Projekte auf dem Prüfstand Mobile Zukunft: Das ist Stand der Dinge in Osnabrück

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Hier geht's zur mobilen Zukunft in Osnabrück: Klingel am Projektbüro Berliner Platz. Foto: Sebastian StrickerHier geht's zur mobilen Zukunft in Osnabrück: Klingel am Projektbüro Berliner Platz. Foto: Sebastian Stricker

Osnabrück. Im April 2017 nahm sich Osnabrück zehn Dinge vor, um seine großen und kleinen Verkehrsprobleme besser in den Griff zu bekommen. Mit Stadt und Stadtwerken am Steuer hat das Projekt "Mobile Zukunft" seitdem vieles ins Rollen gebracht – wenngleich sich mancher Weg als Sackgasse erwies. Eine Bestandsaufnahme.

Das 8. Mobilitätsforum am Mittwochabend im Projektbüro am Berliner Platz nutzten die Verantwortlichen für eine Zwischenbilanz. Und die fällt überwiegend positiv aus. Viele andere Städte würden bereits anerkennend nach Osnabrück blicken, da hier "pragmatisch und anpassungsbereit Projekte angepackt und umgesetzt würden", stellte Professorin Stefanie Bremer vom Stadtplanungsbüro Orange Edge als Moderatorin fest. "Man spricht bereits vom ,Osnabrücker Weg'."

Aus den ursprünglich zehn Projekten, die vor gut 16 Monaten offiziell vorgestellt worden waren, sind mittlerweile elf geworden. Nummer zwölf beginnt in Kürze. Jedes einzelne Vorhaben wird von einem Tandem begleitet, bestehend aus jeweils einem Vertreter von Stadt oder Stadtwerken sowie einem Partner aus der Politik. Die Projekte im Einzelnen: 

Ruhender Radverkehr am Neumarkt: „Was geschieht während des Baus der neuen Gebäude am Neumarkt?“ lautete die drängendste Frage des Abends. Hier soll mittels Bauzäunen ein provisorischer Parkraum für bis zu 100 Fahrräder geschaffen werden. Auf einem Luftbild wurde deutlich, wenig Platz für Abstellflächen vorhanden ist. „Das wird uns noch gewaltig beschäftigen“, kündigte der stellvertretende FDP-Kreisvorsitzende Thomas Haarmann an. 

Sichere Fahrradabstellanlage am Kamp: Bis Frühjahr 2019 soll es am Kamp eine Mobilitätsstation geben, die ein sicheres und geordnetes Abstellen von Fahrrädern erlaubt. Ein Designwettbewerb laufe, hieß es. Begonnen werden solle mit einer "kleinen Lösung", sprich acht oder zwölf Plätzen.

Leuchtende Radwege am Rosenplatz: Lassen sich vorerst nicht verwirklichen. Phosphoreszierende Streifen, die tagsüber Licht sammeln und im Dunkeln wieder abgeben, können am Rosenplatz technisch nicht aufgetragen werden. Reflektierende Glaslinsen einzufräsen wäre zu kostspielig. Nun soll künftig – wie neuerdings am Heger-Tor-Wall – ein geschützter Radweg (Protected Bike Lane) aus rotem Belag gebaut werden. 

So hatten sich Planer die leuchtenden Radwege am Osnabrücker Rosenplatz vorgestellt. Foto: Orange Edge/Moritz Frankenberg

Pkw-Stellflächen an der Dielingerstraße und Parking Day: Stellplätze für einen Tag zu einer Sitzecke umzufunktionieren sei 2017 ein großer Aufreger gewesen, berichtete Brigitte Strathmann, Projektleiterin von "Mobile Zukunft". In diesem Jahr solle die Aktion auf Ratsbeschluss wiederholt werden. Auch die Resonanz der Händler sei positiv gewesen. 

Jobticket: Das von Arbeitgebern bezuschusste Bus-Abo erfreue sich zunehmender Beliebtheit, teilte Thomas Teepe, bei den Stadtwerken verantwortlich für das Produktmarketing im Mobilitätsangebot, mit. Seit Ende 2017 habe der Absatz um 16 Prozent gesteigert werden können. Ziel für 2018 sei es, den Wert auf 20 Prozent zu erhöhen. "Wir konnten jetzt schon über 40 Abonnenten neu für das Jobticket gewinnen."

Mobilitätsstationen in Düstrup, Haste und Sutthausen: Entlang der elektrifizierten Metrobus-Linie M1 (heutige Linie 41) sollen künftig Stationen in einheitlichem Design dazu einladen, das Auto abzustellen und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Ende November werde die erste Mobilitätsstation eingerichtet, hieß es. Auch im neuen Landwehrviertel soll 2019 eine Mobilitätstation entstehen.


"In anderen Städten wird bereits anerkennend vom ,Osnabrücker Weg' gesprochen"Stefanie Bremer, Stadtplanungsbüro Orange Edge

VOS-Pilot: Zu einem „Renner“ entwickelt sich laut Teepe die Smartphone-App der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS), mit der unter anderem ein digitales Busticket gekauft werden kann. Über 30.000 aktive Nutzer würden für sich sprechen, so der Stadtwerke-Marketingchef. Zudem könne der VOS-Pilot seit Kurzem über die Funktion „mylola“ aktuelle Schnäppchen-Angebote von örtlichen Händlern anzeigen.  

Carsharing-Angebot in Wüste und Katharinenviertel: Noch fehlen landesrechtliche Regelungen, um die Sondernutzung von öffentlichen Stellflächen für das Carsharing zu ermöglichen. Sobald Klarheit herrscht, sollen diese Flächen zunächst im Katharinenviertel und in der vorderen Wüste eingerichtet werden.

Park-&-ride-Angebot: Die Idee, das Auto am Stadtrand zu parken und mit dem Bus in die City zu fahren, wird um das Thema Fahrrad (Ride & Bike) ergänzt. „Für eine Entfernung von vier bis fünf Kilometern zur Stadtmitte ist das Fahrrad ein attraktives Verkehrsmittel“, erklärte Stadtbaurat Frank Otte. Eine erste konkrete Planung werde derzeit für eine Fläche nahe dem Rubbenbruchsee entwickelt.


Fahrräder mit elektrischem Hilfsantrieb, sogenannte Pedelecs, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. In Osnabrück soll man sie künftig an mehreren öffentlichen Mietstationen ausleihen können. Foto: Jörn Martens


Pedelec-Verleihsystem: Zum Start soll es sechs Pedelecs an drei Standorten geben. Wann es losgeht mit dem städtischen Verleihsystem, ist offen. Das Konzept befinde sich in Arbeit. 

„Osnabrück nimmt dich mit – Pendlerangebot“: Eine von SAP entwickelte App soll Studenten und Mitarbeiter von Universität, Hochschule und Stadtwerken Osnabrück befähigen, eine Mitfahrgelegenheit im Kollegenkreis zu finden. Das Projekt stocke, die Resonanz sei bislang verhalten – "aber es geht noch etwas", erklärte das Projektteam.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum schlug der Osnabrücker Hochschulprofessor Klaus Kuhnke vor, sich im Rahmen von "Mobile Zukunft" auch um das Fahrrad-Chaos am Bahnhofsvorplatz zu kümmern. Das sei ein "dickes Brett", entgegnete Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes. Gemeinsam mit Kuhnke wolle er es trotzdem bohren. Unter dem Applaus der Teilnehmer wurde das Projekt als zwölftes auf die Agenda gesetzt. 

Das nächste Mobilitätsforum findet am 11. Dezember statt. Bis dahin dürfte es weitere Ergebnisse geben, kündigte Projektleitern Strathmann an.


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