Osnabrücker Stadtgeschichte Wo das Nikolaizentrum steht, produzierte Firma Prenzler Apparate

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Osnabrück. Wenn man die Geschichte der Firma August Prenzler verfolgt, stößt man automatisch auf die krassen Veränderungen des Osnabrücker Stadtbildes in der Nachkriegszeit. Auf dem Grundstück Hakenstraße 17, wo über fast 100 Jahre die Familie Prenzler wohnte und mit ihren Mitarbeitern Kupfer schmiedete und Apparate baute, thront heute das Nikolaizentrum.

1982 ging der Wohnkomplex Nikolaizentrum über einer Tiefgarage mit 500 Stellplätzen in Nutzung. Architekt Erich Schneider-Wessling erhielt dafür den Deutschen Städtebaupreis wegen der gelungenen Integration in bestehende stadträumliche Strukturen.

Was waren das für Strukturen? Bevor sich das seinerzeit futuristisch wie ein Raumschiff anmutende Nikolaizentrum 1982 dazwischenlegte, war die Hakenstraße ein durchgehender Straßenzug von der Krahnstraße bis zur Katharinenkirche. Zu den überbauten Parzellen gehört auf der Westseite die Hausnummer 5, wo Heinrich Röwer und später sein Schwiegersohn Gerhard Pfitzner mit Fahrrädern handelten und DDR-Autos wie Trabant und Wartburg verkauften.

Auf der Ostseite stand das alte Steinwerk mit dem Szenelokal „Poggenkeller“, Wirt Fritz Osterkamp, und daneben die Handlung für Krankenhaus- und Ärztebedarf Hilmer & Buchwalder. Daran schloss sich das Grundstück Hakenstraße 17 an. In den letzten Jahren vor dem Bau des Nikolaizentrums erstreckte sich hier ein wenig einladender Parkplatz, aber zuvor war es der Sitz der Firma August Prenzler, „Kupferschmiederei und Apparatebau-Anstalt“.

In Firma eingeheiratet

Der Klempnermeister August Prenzler (1840–1909) heiratete 1868 durch Vermählung mit Henriette Ringelmann in die schon seit 1719 in der Heger Straße 9 bestehende Kupferschlägerei Ringelmann ein und führte sie unter eigenem Namen fort. 1873 erwarb er die Räumlichkeiten der Drahtstiftefabrik Meyer & Kämper in der Hakenstraße 17 und verlegte den Betrieb dorthin.

Ein willkommenes Konjunkturprogramm für ihn war der Aufbau der städtischen Wasserversorgung ab 1890. Kilometer über Kilometer an Wasserleitungen mussten verlegt werden, und Prenzler lieferte fleißig. Verkaufsschlager blieben aber über all die Jahre Destillierapparate für die Branntweinherstellung bis hin zu kompletten Einrichtungen für Brennereien. Auch andere Branchen wie Brauereien, Hefefabriken, Wäschereien und Gerbereien konnten Prenzlers Apparate und Vorrichtungen gebrauchen, er baute daneben Dampf- und Wasserheizungen, Pumpen, Feuerspritzen und Blitzableiter. Gegen Ende des Jahrhunderts gliederte er die Fabrikation von Dampfkesseln an, um unabhängiger von Vorlieferanten zu werden, 1897 übernahm er die Kesselschmiede Vieth & Co. und führte sie unter der Firmierung Prenzler & Vieth weiter.

Vom Ersten Weltkrieg profitiert, unter dem Zweiten Weltkrieg gelitten

Sohn Richard (1876–1960) übernahm nach dem Tod des Seniors 1909 die Firmenleitung. In seinen Lebenserinnerungen schreibt Richard Prenzler: „Der traurige, unglückliche 1. Weltkrieg brachte eine starke Belebung des Geschäfts, weil laut Regierungsbeschluss alle kupfernen Apparate aus den Brennereien abgeliefert werden mußten, um das Kupfer für den Munitionsbedarf nutzbar zu machen. Es wurden daher an deren Stelle viel eiserne Apparate geliefert.“ Die Wirtschaftskrise 1929/30 brachte hingegen schwere Zeiten, in deren Folge die Dampfkesselfabrik aufgegeben wurde.

Im Bombeninferno des Zweiten Weltkriegs ging das repräsentative Wohn- und Geschäftshaus vorn an der Hakenstraße ebenso unter wie die weiter hinten in der Grundstückstiefe Richtung Kamp gelegenen Werkstattgebäude. Provisorisch arbeitete man in den Ruinen weiter und errichtete nach und nach eine neue Betriebsinfrastruktur. Aber es fehlte an Erweiterungsmöglichkeiten.

Außerdem mehrten sich die Beschwerden von Anwohnern über den Werkstattlärm. So machte sich Ingenieur Hans Westrup als Nachfolger in der Firmenleitung – dessen Ehefrau Inge war die Nichte des kinderlos gebliebenen Richard Prenzler – 1963 an die Aussiedlung des Betriebs aus der Innenstadt in den Fledder.

Neuer Firmensitz im Fledder nur kurzlebig

1964 konnte der neue Firmensitz in der Pferdestraße 5 in Betrieb genommen werden. Das Glück in neuen Räumen währte aber nur etwa fünf Jahre. Die Geschäftsgrundlage bröckelte, weil die aus kleinen Brennereien bestehende Stammkundschaft an Marktanteilen verlor und nicht mehr investierte. 1969 endete die Geschäftstätigkeit der Firma August Prenzler: Schnaps, das war ihr letztes Wort – denn die Umsätze in anderen Geschäftsfeldern konnten die fehlenden Aufträge bei Destillierapparaten nicht wettmachen.

In der Reihe „Das unbekannte Foto“ fragte unsere Redaktion vor vier Jahren nach Erinnerungen an die Firma. Daraufhin meldeten sich einige Angehörige ehemaliger Mitarbeiter und berichteten von einem sehr sozial eingestellten Unternehmen, dem an einem guten Zusammenhalt der Beschäftigten untereinander und mit der Inhaberfamilie gelegen war. Edith Nitsche etwa erzählte, dass sie ihrem Bruder Heinz Ortgies oft das Mittagessen in einem Henkelmann in die Werkstatt brachte. Eine Leserin stellte das Arbeitszeugnis ihres Vaters Otto Winter zur Verfügung, der von 1921 bis 1952 und zuletzt als Prokurist bei Prenzler gearbeitet hatte. Eine Zuschrift kam sogar aus den USA: Ingeborg Veskovic wusste zu berichten, dass Richard Prenzler stark schwerhörig war und deshalb auf Geschäftsreisen regelmäßig von ihrem Vater begleitet werden musste.

In Osnabrück selbst leben Nachkommen der Inhaberfamilie. Richard Prenzlers Großnichte Birgit Westrup stellte Fotos und persönliche Zeugnisse aus dem Firmenarchiv zur Verfügung. Ihr Cousin Reinhard Prenzler gehörte zu den Organisatoren des bis dato letzten „Prenzlertreffens“ 2016, das 79 Familienangehörige aus Deutschland, Skandinavien und den USA in Osnabrück versammelte.

Bekannter Stammbaum reicht zurück ins 17. Jahrhundert

Wer es genau wissen will, dem rollt Reinhard Prenzler auch gern den 3,80 Meter langen Stammbaum aus, der die Verwandtschaftsverhältnisse bis 1684 zurückverfolgen lässt.

„Wahrscheinlich hatten die Prenzlers es schon immer mit Feuer zu tun“, vermutet er. Eine frühere Schreibweise des Namens laute nämlich „Brenzler“ – und das klinge ja geradezu brenzlig. Lange vor Erfindung des Streichholzes ging der Brenzler mit seinem Feuerkorb durchs Dorf und verkaufte den Leuten Glut, mit der sie das Herdfeuer entfachen konnten, so lautet jedenfalls eine mögliche Deutung der Namensherkunft.

Weitere Zweige der Familie

Nicht nur der Familienzweig der Kupferschmiede hatte mit Feuer im weitesten Sinne zu tun, sondern auch der Lampenfabrikant Georg Heinrich Prenzler, der sein Wohn- und Geschäftshaus am Markt 13 hatte. Die Adresse ist heutigen Osnabrückern vor allem als ehemalige Filiale der Steakhaus-Kette „Maredo“ bekannt. Künftig ist dort das Stadtgalerie-Café untergebracht.

Das Nikolaizentrum steht heute auf der früheren Prenzler’schen Parzelle. Foto: Joachim Dierks

Die Schuhmacher-Linie der Prenzlers unterhielt zwischen Krahnstraße 6 (Schuhgeschäft „Ara Shop“) und Marienstraße 18 („Wein-Krüger“) eine „mechanische Schuhfabrik mit Dampfbetrieb“. Nur bei einem berühmten Spross der Sippe ist es schwierig, eine Verbindung zu brenzligen Geschäften herzustellen: Georg Rudolf Prenzler (1869–1953) war 50 Jahre lang der „Mann an der Orgel“. Er diente der Katharinengemeinde als Kantor und Kirchenmusikdirektor. Nach ihm ist im Stadtteil Wüste der Prenzlerweg benannt.


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