Serie: Politiker und ihre liebsten Kulturorte Nils Ellmers sitzt „wegen der Probebühne“ im Kulturausschuss

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Seine Liebe gehört der Kleinkunst und der Probebühne: Nils Ellmers in der Bar der Probebühne. Foto: David EbenerSeine Liebe gehört der Kleinkunst und der Probebühne: Nils Ellmers in der Bar der Probebühne. Foto: David Ebener

Osnabrück. Wohin zieht es die Mitglieder des Kulturausschusses, wenn sie Kultur erleben wollen? Für den letzten Teil unserer Serie lädt Nils Ellmers (Piraten), in den Keller der Probebühne.

Ein paar Mikrofone, ein Flügel, ein rotes Sofa: Das ist das Kulturambiente, in dem sich Nils Ellmers wohlfühlt. „Jeder kann hier auftreten“, sagt er; das versteht er unter niedrigschwelliger Kultur, und den direkten Zugang findet er in der Probebühne.

Seit dieser Ratsperiode gehört Ellmers dem Rat der Stadt an; er vertritt dort die Piraten. Zusammen mit der UWG bildet er eine Gruppe, und diese Gruppe vertritt er in einigen Fachausschüssen: Rechnungsprüfung, Jugendhilfe, Schule und Sport, Soziales und Gesundheit und eben auch die Kultur. „Wegen der Probebühne“ hat er diesen Ausschuss gewählt. Und wegen der anderen Kulturinstitutionen, die unter dem Oberbegriff „Freie Träger“ firmieren.

Der Theater-Skeptiker

Die größte Einrichtung am Ort, die Städtischen Bühnen, betrachtet er hingegen mit einer gewissen Skepsis. Ginge es nach Ellmers, würde der Kulturetat umgeschichtet werden: Er würde dem Piesberger Gesellschaftshaus mehr Geld geben, Hase 29 besser ausstatten und natürlich auch seinem Lieblingsort, der Probebühne einen höheren Etat zubilligen als die 12 000 Euro, die das freie Theater jährlich von der Stadt erhält, um die gleiche Summe als Miete wieder an die Stadt abzuführen.

„Eine runde Sache“

Es ist dabei genau der Keller der Probebühne, den Ellmers sich zum Lieblingsort erkoren hat. Seit rund zwölf Jahren lebt der gebürtige Hamburger jetzt in Osnabrück, und kurz nach der Ankunft hat er die Probebühne kennengelernt; „Gott“ von Woody Allen war 2007 das erste Stück, das er hier gesehen hat. Seine große Liebe gilt aber dem Keller mit der Theke, den paar Tischen und der kleinen Bühne: Das sieht aus, als könnte hier Otto Reutter, einer der Kabarettstars der Weimarer Republik, gleich aus der Wand treten und sein Coupet vom „Überzieher“ vortragen. Hier lässt das Publikum den Theaterabend bei einem Glas Wein oder einem Bier ausklingen, „hier kann man sich hinstellen und Witze erzählen oder ein Rowan-Atkinson-Programm aufführen“, sagt er. Dann blickt er kurz herum in dem dunklen Keller, macht eine kleine Handbewegung und lächelt: „Das ist ‚ne runde Sache“, sagt er. Und er macht auch keinen Hehl daraus, dass ihm das Amateurtheater näher ist, als der große Bruder am Domhof. „Mutter Courage“ habe er da gesehen, und er war nicht gerade begeistert von der Produktion. Obwohl er Brecht mag – oder weil?

Auf jeden Fall ist er nicht der einzige, der mit dieser „Mutter Courage“ seine Schwierigkeiten hatte.

Dann lieber „This is war“, die nächste Premiere der Probebühne: „Das haben die von vier Stunden runtergeschrieben“, sagt er, „und das alles ehrenamtlich“. Gute Gründe, in der Probebühne seinen Lieblings-Kulturort zu finden.


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