Mit Hugenottenkreuz und Schrapnellsplitter Projekt „Labor Europa“ in Osnabrück gestartet

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Zu Gast in Osnabrück: Miguel Aliranguez López (l.) und Guglielmo Manenti nehmen am Projekt „Labor Europa“ teil, das sich mit der europäischen Geschichte auseinandersetzt. Foto: André HavergoZu Gast in Osnabrück: Miguel Aliranguez López (l.) und Guglielmo Manenti nehmen am Projekt „Labor Europa“ teil, das sich mit der europäischen Geschichte auseinandersetzt. Foto: André Havergo

Osnabrück. Im „Labor Geschichte“ beschäftigen sich 17 Menschen aus zwölf Nationen mit den Perspektiven der Europäischen Union in einem weltweiten Friedenprozess.

Ein kleines silbernes Kreuz an einer Kette wandert von Hand zu Hand. Neugierig legen es 17 junge Menschen, die hier im Kreis sitzen, nacheinander in ihre Handfläche, betrachten es und hören der Geschichte von Maud Legris zu. Es handele sich um ein Hugenottenkreuz, das sie zur Konfirmation geschenkt bekommen habe, erklärt die Französin. Und sie erzählt, dass das Tragen religiöser Symbole in der französischen Öffentlichkeit wegen der strikten Trennung von Kirche und Staat verpönt und vor allem an französischen Schulen nicht erlaubt sei. Dann stellt sie diese Tatsache mit einem Hinweis auf die Religionskriege im 16. Jahrhundert und die französische Revolution in einen geschichtlichen Zusammenhang.

Maud Legris ist eine von 17 jungen Europäern, die am vergangenen Donnerstag in Osnabrück eingetroffen sind, um sich intensiv mit der europäischen Geschichte auseinanderzusetzen. „Labor Europa“ heißt das Projekt, bei dem sich insgesamt 50 Teilnehmer zwischen 18 und 25 Jahren in die Thematik der Teilgebiete Geschichte, Kunst, Performance, Medien und Games sowie Musik vertiefen.

17 Teilnehmer aus zwölf Nationen

Im Vortragssaal des Felix-Nussbaum-Hauses sitzen nun die 17 Teilnehmer aus zwölf Nationen, die für das Labor Geschichte eingeladen worden waren. „Krieg und Frieden in der europäischen Geschichte“ lautet das Thema, mit dem sie sich bis zur Kulturnacht am kommenden Samstag auseinandersetzen, um dann die Ergebnisse präsentieren zu können. Jeder Teilnehmer hatte die Aufgabe, ein Objekt mit nach Osnabrück zu bringen, mit dem einen persönlichen Bezug zur Thematik hergestellt werden kann.

Miguel Aliranguez López ist aus Madrid angereist und hat einen Schrapnell-Splitter mitgebracht, der aus dem spanischen Bürgerkrieg stammt. „In meiner Familie konnte ich nichts finden, was ich hätte mitbringen können, weil ihr gesamtes Hab und Gut im Krieg zerstört wurde. Also habe ich meinen Doktorvater gefragt und der hat mir das Granaten-Relikt mitgegeben“, erzählt der 24-jährige Spanier. Er studiert in Madrid Philosophie und Literaturtheorie. In seiner Doktorarbeit setzt er sich mit „traumatischen historischen Erfahrungen“ auseinander und hat im Rahmen seiner Studien auch den Friedensschluss von Münster und Osnabrück nach dem 30-jährigen Krieg erforscht. „So bin ich auf das „Labor Europa“ gestoßen und habe mich sofort beworben“, sagt der Spanier, der davon überzeugt ist, dass wir aus der Vergangenheit für den Frieden lernen müssen.

Sonderausstellung im Museumsquartier

Michael Gander von der Gedenkstätte Augustaschacht und Thorsten Heese vom Osnabrücker Museumsquartier leiten das Labor und berichten von künstlerischen Arbeiten, die im Vorfeld angefertigt wurden und später zusammen mit den geschichtsträchtigen Gegenständen der Teilnehmer im Rahmen einer Sonderausstellung im Museumsquartier gezeigt werden. Guglielmo Manenti, italienischer Maler und Trickfilmer, hatte zu den einzelnen Laboranten Kontakt aufgenommen, Infos eingeholt und dann zu jedem Objekt eine Art „Graphic Novel“ angefertigt, die die jeweilige Geschichte illustriert.


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