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"Nicht dramatisch, aber bedenklich" Greenpeace-Aktion zeigt: Osnabrücks Hase ist nitratbelastet

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Eine Wasserprobe aus der Hase nahmen am Mittwoch die Greenpeace-Mitarbeiter Markus Wiechmann und Karolina Heck. Foto: Jörn MartensEine Wasserprobe aus der Hase nahmen am Mittwoch die Greenpeace-Mitarbeiter Markus Wiechmann und Karolina Heck. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Es ist kein dramatischer Wert, zu erwarten war er auch und dennoch: Mit 4,04 Milligramm Nitrat-Stickstoff NO3-N pro Liter Oberflächenwasser weist auch die Hase eine deutliche Überschreitung des ökologischen Richtwertes von 2,8 Milligram pro Liter aus.

Erstaunte Blicke der Passanten folgten den fünf Menschen, die am Mittwoch ein rotes Schlauchboot von der Herrenteichstraße Richtung Herrenteichswall schleppten. Wer genauer hinsah, konnte erkennen, dass es sich nicht um eine mobile Einstaztruppe zur Rettung Schiffbrüchiger, sondern um ein Team der Umweltschutzorganisation Greenpeace handelte, erkennbar an ihren grünen T-Shirts. Sinn und Zweck der Aktion war eine Probenentnahme aus der Hase. Die Fragestellung: Wie weit ist Osnabrücks Fluss mit Nitraten und anderen Schadstoffen und Keimen belastet.



Greenpeace auf Deutschlandtour

Die Greenpeace-Mitarbeiter Karolina Heck und Markus Wiechmann sind derzeit auf einer Tour quer durch Deutschland, um Gewässer vor allem auf Einträge aus der Landwirtschaft zu untersuchen. In erster Linie sind das Nitrate, die durch die Düngung der Äcker in Flüsse und Seen gespült werden. Mit dabei war die Osnabrücker Ortsgruppe der Umweltaktivisten rund um Tobias Demircioglu. "Wir haben durchaus mit erhöhten Werten gerechnet", sagt Demircioglu und weist auf den Verlauf des Flusses durch landwirtschaftlich intensiv genutzte Gebiete und die Hase-Zuläufe wie unter anderem die Düte hin.


Über den Herrenteichswall ging es zur Entnahmestelle an der Hase. Foto: Jörn Martens


Mit der Untersuchung durch Greenpeace steht die Hase innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Mal im Fokus. Im Februar hatte der Norddeutsche Rundfunk mit einer Untersuchung des Hasewassers auf multiresistente Keime für Aufmerksamkeit gesorgt. Der NDR hatte die Proben seinerzeit hinter dem Klärwerk in Eversburg entnommen und alarmierende Werte festgestellt. 

Auch Greenpeace wird seine Haseproben auf Keime und Erreger untersuchen lassen. Diese Tests sind allerdings aufwändiger und können nur in entsprechend ausgestatteten Labors durchgeführt werden. Mit Ergebnissen rechnen Heck und Wiechmann in ein einigen Wochen. "Selbstverständlich werden wir auch diese Werte dann veröffentlichen", kündigen die beiden an.


An ihrem Stand auf dem Nikolaiort machten die Umweltaktivisten von Greenpeace auf die Auswirkungen der Massentierhaltung auf die Wasserqualität aufmerksam. Foto: Jörn Martens


Am Mittwoch stand die Nitratbelastung des Flusses im Fokus der Untersuchungen. Diese Tests lassen sich vor Ort mit relativ geringem Aufwand und dennoch aussagefähigen Resultaten durchführen. Die Belastung der Hase nannte Wiechmann zwar "nicht dramatisch, aber bedenklich". 

Ab 12 Uhr konnten am Mittwoch auch Brunnenbesitzer ihr Wasser zur Untersuchung am Greenpeacestand auf dem Nikolaiort abgeben. Für einen Brunnen, der direkt neben der Hase liegt, stellten die Greenpeace-Mitarbeiter einen unbedenklichen Nitratwert von 0,72 Milligramm pro Liter fest. Andere Brunnenbesitzer vor allem aus dem Landkreis, die ihre Proben eigens nach Osnabrück gefahren hatten, mussten mit wesentlich schlechteren Ergebnisse wieder nach Hause fahren. 

Spitzenwert aus Bramsche

Den Spitzenwert bis zum Mittag erzielte ein Brunnen aus Bramsche mit 12,96 Milligramm NO3N pro Liter. Eine Probe dem Georgsmarienhütter Ortsteil Holzhausen riss den Richtwert mit 6,33 Milligramm pro Liter ebenfalls deutlich. Und auch die 4,85 Milligramm aus einem Brunnen in Glandorf weisen nach Ansicht der Umweltschützer deutlich auf eine zunehmende Belastung des Wassers hin.


Mitgebrachte Wasser proben der Bürger aus Stadt und Landkreis wurden auf dem Nikolaiort untersucht. Foto: Jörn Martens


Insgesamt war die Nachfrage so groß, dass die Greenpeace-Mitarbeiter mit ihren Untersuchungen kaum noch nachkamen. Die Brunnenbesitzer nutzten die Wartezeit gerne für einen Kaffee, aufgebrüht mit unbelasteten Trinkwasser.


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