Eine handvoll Süßes Was und wie viel ist für Kinder gesund?

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Die richtige Ernährung fängt schon im Kindesalter an. Symbolfoto: dpa/Patrick PleulDie richtige Ernährung fängt schon im Kindesalter an. Symbolfoto: dpa/Patrick Pleul

Osnabrück. Mit dem richtigen Pausensnack sind Kinder leistungsfähiger und können sich besser konzentrieren, erklärt Nicole Pottharst unserer Redaktion im Interview. Die Gesundheitswissenschaftlerin und Ökotrophologin arbeitet für den Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück. Sie weiß: Die richtige Portionsgröße ist die, die in die eigene Hand passt.

Wie sieht der perfekte Pausensnack für Schüler aus? 

Das ist die erste Mahlzeit, die sie regelmäßig außer Haus verzehren und da ist es wichtig, wenn sie aus Obst, Gemüse und vollkornhaltigem Brot besteht und eventuell durch ein Milchprodukt ergänzt wird. Die Schüler sind dann mit Nährstoffen gut versorgt, können sich konzentrieren und sind leistungsfähig.

Mit dem richtigen Essen können Schüler besser aufpassen?

Unser Gehirn muss ständig mit Nährstoffen versorgt werden. Wenn da die richtigen Energielieferanten gewählt werden, sind wir über einen längeren Zeitraum leistungsfähiger. Gerade bei Schülern, die einen straffen Vormittag haben, ist es wichtig, dass sie fit sind und nicht hungrig im Unterricht sitzen. Gute Energielieferanten sind unter anderem Mandeln, Rosinen oder auch Trockenfrüchte. Diese Snacks sind geeignet für zwischendurch.

Wie ist das mit etwas Süßem zwischendurch?

Natürlich kann das gegessen werden, aber es sollte etwas Besonderes und eine Süßigkeit sein, die man in Maßen isst. Jeder von uns genießt gerne und das soll nicht verboten werden. Denn alles, was verboten ist, wird gerade für Kinder viel interessanter.

Wie viel Süßes ist erlaubt?

Was in meine Hand passt, kann ich als eine Portion Süßes nehmen. Das ist bei Kindern entsprechend kleiner. Außerdem sollte man darauf achten, dass es nicht als Hunger stillendes Lebensmittel oder Zwischenmahlzeit konsumiert wird.

Im Interview: Nicole Pottharst, Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück. Foto: Jörn Martens

Wie motiviert man Kinder das Pausenbrot zu essen?

Eltern können Gemüse in witzigen Formen ausstechen oder auch mal eine kleine Überraschung dazu packen, sodass die Kinder sich beim Öffnen der Brotdose freuen. Das Auge isst nun mal mit. Wenn man dem Kind einen ganzen Apfel mit in die Schule gibt, kommt der meist ganz wieder zurück. Ist er aber klein geschnitten, wird er eher gegessen. Oder man bereitet kleine Spieße mit Trauben und Käse zu.

Was ist mit Kindern, die morgens nicht frühstücken wollen? 

Es gibt einfach Typen, die morgens nicht direkt etwas essen können. Das muss man akzeptieren. Für den Start ist zum Beispiel ein Stück Banane oder ein Glas Milch gut.

Soll man Kinder dazu zwingen, Essen zu probieren?

Man sollte Dinge immer mal anbieten und testen lassen, aber nicht zwingen. Denn Geschmäcker sind verschieden. Vielleicht schmeckt es im Laufe der Zeit. Der springende Punkt ist, dass wir als Eltern Vorbilder sind. Das ist beim Trinkverhalten genauso. Wenn zu Hause einfach Wasser getrunken wird, um den Durst zu löschen, wird das für Kinder normal. Saft oder Saftschorlen sind dann Ausnahmen.

Gibt es eine Grundregel: Was soll mein Kind essen und wie viel davon?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt fünf Mahlzeiten und davon zwei Zwischenmahlzeiten pro Tag. Allerdings ist jeder Mensch anders und hat einen anderen Lebensstil, sodass man die Menge an Kalorien nicht pauschal benennen kann. Es ist wichtig auf die individuellen Urinstinke zu hören. Also man isst, wenn man Hunger hat und hört auf, wenn man satt ist. Diese Urinstinke gehen heute teilweise verloren, weil wir überall Essen kaufen können oder nebenbei essen. Im Alltag sollte eine Familie mindestens eine feste Mahlzeit etablieren, bei der nicht nebenbei vor dem Fernseher gegessen wird, sondern ganz bewusst.

Was gehört zum Familienessen dazu und wann soll das sein?

Ob das mittags oder abends ist, ist gar nicht so wichtig. Bedeutender ist der Austausch mit der Familie. Gerade Grundschüler können erzählen, was in der Klasse passiert ist. Beim gemeinsamen Familienessen gibt es dann reichlich Obst, frisches Gemüse, vollwertige Lebensmittel und wenig Fertigprodukte.

In den vergangenen Jahrzehnten sind immer mehr Menschen zu dick. Laut der Studie zum Gesundheitsverhalten von  Kindern und Jugendlichen des Robert-Koch-Instituts (KiGGS) sind 15,4 Prozent der 3- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig und fast sechs Prozent adipös. Gibt es auch in Osnabrück immer mehr Kinder mit Übergewicht?

Im Vergleich zu den Daten von 2006 ist in Deutschland die Anzahl der Übergewichtigen in den letzten zehn Jahren nicht weiter gestiegen, aber sie stagniert auf hohem Niveau - auch in der Region Osnabrück. Die Kinder, die dick sind, werden immer dicker. Die Kinder rutschen vermehrt in die Extreme ab und sind entweder zu dick oder stark untergewichtig. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und nicht nur hier in Stadt und Landkreis.

Wie merken Eltern, dass ihr Kind ein gestörtes Essverhalten hat?

Ein gestörtes Essverhalten ist für Eltern schwer zu erkennen. Da ist viel Sensibilität und Beobachtung wichtig. Häufig sind tiefer gehende Probleme die Ursache. Vielleicht Stress in der Schule oder andere Sorgen. Da sollte man mit dem Kind sprechen, aber unbedingt auch Hilfe von außen holen.

Wo bekommen Eltern Hilfe?

Unter anderem beim Kinderarzt. Zudem gibt es in der Region Osnabrück viele Ernährungsberatungen und der Gesundheitsdienst ist immer ansprechbar.

Was kann ich tun, wenn mein Kind zu dick ist?

Im christlichen Kinderhospital oder im Klinikum gibt es beispielsweise spezielle Angebote für Kinder, die übergewichtig oder adipös sind. Kinder erhalten dort eine Therapie. Dabei sollen die Kinder nicht einfach abnehmen, sondern der Lebensstil der Kinder und Familie soll sich langfristig ändern und aktiver werden. Denn nicht nur die Ernährung spielt eine Rolle, sondern auch Sport und Bewegung.


Projekte des Gesundheitsdienstes für gesunde Schulverpflegung

Mit der Initiative „Trink!Wasser“ wurden an circa 70 Schulen in der Region Osnabrück über 100 Trinkwasserspender aufgestellt. Das Wasser ist kostenlos und kalorien- und säurearm. Beim regionalen Tag werden Schüler, Lehrer und Eltern auf das Thema Schulverpflegung aufmerksam gemacht, sodass nicht unbedingt beim Döner oder Kiosk nebenan das Mittagessen gekauft wird. Außerdem bietet seit zehn Jahren die „Gesunde Stunde“ explizit Angebote für Grundschulen. Die Angebote reichen vom gemeinsamen Kochen über Hip-Hop-Tanzen bis hin zu Ausflügen in verschiedene Museen. Die Angebote sind für die Familien kostenlos und sollen zu einem gesunden Lebensstil anregen.

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