Was bedeutet Sicherheit für junge Europäer? Hase 29: Kreative widmen sich eine Woche lang dem Thema Sicherheit

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Bieten diese Schirme Schutz? Natalia Merlo Olmedo konzipierte die Perfomance „Unsafe“ und möchte Schirmträger mit Wasser übergießen.Foto: Tom BullmannBieten diese Schirme Schutz? Natalia Merlo Olmedo konzipierte die Perfomance „Unsafe“ und möchte Schirmträger mit Wasser übergießen.Foto: Tom Bullmann

Osnabrück Eine Woche lang setzen elf Teilnehmer am Begegnungs- und Beteiligungsprojekt „Labor Europa“ den Begriff der Sicherheit in einen kreativen Prozess um. Die Ergebnisse werden zur Kulturnacht im Kunstraum Hase29 zu sehen sein.

Eine junge Frau steht vor dem Kunstraum Hase29 und versucht, Passanten auf sich aufmerksam zu machen. Drei bunte Regenschirme stehen aufgespannt neben ihr auf dem Bürgersteig, mit einem weiteren wedelt sie emsig in der Luft herum. „Ich versuche, Leute zu motivieren, an einer Performance teilzunehmen, die ich „Unsafe“ nenne“, sagt Natalia Merlo Olmedo. Die Spanierin ist 21 Jahre alt und studiert in Aranjuez, einer kleinen Stadt südlich von Madrid, Kunst. Jetzt arbeitet sie auf Einladung des Projekts „Labor Europa“ in Osnabrück.

„Safety First“ ist das Thema des Labors „Visual Art“, in dem die Teilnehmer künstlerisch tätig werden. In anderen beschäftigen sich die insgesamt 50 jungen Europäer zwischen 18 und 25 Jahren mit der Geschichte Europas, sie musizieren, entwickeln eine Performance oder beschäftigen sich mit Medien und Games.

Was bedeutet Sicherheit für junge Leute aus den europäischen Mitgliedsstaaten? Fühlen sie sich im Alltag sicher? Diesen Fragen sollen die elf Teilnehmer, deren Bewerbungen angenommen worden waren, bis zur Kulturnacht am kommenden Samstag nachgehen. „Von meiner Performance wird im Kunstraum ein Video zu sehen sein“, erklärt Natalia Merlo Olmedo. Der Grund, warum sie die Performance nicht live vor Ort realisiert, ist einfach: Über den Schirmträgern wird nämlich eimerweise Wasser ausgeschüttet. Da die junge Künstlerin die Schirme zuvor intensiv perforiert hat, werden die Schirmträger darunter keinen Schutz finden. Die symbolhafte Auseinandersetzung mit Gut und Böse, mit Sicherheit und Ausgeliefertsein, wird die Spanierin an einem Platz in der Innenstadt realisieren, an dem das Wasser keinen Schaden anrichten kann. Die filmische Dokumentation wird schließlich zur offiziellen Präsentation in Hase29 zu sehen sein.

Mit dem klassischen Genre der Malerei nähert sich Markus Karpouzis dem Thema „Safety First“. Ein Selbstporträt malte der griechische Künstler vor Ort, das ihn mit freiem Oberkörper zeigt: Er ist über und über mit Blessuren und Schnitten bedeckt. Der 25-Jährige aus Athen will mit seinem Bild ein Statement setzen: „Es ist eine Tatsache, dass Menschen mit von der Norm abweichender Geschlechtsidentität bei anderen Leuten oft auf Unverständnis und Ablehnung stoßen“, betont Karpouzis. Dass diese Intoleranz zu Unsicherheit und sogar zu Angst vor körperlicher Gewalt führen kann, symbolisiert das Acryl-Bild, das er gemalt hat.

Eine ganz andere Herangehensweise an das Thema „Sicherheit“ wählten Veronika Simmering und Leonie Hafen aus Münster. Wegen ihres Projekts, das die Studentinnen bereits vor dem „Labor Europa“ gestartet haben, werden sie nur noch die „Spusis“ genannt. Des Nachts gehen sie auf Streife und suchen im öffentlichen Raum nach störenden Objekten und Orten, an denen etwas Außergewöhnliches passiert. Fahrzeuge, die falsch geparkt sind, Müll, der auf dem Bürgersteig deponiert wurde oder auch Straßenschilder, die zweckentfremdet wurden, markieren sie mit Kreide und dokumentieren ihre „Tatorte“ mit ihrer Kamera. Im Kunstraum Hase29 haben die beiden Spurensucherinnen ihr „Büro“ eingerichtet, in dem sie ihre Ausbeute dokumentieren.

Eine Woche lang arbeiten die Laboranten in Osnabrück, dann werden alle Ergebnisse während der Kulturnacht der Öffentlichkeit vorgestellt.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Ziel von „Labor Europa“ erreicht wird, durch Austausch und gemeinsame kreative Arbeit den europäischen Gedanken zu stärken und gemeinsam neue Perspektiven für den Kontinent zu entwickeln. Möglich gemacht wurde das Projekt durch die Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Felicitas und Werner Egerland-Stiftung und des Landes Niedersachsen.


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