein bei Ihnen. Warum?

Die bisherige Koordinatorin, Claudia Imig, hatte 15 Jahre lang die Organisation inne und hat sich nun aus privaten Gründen zurückgezogen. Aber organisatorisch, also aus Sicht der Stadtverwaltung, war die Kulturnacht bereits vorher beim Projektbüro angesiedelt. Aber jetzt organisieren wir tatsächlich die Kulturnacht erstmals allein.

Welches Budget haben Sie denn zur Verfügung?

Aus dem Haushalt des Fachbereichs Kultur kommen 15000 Euro, die Stadtwerke fördern die Kulturnach dankenswerterweise mit 20000 Euro und die VGH mit 5000 Euro. Außerdem stellt die Firma Outdoorbeamer die Beamer für die Projektion am Martkplatz zur Verfügung. Einen Teil des Geldes müssen wir allerdings in neue Sicherheitskonzepte investieren, in Funktechnik und zusätzliche Ordner und zusätzliche Sicherheitskräfte.

Weil die Gefahren größer geworden sind?

Nein. Die Veranstaltung ist mit den Jahren mehr und mehr gewachsen, und auf dieses Wachstum muss ein Sicherheitskonzept reagieren.

Was macht für Sie den Reiz der Kulturnacht aus?

Das Miteinander der großen Einrichtungen und der kleinen Institutionen, die mit viel privatem Engagement das Programm auf die Beine stellen. Deshalb ist es uns auch wichtig, nicht zu viele Gastrostände aufzubauen, damit auch die lokalen Gastronomen von der Kulturnacht profitieren können. Es geht nicht darum, eine „Fressmeile“ zu installieren, sondern wirklich um Kultur.

Müssen sich die Institutionen auf das Oberthema „Raum“ beziehen, oder kann jeder machen, was er für richtig hält?

Jein. Wir sagen bei der Vorbesprechung, dass sich Programme, die sich auf das Kulturextra beziehen, bevorzugt in den Kulturnachts-Folder kommen, gern auch mit Foto. Aber der Folder hat sein Maximalformat erreicht – mehr passt einfach nicht in den Drucker –, weshalb wir ohnehin bei manchen Angeboten sagen müssen, tut uns leid, das passt jetzt nicht mehr rein. Aber es gibt eine App, die kostenfrei in den gängigen Stores heruntergeladen werden kann und in die umfassendere Daten und Fotos eingegeben werden können. Dankenswerterweise wurde die App wieder von der Hochschule Osnabrück betreut.

Da ist alles drin?

Da ist alles drin. Vorausgesetzt, die Veranstalter haben ihre Programme eingepflegt oder Daten geliefert.


Osnabrücker Kulturnacht: Samstag, 18 Uhr (offizielle Eröffnung) bis 24 Uhr. Für weitere Infos hier klicken.

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