Fachgebiet Textiles Gestalten Uni Osnabrück zeigt Ausstellung über Che-Guevara-Shirts

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Revolutionär: Osnabrücker Universitätsstudentinnen des Fachs Textiles Gestalten fertigen ikonische Che-Guevara-Shirts für eine Ausstellung in der Schaufenstergalerie „Stichpunkt“ (Seminarstraße 33/34) an. Foto: Universität Osnabrück/Duygu YildirimRevolutionär: Osnabrücker Universitätsstudentinnen des Fachs Textiles Gestalten fertigen ikonische Che-Guevara-Shirts für eine Ausstellung in der Schaufenstergalerie „Stichpunkt“ (Seminarstraße 33/34) an. Foto: Universität Osnabrück/Duygu Yildirim

Osnabrück. Sein Ziel, die kommunistische Weltrevolution, hat Che Guevara verfehlt. Dafür schlägt die Modebranche bis heute Kapital aus seinem Gesicht: Das Konterfei des argentinischen Arztes, Widerstandskämpfers und Politikers gilt als erfolgreichstes T-Shirt-Motiv. Die Uni Osnabrück widmet dem Kleidungsstück eine Ausstellung.

Das weltweit erfolgreichste Motivshirt zeigt das Gesicht eines langhaarigen Mannes mit Bart: Ernesto „Che“ Guevara. 1967 wurde der gebürtige Argentinier, der im Juni 90 Jahre alt geworden wäre, nach dem vergeblichen Versuch, einen Guerillakampf zu entfachen, im bolivianischen Urwald von Regierungssoldaten hingerichtet. (Weiterlesen: Der Studentenprotest von 1968 und seine Folgen)


21. August 1960, Kuba, San Julian: Fidel Castro (links), damals Ministerpräsident von Kuba, und der legendäre Guerilla-Führer Ernesto "Che" Guevara sehen auf einem Fliegerstützpunkt einer Bauern-Militärparade zu. Foto: dpa


„Er wurde damit zur Identifikationsfigur für eine politisierte Jugend, die in diesen Jahren den Aufstand in den westlichen Metropolen probte“, sagt Reiner Wolf vom Fachgebiet Textiles Gestalten der Universität Osnabrück. Als Historiker, Sozialwissenschaftler und Autor sind die damaligen politischen und gesellschaftlichen Unruhen sein Steckenpferd. Anlässlich des 50. Jubiläums dieser Umbruchzeit hat er gemeinsam mit Studentinnen seines Fachgebiets eine Ausstellung entwickelt, die sich voll und ganz dem Che-Shirt widmet. (Weiterlesen: Als auch in Osnabrück „Ho, Ho, Ho Chi Minh!“ gerufen wurde)

Vom Revoluzzer zur T-Shirt-Ikone

Die Werkschau mit dem Titel „Ein T-Shirt namens Che“ ist ab 1. September in der Schaufenstergalerie „Stichpunkt“ (Seminarstraße 33/34) zu sehen. Inhaltlich knüpft sie an eine erst vor wenigen Tagen eröffnete Ausstellung im Stadtgalerie-Café an, die bis 7. Oktober dauert und denselben Titel trägt wie Wolfs Ende Juli erschienenes Sachbuch „Protest und Aufbruch – 68 in Osnabrück“. Der Eintritt zur T-Shirt-Ausstellung ist frei.

„Mit der Ausstellung wollen wir den historischen Wandel des Che-Shirts veranschaulichen“, erklärt Wolf. „Wie wurde also aus der facettenreichen und widersprüchlichen Person Ernesto Rafael Guevara de la Serna eine T-Shirt-Ikone?“ (Weiterlesen: Wie sich die 68er in Osnabrück abgespielt haben)

Bedeutung des Motivs ändert sich

Fest steht: Wer sich heute ein Che-Shirt überzieht, will damit in den meisten Fällen eine ganz andere Botschaft vermitteln, als es in der Anfangszeit üblich war. Wolf: „Der Bedeutungsgehalt des Che-Motivs hat sich im Laufe der Zeit von seinem explizit politischen Bezug gelöst und stand schon bald für ein allgemeines Freiheitsgefühl.“ 

Mittlerweile sei die Absicht der Che-T-Shirt-Träger nicht immer eindeutig zu bestimmen. Viele würden nicht einmal mehr den Namen der Person auf dem Shirt kennen. Und selbst rechtsradikale Jugendgruppen nutzten das ikonische Che-Shirt für ihren Dresscode, so Wolf.


"Heute kennen viele nicht einmal mehr den Namen der Person auf dem T-Shirt"Reiner Wolf, Universität Osnabrück


Die Ausstellung „Ein T-Shirt namens Che“ endet am 18. Oktober mit einer öffentlichen Finissage um 18 Uhr. Nach Angaben der Uni Osnabrück wird dazu auch Kabarettist Kalla Wefel erwartet, um Ausschnitte aus seinem Programm vorzustellen. Erst im Mai hatte Wefel dem Thema „1968 in Osnabrück“ einen seiner „Heimatabende“ gewidmet. (Weiterlesen: Rohrstock, Nazis und Berufsverbot – 1968 in Osnabrück)


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