Bootsflüchtlinge aufnehmen Bündnis Seebrücke Osnabrück reagiert auf Grieserts Abfuhr

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Am 11. August haben nach Veranstalterangaben rund 600 Menschen in Osnabrück für die Unterstützung von Geflüchteten im Mittelmeerraum protestiert. Foto: Archiv/Thomas OsterfeldAm 11. August haben nach Veranstalterangaben rund 600 Menschen in Osnabrück für die Unterstützung von Geflüchteten im Mittelmeerraum protestiert. Foto: Archiv/Thomas Osterfeld

Osnabrück. Das Bündnis Seebrücke Osnabrück hat seinen Appell an Oberbürgermeister und Rat erneuert, dass die Stadt sich zur zusätzlichen Aufnahme von Flüchtlingen bereiterklären soll, die auf dem Mittelmeer in Not geraten sind. OB Wolfgang Griesert (CDU) hatte sich zuvor dagegen ausgesprochen.

"Wir sind der Meinung, dass vergangene Misserfolge kein Argument sind, um den Einsatz für Geflüchtete einzustellen", schreibt das Bündnis an den OB. Der Appell der Seebrücke Osnabrück wird von etlichen Wohfahrtsverbänden und Organisationen unterstützt, unter anderem Bistum und Caritas, Diakonie, DGB Exil-Verein, NoLager, HelpAge und Terre des Hommes. 

Griesert hatte in seiner Absage argumentiert, dass es eine europäische Lösung brauche und daran erinnert, dass sowohl ein Appell der Stadt gegen das Sterben im Mittelmeer aus dem Jahr 2015 als auch die Initiative "50 aus Idomeni" keinem Menschen das Leben retten konnten. Stattdessen verwies er auf das hohe Engagement der Stadt und ihrer Bürger bei der Aufnahme rund 5000 Geflüchteter in den vergangenen Jahren. 

"Können nicht auf europäische Regelungen warten"

"In einer Zeit, in der Tausende im Mittelmeer ertrinken, können wir nicht auf europäische Regelungen warten", entgegnet das Bündnis Seebrücke in seiner Antwort an Griesert, die unserer Redaktion vorliegt. Seine Argumentation führe "leider nur zum weiteren Wegschieben von Verantwortung in einer dramatischen Situation", so das Bündnis. "Überall in Europa gehen jetzt Städte voran, die sich bereit erklären, Geflüchtete aufzunehmen und zu 'sicheren Häfen' werden." Osnabrück könne und solle sich daran jetzt beteiligen.

Den Anfang hatten kürzlich die drei Rheinstädte Köln, Düsseldorf und Bonn gemacht; Potsdam, Regensburg und Solingen hätten sich bereits angeschlossen und ebenfalls angeboten, Bootsflüchtlinge aufzunehmen, schreibt das Bündnis weiter. "In der Politik hat sich immer wieder gezeigt, dass umfassende Lösungen erst dann möglich werden, nachdem einzelne Akteure oder Institutionen eine Vorreiterrolle übernommen haben."

Gegen politische Hetze

Flüchtlinge dem Sterben auszuliefern, sei ein Verbrechen. "In einer Zeit der zunehmenden politischen Hetze muss ein klares gesellschaftliches Signal gegen Abschottungspolitik und Kriminalisierung der zivilen Rettung, für Humanität und Asylrecht gesetzt werden." 

Terre des Hommes hat Griesert auch direkt angeschrieben: "Aus unserer Arbeit für Kinder in Not wissen wir: Solche Signale sind besonders dann wichtig, wenn die Lage aussichtslos scheint und sich grundlegende politische Änderungen noch nicht abzeichnen", heißt es in dem Brief der Kinderhilfsorganisation, der unserer Redaktion ebenfalls vorliegt.

Die Mitglieder des Bündnisses Seebrücke Osnabrück bieten Griesert an, ihre Positionen in einem persönlichen Gespräch zu erläutern. Nicht mehr überzeugen müssen sie die Ratsfraktionen von Grünen, Linken und UWG/Piraten, die bereits einen gemeinsamen Antrag zur Unterstützung der Aktion für die Ratssitzung am Dienstag, 28. August, angekündigt haben. 




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