Für ein Leben ohne Drogen Osnabrücker Selbsthilfeverein Elrond feiert sein 25-Jähriges

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Arbeit gehört zur Therapie: Mit Umzügen und Entrümpelungen nimmt der Verein Elrond Geld ein.Arbeit gehört zur Therapie: Mit Umzügen und Entrümpelungen nimmt der Verein Elrond Geld ein.

Osnabrück. Seit 25 Jahren helfen in dem Verein Elrond ehemalige Süchtige jetzigen Süchtigen beim Start in ein Leben ohne Alkohol und Drogen. Dazu braucht es strenge Regeln und ein Umzugsunternehmen.

Am Anfang stand eine schlichte Notwendigkeit. „Anfang der 1990er Jahre gab es in Osnabrück ein echtes Drogenproblem und zu wenig Hilfsangebote“, sagt Rainer Heimann. „Da haben sich Betroffene und Eltern zusammengeschlossen, um ein Wohnprojekt zu gründen.“ Hilfe kam von einem Verein in Bremen. Elrond hieß der. „Von dort kamen Leute nach Osnabrück, um die Idee vorzustellen, und 1993 wurde Elrond Osnabrück gegründet.“ 25 Jahre ist das jetzt her.

„Das Besondere an Elrond ist“, sagt Mitarbeiter Marcus Kroll, „dass hier Süchtige Süchtigen helfen. Jeder der hier ist, hat selbst eine Suchtkarriere hinter sich.“ Auch Geschäftsführer Rainer Heimann. „Ich bin im Januar 1997 hier eingezogen“, sagt er. Als Suchtkranker. Seit 2006 arbeitet er hauptberuflich hier. Marcus Kroll zog im Juni 2011 ein. Jetzt managt er das Büro und die rechtlichen Angelegenheiten für die Bewohner; beide leiten auch die regelmäßigen Therapierunden und führen Einzelgespräche mit den Bewohnern. „Wir wissen, wovon wir reden“, sagen sie. „Uns macht hier so leicht keiner was vor.“

Drei Monate totales Kontaktverbot

Neun Suchtkranken zwischen 25 und etwa 50 Jahren bietet das Haus an der Tannenburgstraße Platz, drei weitere bereiten sich in der Außenwohnung auf ein selbständiges Leben vor. Die Regeln sind hart. „Wir arbeiten hier nach einem Stufenmodell“, sagt Rainer Heimann. Die erste Stufe ist die schwerste. „Drei Monate Kontaktverbot, keine Besuche, kein eigenes Geld, kein Handy, kein Ausgang.“ Dafür gemeinschaftliches Leben wie in einer Familie und Arbeit. „Wir machen vor allem Umzüge und Entrümpelungen. Morgens um acht geht es los, Feierabend ist in der Regel um halb vier.“ Wer Alkohol oder Drogen ins Haus bringt, fliegt sofort. „Eine halbe Stunde zum Packen, dann war’s das“, sagt Marcus Kroll. Meist entscheidet sich in den ersten zwei Wochen, wer bleibt. „Je länger jemand durchhält, desto größer die Chance, dass es erfolgreich endet“, sagt Kroll. Zwei Jahre im Haupthaus sind eine gute Basis.

Das geht nur, weil Elrond ein gemeinnütziger Verein ist, der ohne externe Kostenträger auskommt. „Wenn eine Therapie zum Beispiel über die Krankenkasse finanziert wird, ist sie auf wenige Wochen, höchstens Monate begrenzt. Bei uns bleiben die Leute, so lange sie es brauchen.“ Bezahlt wird das durch den Zweckbetrieb, also durch die Dienstleistungen, die erbracht werden. „Wir sind ausgebucht“, sagt Marcus Kroll. Den Elrond-LKW kennt man auf Osnabrücks Straßen. Für notwendige Renovierungsarbeiten reicht das Geld aus dem Zweckbetrieb oft nicht. Heizung und Dach des Altbaus im Schinkel sind marode, auch der LKW muss bald erneuert werden. „Da brauchen wir dringend Sponsoren und andere Geldgeber“, sagt Geschäftsführer Rainer Heimann.

"Wir kennen unsere Grenzen"

Auch wenn das Konzept von Elrond ohne diplomierte Therapeuten und andere externe Fachleute auskommt: Der Verein ist als Therapieeinrichtung anerkannt und eingebunden in das Drogenhilfenetzwerk Osnabrück, zu dem etwa das Ameos-Klinikum, die Justizbehörden oder die Caritas gehören. „Wir kennen unsere Grenzen“, sagt Rainer Heimann. „Wir wissen, wann unsere Bewohner besondere Hilfe brauchen.“ Das habe der Verein erst lernen müssen. „Vor 25 Jahren wurde versucht, alles ganz selbständig und autonom zu machen, aber das funktioniert heute nicht mehr.“

Und wie sieht es mit der Erfolgsquote der Einrichtung aus? „Die liegt auf jeden Fall höher als in anderen Einrichtungen“, ist Marcus Kroll überzeugt. Wie hoch genau, das wird zurzeit bei einem Forschungsprojekt der Hochschule Osnabrück untersucht. Anfang kommenden Jahres ist mit Ergebnissen zu rechnen. „Egal, wie das ausfällt, es wird uns auf jeden Fall nützen, um uns weiterzuentwickeln“, sagt Rainer Heimann. Weiterentwickeln heißt allerdings nicht: zu wachsen. „Wir leben von unserem familiären persönlichen Kontakt, bei dem wir jedem ganz individuell helfen können. Bei mehr Häusern und mehr Bewohnern würde das nicht mehr funktionieren.“


Das Haus von Elrond e.V. bietet neun Süchtigen Platz zum Wohnen und zum Arbeiten und einen Einstieg in ein drogenfreies Leben.


Wie bei einer Großfamilie wird dann auch das 25-Jährige am Samstag ab 15 Uhr gefeiert. „Es kommen viele Ehemalige, es kommen Nachbarn und alle, mit denen wir zusammenarbeiten: von der Stadt, der Justiz, den Wohlfahrtseinrichtungen und anderen Partnern“, sagt Marcus Kroll. Dann wird gefeiert, was das Zeug hält: mit wenigen Reden, viel Musik, einem „legendären Büffet“ und einer ganz und gar alkoholfreien Cocktailbar.


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