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Mit Schraubschlüssel ins Kino Osnabrücker Kinogeschichte(n), Teil 2: „Universum“

Von Reinhard Westendorf

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Populär als Familienkino: das Universum.Foto: ArchivPopulär als Familienkino: das Universum.Foto: Archiv

Osnabrück. In unserer Reihe zur Osnabrücker Kinogeschichte blicken wir heute auf das traditionsreiche „Universum“ in der Großen Straße zurück. Eröffnet am 7. April 1960 im Untergeschoss eines Geschäftsneubaus, wurde der Spielbetrieb nach über 40 Jahren am 20. September 2001 mit einer legendären Abriss-Party beendet.

Dass die lokale Kinogeschichte vergleichsweise gut dokumentiert wurde, ist der Autorin Anne Paech und ihrem 1985 erschienenen und noch immer lieferbaren Buch „Kino zwischen Stadt und Land“ (Jonas Verlag, 15 Euro) zu verdanken. Dort taucht der Name „Universum“ erstmalig schon 1932 auf. In diesem Jahr wurde das umgebaute „Moderne Theater“ in der Großen Straße am 2. November als „Universum-Tonfilm-Theater“ neu eröffnet. Nach einem Luftangriff brannte das Gebäude 1944 vollständig aus.

An gleicher Stelle entstand 1960 in der Haupteinkaufsstraße das neue „Universum“ im Souterrain eines viergeschossigen Neubaus der Allianz-Versicherung. Die Außenkasse des Kinos war zunächst ebenerdig zur Großen Straße ausgerichtet. Durch eine Laden-Passage ging es über eine Treppe hinab in das schmale Foyer und den großen Saal mit 386 Plätzen und der 3,70 mal 9,50 m breiten Cinemascope-Leinwand. 1984 wurde das „Universum“ zum Start des Musikfilms „Footloose“ als erstes Kino in Osnabrück mit einer „4-Kanal-Dolby-Stereo-Tonanlage“ ausgerüstet. Über 30 Jahre galt das Haus in der Großen Straße 84 laut Anne Paech als „das Osnabrücker Familienkino“. Ebenso populär war lange Zeit auch das charmante ältere Ehepaar (sie mit Bienenkorb-Frisur, er stets im Anzug mit Krawatte) vom Kassendienst.

Im Mai 1993 übernahmen die Osnabrücker „Hasetor“-Betreiber Hans-Christian Saßnick und Hermann Thieken das „Universum“ von der Ufa-Kette und führten es erfolgreich als Filmkunsttheater mit ausgewählten Erstaufführungen und speziellem Spätprogramm.

Mit einer ebenso wilden wie wehmutigen Veranstaltung endete am 20. September 2001 die Ära des „Universum“. Nach der Aufführung des Kultfilms „Pulp Fiction“ hatten viele Besucher Schraubschlüssel oder ganze Werkzeugkästen dabei, um nach dem Abspann die Kinosessel und weiteres Inventar zu demontieren und kostenfrei mitzunehmen. Heute erinnert in der Fußgängerzone architektonisch leider nichts mehr an dieses traditionsreiche Stück Kinogeschichte.


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