Ein Bild von Dietmar Kröger
21.08.2018, 18:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Stadt Osnabrück zahlt für die Vergehen der anderen – doppelt

Kommentar von Dietmar Kröger

Die Stadt muss viele und teure Anstrengungen unternehmen, um für saubere Luft zu sorgen. Foto: Michael GründelDie Stadt muss viele und teure Anstrengungen unternehmen, um für saubere Luft zu sorgen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Nicht genug damit, dass eine ohnehin nicht auf Rosen gebettete Kommune wie Osnabrück für die milliardenschweren Automobilkonzerne die Kartoffeln aus dem Feuer holen muss – die Stadt zahlt bei ihrem Bemühen, die Schadstoffe aus den nur vermeintlich sauberen Dieseln der Euro-fünf und Euro-sechs-Norm in den Griff zu bekommen, auch noch ordentlich drauf.

"Masterplan Green City" – was sich als Begriff schon fast nach Blumen, Bäumen und grünen Wiesen, auf denen kränzeflechtende Jungfrauen singend den Tag genießen, anhört, ist in Wahrheit schon nicht mal mehr als Euphemismus zu bezeichnen. Dieser Masterplan ist nichts anderes, als die verzweifelte Suche nach einer Überlebensstrategie, um dem Erstickungstod zu entgehen. 

Die Verursacher all der mit dem Masterplan verbundenen Kosten – die Automobilkonzerne – ziehen sich aus der Verantwortung. Halbherzige Softwareupdates anstelle kostenaufwändiger Hardwarenachrüstungen sind alles, was die Hersteller der Betrugsdiesel zu bieten haben. 

Dass der VW-Konzern dem Stadtsäckel dann noch einen zweiten Dolchstoß verabreichen kann, indem er durch Abschreibungen auf seine Strafzahlung kräftig an der Gewerbesteuer spart, ist eine mit Worten nicht mehr zu beschreibende Ungerechtigkeit. 

So lange solche steuerlichen Vorteile eher die Regel denn die Ausnahme sind, muss sich niemand wundern, wenn Schulen marode sind und Straßen aus Löchern bestehen. Schon gar nicht verwundern darf es, dass, wer seinen Diesel nach Treu und Glauben als schadstoffarm gekauft und dafür viel Geld ausgegeben hat, von keiner Seite Hilfe bekommt, geschweige denn einen Nachlass auf seine Einkommenssteuer, weil sein schicker Neuwagen einen skandalbedingten Wertverlust hat.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN