Institution im Kurort Alberto de Lorenzo: Ein Bad Laerer Eisdielenbesitzer mit drei Heimaten

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Der morgendliche Espresso gehört für Eisdielenbesitzer Alberto de Lorenzo dazu. Foto: Gert WestdörpDer morgendliche Espresso gehört für Eisdielenbesitzer Alberto de Lorenzo dazu. Foto: Gert Westdörp

Bad Laer. Die Eisdiele von Alberto de Lorenzo ist zwar nicht die einzige in Bad Laer. Gelüstet es die Bewohner des Kurortes allerdings nach einem Eis, zieht es sie – die Konkurrenz mag es verschmerzen – meist "zu Alberto". Der ist über die Jahre praktisch zu einer Institution in der Gemeinde geworden – dabei ist er eigentlich ein Nomade.

Die Eiszeit beginnt für Alberto de Lorenzo immer dann, wenn es draußen gerade wieder wärmer wird. Irgendwann im April öffnet die kleine Eisdiele in dem alten Fachwerkhaus am Thieplatz ihre Pforten. Viel Neues gibt es dann eigentlich nicht zu erwarten. De Lorenzo ist eher Eispurist, sein Sortiment zeichnet sich nicht unbedingt durch eine hohe Innovationsquote aus. Er glaubt, dass es die auch nicht brauche, sein Eis sei schließlich gut genug, um nicht jedem Trend Rechnung tragen zu müssen. Und die Bad Laerer glauben das wohl auch, seit Jahrzehnten stehen sie schließlich bei ihm Schlange für ein paar Kugeln im Hörnchen oder ein Spaghetti-Eis.  

Ins Familiengeschäft reingerutscht

Wenn man so will, entstammt de Lorenzo einer italienischen Eis-Dynastie. Sein Großvater kam 1928 aus einem italienischen Bergdorf nach Utrecht und begann dort, Eis herzustellen und zu verkaufen. Sein Vater trat in dessen Fußstapfen, kam über die Stationen Gelsenkirchen und Osnabrück nach Bad Iburg. Irgendwann expandierte die Familie nach Bad Laer, wo sie seit 1979 Eis à la de Lorenzo in dem kleinen Ladenlokal am Thieplatz verkauft. "Ich bin einfach irgendwann da reingerutscht", sagt Alberto de Lorenzo. Der 49-Jährige stieg dann 1984 in die Eisdiele in Bad Laer mit ein und übernahm sie irgendwann. Etwas anderes hat er danach nie mehr gemacht.

Stereotype über Deutsche und Italiener haben sich in den vergangenen Jahren verändert – nicht nur zum Positiven, sagt Eisdielenbesitzer Alberto de Lorenzo in Bad Laer. Foto: Gert Westdörp

"Gutes Eis zu machen, ist harte Arbeit", erklärt de Lorenzo bei einem morgendlichen Espresso im kleinen Innenraum seiner Eisdiele. Eine schmale Treppe schlängelt sich nach oben unters Dach. Dort stehen alte Eismaschinen, an denen sich de Lorenzo mehrmals täglich abmüht, um frisches Eis zusammenzurühren. "Es gibt längst Maschinen, mit denen man deutlich einfacher produzieren kann", erklärt de Lorenzo, er möge sie aber nicht besonders. "Mit der alten Technik, die ich nutze, erhält das Eis eine bessere Konsistenz. Es ist kompakter und schmilzt nicht so schnell, es ist einfach besser. Dafür ist die Arbeit allerdings ziemlich anstrengend."

Die Deutschen sind italienischer geworden

Im Sommerhalbjahr steht de Lorenzo jeden Tag von neun Uhr morgens bis irgendwann in die Nacht in seiner Eisdiele. Sie ist für ihn, seine Frau und die gemeinsame kleine Tochter dann mehr oder weniger das Wohnzimmer, in dem sich ihr Leben abspielt. Im Herbst brechen die de Lorenzos ihre Zelte in Bad Laer ab, sind für ein paar Monate in Italien und dann für ein paar weitere Monate in der Dominikanischen Republik, der Heimat seiner Frau. "Ich bin also eigentlich ein Nomade, jemand, der zwischen drei Heimaten pendelt", sagt de Lorenzo, der einen italienischen Pass hat und vier Sprachen spricht. 

"Man lernt viel kennen und sieht viel, man wächst persönlich", beschreibt de Lorenzo die Folgen dieses Lebens. "Zugleich stelle ich fest, dass ich dadurch manche Nuancen meiner Muttersprache verliere, das ist Schade." De Lorenzo beobachtet seit Jahrzehnten, wie sich die Gesellschaften in Deutschland und in Italien entwickeln. "Es gibt so typische Stereotype über Deutsche und Italiener", sagt er. Die pünktlichen, ordentlichen und gestrengen Deutschen auf der einen Seite, die lebensfrohen, aber nicht immer disziplinierten Italiener auf der anderen Seite: "Diese Stereotype sind ja nicht unberechtigt, aber über die Jahre haben sie sich sehr aufgeweicht. Man kann sagen: die Deutschen sind italienischer geworden und die Italiener deutscher." 

Verliert das Land durch Offenheit?

De Lorenzo sieht das nicht nur positiv: "Wenn ich früher in Deutschland einen Handwerker bestellt habe, kam der pünktlich und hat akkurate und gute Arbeit abgeliefert, diese Haltung hat mich immer beeindruckt. Heute ist das manchmal anders." Der Globetrotter mit den Dreadlocks nimmt nachdenklich einen Schluck Espresso. "Ich als jemand, der eigentlich fremd ist, habe Deutschland immer als offen erlebt und frage mich manchmal, ob dieses Land nicht etwas verliert, weil es immer noch offener sein will."

Das Interieur im engen Innenraum der Eisdiele ist seit Jahrzehnten unverändert. Die Bänke und Stühle sind längst etwas abgesessen und de Lorenzo wollte dem Raum immer mal einen neuen Anstrich verleihen. "Aber dann kommen die Leute und sagen: Lass doch, das hat doch Flair", sagt er. "Wahrscheinlich werde ich das alles einfach so lassen, bis ich das mit dem Eis irgendwann an den Nagel hänge." 

Zehn, elf Jahre gibt er sich noch, "länger kann man diese Arbeit eigentlich nicht machen." Es bleibt also noch etwas Zeit für die Bad Laerer, sich bei Alberto zu treffen, auf ein Eis und auf einen Plausch mit dem Chef des Hauses.


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