Junge-Union-Chef in Dissen Ziemiak: Ein Jahr für die Gesellschaft muss drin sein

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Unverkrampft: Christoph Seidel vom Reservistenverband Niedersachsen, JU-Kreisvorsitzende Judith Hörning und JU-Chef Paul Ziemiak (von links) beim Sommerfest der Jungen Union in Dissen. Foto: Hendrik SteinkuhlUnverkrampft: Christoph Seidel vom Reservistenverband Niedersachsen, JU-Kreisvorsitzende Judith Hörning und JU-Chef Paul Ziemiak (von links) beim Sommerfest der Jungen Union in Dissen. Foto: Hendrik Steinkuhl

Dissen. Auf seiner Sommertour hat Paul Ziemiak, Bundesvorsitzender der Jungen Union, Halt in Dissen gemacht. Beim Sommerfest der Jungen Union Osnabrück-Land unterstützte Ziemiak den Vorstoß seiner Parteikollegin Annegret Kramp-Karrenbauer und warb für ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr.

Als guter Volksvertreter weiß man, dass ein Lob an die Region ein zuverlässiger Eisbrecher bei Ortsterminen ist. Und da Paul Ziemiak in Osnabrück einige Semester Jura studiert hat, musste sich der Bundestagsabgeordnete und Bundesvorsitzende der Jungen Union für sein Lob auch nicht verrenken.

Israel als Vorbild

„Ich bin gerade im Osnabrücker Land unterwegs, für das ich eine große Sympathie habe, weil ich in Osnabrück gerne gelebt und vor allem auch gefeiert habe.“ Mit seiner unverkrampften Art ist Ziemiak ein großer Hoffnungsträger der CDU. Dass er auch inhaltlich überzeugen kann, zeigte er im Gespräch mit Christoph Seidel, stellvertretender Vorsitzender des Reservistenverbandes Niedersachsens, und Moderatorin Judith Hörning, Kreisvorsitzende der Jungen Union Osnabrück-Land sowie Gastgeberin des Sommerfestes am Dissener Telgenkampteich.  

„Ich finde ein Gesellschaftsjahr sehr wichtig“, sagte Paul Ziemiak in seinem Eröffnungsstatement, „wir würden damit ein verbindendes Element in der Gesellschaft schaffen.“ Die oft geäußerte Meinung, die Politik würde den jungen Deutschen damit ein Jahr stehlen, wies Ziemiak zurück. „Jedes zweite Mädchen, das heute in Deutschland geboren wird, hat eine statistische Lebenserwartung von 100 Jahren. Da muss ein Jahr für die Gesellschaft drin sein.“

Im weiteren Gespräch verwies Ziemiak immer wieder auf das Beispiel Israel. Dort würden Frauen für zwei und Männer sogar für drei Jahre zum Militär eingezogen. Der Wehrdienst beschränke sich aber eben nicht auf die typischen Soldatenausbildung, sondern fördere die jungen Israelis entsprechend ihrer Talente und Neigungen. „Das ist mein Credo auch für unser Gesellschaftsjahr: Die Leute gehen in einen Bereich, in dem sie auch wirklich arbeiten wollen.“

Bundeswehr muss sich umstellen

Um das zu gewährleisten, müsse sich aber die Bundeswehr umstellen und ihre starren Strukturen auflösen, so Ziemiak. „Es darf natürlich auch nicht sein, dass jemand den ganzen Tag nur Schutt von A nach B bringt und dafür keine Schiebkarre bekommt.“

Ziemiaks Gesprächspartner Christoph Seidel, stellvertretender Vorsitzender des Reservistenverbandes in Niedersachsen und mittlerweile wieder bei der Bundeswehr beschäftigt, wies darauf hin, dass die Bundeswehr schon heute „viel tiefere Ausbildungsstrukturen“ habe als noch vor Jahren. Dass die Armee mit einem plötzlichen Ansturm junger Wehrpflichtiger überfordert sein könnte, glaubt Seidel nicht. „Wir leben in Deutschland, das lässt sich doch wohl organisieren.“

Klar ist für Seidel und Ziemiak, dass ein Gesellschaftsjahr einige Zeit der Vorbereitung benötigt – auch in der Gesetzgebung. „Die Merkel hat mir schon gesagt, dass das nächste Woche sicher noch nicht beschlossen wird“, sagte Ziemiak mit einem Schmunzeln.

Auch für Ältere möglich

Der JU-Bundesvorsitzende hob immer wieder hervor, dass ein Gesellschaftsjahr wirklich nur dann funktionieren könne, wenn es für jeden verpflichtend sei. Die Entlohnung dürfe nicht unter dem Arbeitslosengeld liegen, und obwohl der normale Dienstpflichtige nach Schule, Ausbildung oder Studium eingezogen würde, sollten auch Menschen höheren Alters die Möglichkeit haben, das Gesellschaftsjahr zu leisten.

In der anschließenden Diskussion meldete sich schließlich auch noch der CDU-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Meller Bürgermeister André Berghegger zu Wort. Er dankte Ziemiak für den politischen Vorstoß, nicht zuletzt, weil er damit ein klassisches Kernthema der Union wieder aufs Tapet bringe. „Und viele solcher Themen haben wir ja nicht mehr.“


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