Urteil am Amtsgericht Tödlicher Unfall in Osnabrück: Autofahrer muss 8400 Euro zahlen

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Zu dem tödlichen Unfall kam es am Samstag, 7. Oktober, auf der Buerschen Straße. Foto: Archiv/Swaantje HehmannZu dem tödlichen Unfall kam es am Samstag, 7. Oktober, auf der Buerschen Straße. Foto: Archiv/Swaantje Hehmann

Osnabrück. Das Amtsgericht Osnabrück hat einen 60-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 8400 Euro verurteilt. Der Mann hatte im Oktober 2017 einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem ein 56-Jähriger starb und eine heute 41-Jährige schwer verletzt wurde.

Sie wollten noch spontan ins Kino gehen, ins Cinema-Arthouse. Trotz des Regens ging das Paar zu Fuß. „Wir haben uns für ein Haus in der Innenstadt entschieden, um so etwas machen zu können“, sagte die 41-jährige Frau in ihrer Zeugenaussage. Nach den Nachrichten seien sie losgegangen. Eine Viertelstunde später lag die Frau schwer verletzt auf der Kreuzung. Ihr 56-jähriger Mann war tot.

Es war der 7. Oktober 2017 um 20.32 Uhr. Ein heute 60-jähriger Osnabrücker bog mit seinem Auto von der Alten Poststraße in die Buersche Straße ein und übersah bei Dunkelheit und Regen das Paar, das an der Fußgängerampel die Straße überquerte. Nach längeren Ermittlungen klagte die Staatsanwaltschaft den 60-jährigen an: wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung.

Verurteilter bereut Geschehnisse

„Ich kann nur sagen, wie leid es mir tut“, erklärte der Osnabrücker in seiner Einlassung vor dem Amtsgericht. Er sei am Abend des 7. Oktober auf dem Heimweg von der Arbeit gewesen und wie üblich von der Alten Poststraße in die Buersche Straße abgebogen. Ob er das Blinklicht der Fußgängerampel gesehen habe, könne er nicht mehr sagen. Der Zusammenstoß mit dem Paar sei jedenfalls wie aus dem Nichts gekommen. „Ich habe die beiden überhaupt nicht gesehen.“

Laut eines Gutachters, den das Gericht bestellt hatte, war der VW Golf des 60-jährigen beim Unfall knapp 30 km/h schnell. Eine anschließende Untersuchung habe ergeben, dass der Wagen technisch in einem einwandfreien Zustand war. „Die Bremsen waren tipptopp.“ Wie schwer der Aufprall war, habe man anschließend auch am Zustand des Wagens sehen können. „Motorhaube und Kotflügel waren verhältnismäßig stark beschädigt.“

Hätte Angeklagter den auffälligen Schirm sehen müssen?

Bei der Frage nach der Schuld des 60-Jährigen thematisierte das Gericht auch kurz den Regenschirm des Paares. Der relativ große Schirm, der auch im Saal gezeigt wurde, ist in den Farben der britischen Flagge gestaltet. Die Staatsanwaltschaft hatte auch mit der Größe und Buntheit des Schirms die Anklage wegen fahrlässiger Tötung begründet. Der 60-Jährige hätte gerade auch wegen des auffälligen Schirms das Ehepaar sehen müssen. In der Verhandlung widmete der Staatsanwalt dem Thema aber praktisch keine Aufmerksamkeit, und auch der Richter erwähnte im Wesentlichen nur die bekannten Farben des Union Jack.

Neben dem technischen Sachverständigen wurde die Frau des Todesopfers als einzige Zeugin gehört. Die 41-Jährige leidet bis heute massiv an den Folgen des Unfalls. „Es ist ja ein soziales Stigma, ein Teil des Freundeskreises fällt weg.“ Bis heute ist die Mutter von zwei Kindern in psychotherapeutischer Behandlung, auch die Folgen ihres Schlüsselbeinbruchs, den sie bei dem Aufprall erlitt, machen ihr weiterhin zu schaffen. Zudem verlor sie die leitende Position in ihrem Beruf, da sie derzeit nur noch an zwei Tagen in der Woche arbeiten kann.

Haftstrafen bei fahrlässiger Tötung sehr selten

Die Frage, ob sich der Angeklagte je bei ihr gemeldet habe, verneinte die Frau. „Ich habe versucht, einen Brief zu schreiben. Aber dann hatte ich das Gefühl, dass das überhaupt nicht richtig ist, und ich habe ihn nicht abgeschickt“, sagte der 60-Jährige.

Das Gericht verurteilte den Mann schließlich zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 70 Euro – insgesamt also 8400 Euro – und blieb damit nur knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die 140 Tagessätze beantragt hatte. Eine fahrlässige Tötung kann auch mit maximal fünf Jahren Gefängnis bestraft werden, jedoch sind Haftstrafen – vor allem nicht zur Bewährung ausgesetzte – bei diesem Delikt selten und Geldstrafen eher die Regel.


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