Keinerlei Sozialromantik Kunstinstallation vor dem Osnabrück Dom zeigt Situation Obdachloser

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„Abseits – Leben im öffentlichen Raum“ lautet der Titel der Kunstinstallation, mit der die Redaktion der Straßenzeitung „Abseits“ auf die schwierige Situation wohnungsloser Menschen in Osnabrück aufmerksam machen will. Foto: David Ebener„Abseits – Leben im öffentlichen Raum“ lautet der Titel der Kunstinstallation, mit der die Redaktion der Straßenzeitung „Abseits“ auf die schwierige Situation wohnungsloser Menschen in Osnabrück aufmerksam machen will. Foto: David Ebener

Osnabrück. Mit einer Kunstinstallation vor dem Osnabrücker will die Straßenzeitung „Abseits“ aufmerksam machen auf die Situation von Obdachlosen in Osnabrück. Passanten bekommen dort einen Eindruck davon, wie es ist, Platte zu machen.

Ein paar Holzpaletten, eine Isomatte, eine Decke, ein Koffer: All das ist seit Donnerstag mitten auf dem Domvorplatz aufgebaut, ergänzt durch Fotos von Thomas Osterfeld und Helga Duwendag-Strecker sowie durch einen Film, die alle vom Leben auf der Straße erzählen.

(Lesen Sie auch die Reportage: Unsichtbar in Osnabrück: Einblicke eines Obdachlosen) 


Foto: David Ebener


Der Film zeigt die menschenleeren Straßen frühmorgens in Osnabrück, während ein Wohnungsloser berichtet, wie er alles verlor. „Ein Hallo ist manchmal viel mehr wert als ein Euro“, sagt der Mann, den die Zuschauer nicht zu Gesicht bekommen. Eine gute Kindheit hatte er bei seinen Adoptiveltern, beide Ärzte. Dann, nach der Ausbildung, kam der Konsum. Der Erzähler war süchtig, traute sich deshalb nicht mehr, zu den Ämtern zu gehen. Er konnte die Miete nicht mehr zahlen, flog aus der Wohnung, landete auf der Straße. Von Alkohol und Einsamkeit berichtet er, davon, dass er sich zeitweise vor sich selbst geschämt hat, weil er so ungepflegt war.


Foto: David Ebener


Mit Sozialromantik à la Zelten habe das Leben eines Wohnungslosen rein gar nichts zu tun. Nicht zuletzt das wolle die Aktion vermitteln, betont Abseits-Mitarbeiter Willi Kaiser. „Wir wollen Verständnis wecken für die Wohnungslosen und Vorurteile abbauen“, sagt Thomas Kater vom katholischen Verein für soziale Dienste, der in Osnabrück für die Wohnungslosenhilfe zuständig ist.


Auf einer Tafel können Passanten mit Kreide ihre Gedanken zum Thema hinterlassen. Foto: David Ebener


Da das Thema der diesjährigen Kulturnacht „Raum“ lautet, hat sich die „Abseits“-Redaktion mit der Idee um Fördermittel beworben, knapp 3000 Euro gab es dafür von der Stadt. „Abseits“ kooperiert dabei außerdem mit dem Forum am Dom.

Bis zum 4. September ist die Installation noch zu sehen.


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