Aufstellen auf Kaminsims verboten Urnen auf Schleichwegen: Einfuhr über die Niederlande kann teuer werden

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In Deutschland darf eine Urne nur an einen Bestatter oder einen Friedhofsträger übergeben werden. Foto: Archiv/David EbenerIn Deutschland darf eine Urne nur an einen Bestatter oder einen Friedhofsträger übergeben werden. Foto: Archiv/David Ebener

Osnabrück. Wenn ein Mensch in Deutschland stirbt, muss er bestattet werden. Doch es gibt Angehörige, die sich wünschen, die Urne zuhause aufzubewahren. Mit einem Umweg über die Niederlande lässt sich das ermöglichen, ist aber eine Ordnungswidrigkeit und kann teuer werden.

In Deutschland gilt die Bestattungspflicht. Jedes Bundesland hat in dem dazugehörigen Gesetz genau geregelt, dass Verstorbene auf Friedhöfen beizusetzen sind. Doch nicht jeder hält sich daran, wie eine Trauerrednerin aus dem Landkreis Osnabrück in Gesprächen erfuhr. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, da sie berufliche Nachteile befürchtet. Dennoch möchte sie, dass Trauernde wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie die Bestattungspflicht umgehen.

Denn es gebe Angehörige, die die Urne mit der Asche ihrer Lieben gerne im Garten begraben oder auf dem Kaminsims stehen haben möchten, erzählt sie. Das ist in Deutschland aber verboten. Trotzdem gebe es Wege, die jedoch eine Ordnungswidrigkeit darstellen.

Bestatter sind zuständig

In Deutschland sind in der Regel die Bestatter in einem Sterbefall zuständig, erklärt Markus Gebauer, Pressesprecher des Bestatterverbands Niedersachsen. Sie zeigen meist den Sterbefall beim Standesamt an und kümmern sich um die Beisetzung. Diese wird beim Friedhofsamt oder Krematorium angemeldet. Auch die untere Gesundheitsbehörde muss in Kenntnis gesetzt werden, wo ein Verstorbener kremiert wird. 

Im Krematorium werden die Verstorben dann registriert und kremiert, sagt Eva Güse, Abteilungsleiterin Friedhöfe und Bestattungen bei der Stadt Osnabrück und damit auch zuständig für das Krematorium. Danach hole entweder ein Bestatter die Urne gegen Empfangsbestätigung ab oder das Krematorium erhalte eine Urnenanforderung eines Friedhofsträgers, dem die Urne geschickt werde. "Er sendet dann eine Beisetzungsbestätigung an uns, die wir dokumentieren", erläutert Güse. Angehörige können in Deutschland keine Urne anfordern.

Über die Niederlande zurück nach Deutschland

In den Niederlanden sehe das zum Beispiel anders aus und das nutzen auch Angehörige aus Deutschland aus, um über diesen Umweg an die Urne zu kommen. Sie ließen den Verstorbenen beispielsweise in Osnabrück einäschern. Dann werde ein Krematorium aus den Niederlanden beauftragt, eine Urnenanforderung zu stellen, erzählt die Trauerrednerin. Das sei erlaubt. So gelange die Urne ins Nachbarland. Die Angehörigen forderten dann wiederum die Urne von diesem Krematorium an, denn in den Niederlanden sei das möglich. Die Urne werde dann wieder über die Grenze geholt, erklärt die Trauerrednerin. Doch genau damit begingen die Angehörigen dann eine Ordnungswidrigkeit.

Denn sollte die Asche wieder nach Deutschland eingeführt werden, muss ab der Grenze die Aschenkapsel dem Zoll oder einem Bestattungsinstitut übergeben werden. "Tut man dies nicht, handelt es sich nicht nur um eine Ordnungswidrigkeit, sondern auch um einen illegalen Leichentransport", betont Markus Gebauer. "Verstorbene müssen generell mit einem Bestattungskraftwagen überführt werden, egal ob in einem Sarg oder Urne." Eine Ausnahme bilde nur der Urnenversand.

Bis zu 5000 Euro Bußgeld

Eine solche Ordnungswidrigkeit zu verfolgen und zu ahnden ist Aufgabe der zuständigen Kommunen. Ein Verstoß gegen die Bestattungspflicht kann bis zu 5000 Euro Bußgeld kosten, betont Güse. "Geltendes Gesetz ist einzuhalten, von Bürgern und Bestattern", sagt sie. Alle deutschen Friedhofsträger sind verpflichtet, einen Nachweis über die Bestattung von Urnen an die Krematorien zurückzusenden. Für Deutschland gebe es daher ein gutes Prozedere, da in anderen Ländern andere Gesetze gelten, werde es dort schwierig, das zu kontrollieren.

Doch der Bestatterverband geht gegen schwarze Schafe in den eigenen Reihen vor. "In Einzelfällen gibt es Bestatter in Deutschland, die damit werben, dass die Angehörigen die Asche von ihren Verstorbenen mit nach Hause nehmen können", berichtet Gebauer. Diese Unternehmen würden abgemahnt oder weitere Schritte  unternommen, da dies ein klarer Aufruf sei, gegen das geltende Gesetz zu handeln und des weiteren ein Verstoß gegen das Wettbewerbsgesetz ist.

Trauerarbeit und Transparenz

Aber warum gibt es in Deutschland eigentlich eine Bestattungspflicht? Güse hält sie für wichtig und richtig: aus Gründen der Trauerarbeit, der Transparenz, des Umwelt- und Gesundheitsschutzes und der Pietät. Die Privatisierung von Trauer und auch der fragwürdige Umgang mit Aschen und Urnen ist deswegen aus ihrer Sicht abzulehnen.

Auch Gebauer ist von der Bestattungspflicht überzeugt und macht das an einem Beispiel deutlich: Der Ehemann verstirbt und der Wunsch der Witwe ist, die Urne zu Hause aufzubewahren. Später verstirbt auch die Witwe. Nun sind die Kinder oder Erben eigentlich verpflichtet, diese Urnen entweder weiter aufzuheben oder sie bestatten zu lassen. Über 90 Prozent der Erben stellen sich keine Urne ins Regal oder auf den Kamin, so Gebauer. Das bedeute, diese nun kostenpflichtig bestatten zu lassen. Um genau diese Kosten zu sparen, würden in vielen Regionen die Verstorbenen auf der Müllhalde landen – und das seien keine Ausnahmen, auch wenn es nicht alle seien. "Das kann und darf nicht unsere Auffassung von Trauerkultur sein", betont Gebauer. "Unsere Auffassung ist nach wie vor, auch wenn jemand verstorben ist, dass die Würde des Menschen unantastbar bleibt."


Der Beruf des Bestatters

Der Beruf des Bestatters unterliegt zur Zeit noch der Handwerksrolle B. Jeder, der meint, diesen ausüben zu können, kann zu seinem zuständigen Gewerbeamt gehen und sich dort eintragen lassen, erklärt Markus Gebauer, Pressesprecher des Bestatterverbands Niedersachsen. Dann benötige man ein Bestattungsfahrzeug, Kenntnisse über die jeweiligen Bestattungsgesetze, Hygienevorschriften, Personenstandsgesetze, Gesetze und Verordnungen der jeweiligen Ärztekammer, Friedhofssatzungen und die erforderliche Zulassung, um auf dem Friedhof beruflich tätig zu werden, Überführungsvorschriften sowie nicht zuletzt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Der qualifizierte Bestatter regelt für die Angehörigen alle behördlichen Wege und Formalitäten, die Krankenkasse, gesetzliche Renten, Betriebsrenten und Auslandsrenten, Versicherungen, Gewerkschaften, GEZ, Mitgliedschaften in Vereinen und Institutionen, sowie alles, was der Kunde wünscht und dem Gesetz und Satzungen nicht widerspricht. 

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