Rasante Vermehrung wegen Dürre Schlimmste Borkenkäferplage seit vielen Jahren in der Region Osnabrück

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„Die Borkenkäfer haben bereits ganze Arbeit geleistet“, sagt der für den Staatswald zuständige Forstamtsleiter Ulrich Zeigermann und erläutert: „Es kann auch sein, dass sich die Plage in den nächsten Wochen noch ausweitet und wir noch deutlich mehr Befallserscheinungen sehen.“ Bei heißem und trockenem Wetter vermehren sich die Käfer deutlich schneller. Foto: Frank Leonhardt/doa„Die Borkenkäfer haben bereits ganze Arbeit geleistet“, sagt der für den Staatswald zuständige Forstamtsleiter Ulrich Zeigermann und erläutert: „Es kann auch sein, dass sich die Plage in den nächsten Wochen noch ausweitet und wir noch deutlich mehr Befallserscheinungen sehen.“ Bei heißem und trockenem Wetter vermehren sich die Käfer deutlich schneller. Foto: Frank Leonhardt/doa

Osnabrück. „Momentan verzeichnen wir die schlimmste Borkenkäferplage seit vielen Jahren“, warnt der Leiter des für den Staatswald zuständigen Forstamts in der Region Osnabrück, Ulrich Zeigermann. Im Interview erklärt der 64-Jährige, warum das Insekt dieses Jahr optimale Brutbedingungen vorfindet und welche Folgen die rasche Vermehrung für den Fichtenwald in unserer Region hat.

2018 war das Jahr der Extreme. Im Januar fielen Zehntausende Bäume Sturmtief Friederike zum Opfer, in diesem Sommer dann die lange anhaltende Dürre mit Tausenden vertrockneten Bäumen. Haben Sie so ein Jahr als Forstamtsleiter schon einmal erlebt?

Ich kann mich noch an den sehr heißen Sommer im Jahr 2003 und in den Neunzigern erinnern, aber an einen so heftigen Sturm und eine so langanhaltende Dürre in einem Jahr kann ich mich nicht erinnern. Es kommt auch noch hinzu, dass der Sommer 2017 der absolute Gegenentwurf zu diesem Sommer war: also nass und kühl.

Welche Folgen haben diese extremen Witterungsverhältnisse für die Forstwirtschaft in unserer Region?

Bislang ist für die Landesforsten nur das Ausmaß für den Windwurf nach Friederike zu beziffern. Interessanterweise waren nur der Südkreis und die Ausläufer des Wiehengebirges betroffen, aber der gesamte Nordkreis blieb verschont. Somit sind im Gebiet der Landesforst im Landkreis Osnabrück deutlich mehr als 10.000 Bäume und zusammen mit dem Windwurf im Privatwald insgesamt sicherlich mehr als 50.000 Bäume umgerissen. Aktuell bereiten uns die Folgeschäden Sorgen, denn momentan verzeichnen wir die schlimmste Borkenkäferplage seit vielen Jahren. In den vergangenen Jahren sind die Käfer immer mal wieder in das liegende Holz gelangt, aber dieses Jahr sind sie leider in die normalen, noch stehenden Fichten oder Lärchen im Bestand eingedrungen und haben diese zum Absterben gebracht. Da haben sie bereits ganze Arbeit geleistet.

Können Sie erläutern, wie der Borkenkäfer davon profitiert hat?

Durch die Windwürfe sind ganz viele Waldräder aufgerissen worden. Die dahinter stehenden Fichten sind die volle Sonneneinstrahlung nicht gewohnt. Somit sind sie zunächst durch die neuen Lichtverhältnisse in Stress gekommen. Dann kam auch noch die extreme Trockenheit hinzu. Das sind genau die Bäume, in denen sich die Borkenkäfer relativ schnell heimisch fühlen und ideale Brutbedingungen finden. Aktuell finden wir an vielen Stellen die Befallserscheinungen: die Rinde platzt ab, die Spechte klopfen an der Rinde, um die Käfer herauszuholen und die Baumkronen werden trocken. Wie groß das Ausmaß dieses Befalls zum Ende der Käfersaison Anfang Oktober noch wird, ist dabei aktuell noch gar nicht absehbar.

Waren Borkenkäfer schon immer in unserer Region zu finden?

Es gibt einen sogenannten eisernen Bestand. Aus dieser Basispopulation greifen die Käfer gerade in Zeiten solcher Katastrophen an und sind relativ schnell in der Vermehrung. Die Käfer fliegen in den ersten warmen Tagen Ende April in die Bäume und legen die Eier. Ende Juni hat die erste Käfergeneration bereits die nächste Käfergeneration produziert. Das ist ein exponentielles Wachstum, denn allein ein Borkenkäferpaar hat etwa 60 bis 80 Nachkommen. Wenn diese dann wieder pro Paar 60 bis 80 Nachkommen haben, dann kann man sich ausrechnen, welcher Schaden angerichtet werden kann.

Wie gehen Sie gegen die Borkenkäferplage vor?

Wir sind momentan dabei, die Käfer mit Holzerntemaschinen und Entrindungsmessern zu töten. Dadurch versuchen wir zu verhindern, dass die Larven auch noch weitere Fichten befallen können. Wo wir fertige Käfer kurz vor dem Ausflug finden, müssen wir auch Insektizide einsetzen.

Haben Sie überhaupt eine Chance, diese Tausende von Borkenkäfern, die sich unter diesen idealen Bedingungen im Landkreis entwickelt haben, zu bekämpfen?

Das müssen wir abwarten. Es kann aber durchaus sein, dass die Plage sich in den nächsten Wochen noch weiter ausweitet und wir noch weitere, deutlich mehr Befallserscheinungen sehen. Wir versuchen aktuell, dort gegen die Käfer vorzugehen, wo wir den Befall bereits erkennen.

Müssen Sie als Konsequenz aus dem Windwurf, aus der Borkenkäferplage und aus den Dürreschäden bei Tausenden Jungbäumen im Landkreis bei der Aufforstung im kommenden Jahr eher auf robustere Mischwälder setzen?

Standardmäßig müssen wir pro Jahr 400.000 bis 500.000 neue Bäume in unserem Revier pflanzen. Ob wir im kommenden Jahr 50.000 oder 100.000 Bäume mehr pflanzen müssen, können wir definitiv erst im kommenden Frühjahr sagen. In diesem Jahr haben wir 100.000 Nadelhölzer gepflanzt, im Wesentlichen Douglasie, und 350.000 Laubhölzer. Dabei hat es sich als Glücksgriff erwiesen, dass wir die im Vergleich relativ robuste Douglasie gepflanzt haben, die die lange Dürrephase bislang ganz gut überstanden hat. Wie sich die extreme Trockenheit auf die Laubhölzer ausgewirkt hat, müssen wir abwarten.

Müssen Sie bei der Aufforstung gemäß dem „langfristigen ökologischen Waldentwicklungsprogramm“ – kurz Löwe – auch bei der künftigen Aufforstung mehr auf robustere Mischwälder setzen?

Ulrich Zeigermann ist Leiter des für den Staatswald zuständigen Forstamts in der Region Osnabrück. Foto: Niedersächsische Landesforsten

Wir werden bisherige reine Fichtenwälder mit Buche und Douglasie ergänzen, sodass wir zukünftig Mischbestände bekommen, um gemäß dem Löwe-Programm auch die ökologische Stabilität zu erhöhen. So sind wir zuversichtlich, dass unsere Ökosysteme zukünftige Stressphasen auch besser überstehen. Solche Mischwälder mit Lärche und Douglasie erhöhen die Stabilität in den Wäldern. Weil sie tiefer wurzeln, kommen sie mit dem Klimawandel, starken Stürmen, viel Niederschlag und höheren Sommertemperaturen besser klar.


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