Entsteht am Hafen ein Kreativquartier? Proberäume beschäftigen einmal mehr den Kulturausschuss

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Noch sieht das Hafengelände nach einer Industriebrache aus. Geht es nach der Fachbereichsleiterin Kultur, Patricia Mersinger, pulsiert hier schon bald ein Kreativzenturm. Foto: Jörn MartensNoch sieht das Hafengelände nach einer Industriebrache aus. Geht es nach der Fachbereichsleiterin Kultur, Patricia Mersinger, pulsiert hier schon bald ein Kreativzenturm. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Mit dem Kauf der Speichergebäude am Hafen durch ein Betreiberquartett ist Lösung der Proberaumfrage in Sicht. Aber noch sind wichtige Fragen offen: In der ersten Sitzung nach der Sommerpause diskutierte der Kulturausschuss über die Höhe der Miete.

Im Prinzip kann die Leiterin des Fachbereichskultur, Patricia Mersinger, sehr zufrieden sein: Die Speicher am Hafen werden bald zu neuem Leben erweckt. Damit rückt ein Ziel in greifbare Nähe, das sie schon verfolgte, als sie noch für Stadtentwicklung zuständig war: Schon da wollte sie ein Kreativzentrum am Hafen erschaffen. Am Donnerstag hat sie nun dem Kulturausschuss über die aktuellen Entwicklungen in Sachen Proberäume informiert. Weiterlesen: Der Stand der Dinge beim Thema Proberäume

Knackpunkt Miete

Ein Knackpunkt dabei sind die Mietkosten: Zehn Euro pro Quadratmeter stehen als Summe im Raum – plus Nebenkosten. „Es gibt welche, die das nicht zahlen können oder wollen“, sagt sie nüchtern, und über Fördermittel wird sich kein Mietkostenzuschuss einwerben lassen. Pech für prekäre Bands? Der Ausschussvorsitzende Sebastian Bracke (Die Grünen) erinnert jedenfalls an die Studie, an der Marco Gausmann, Leiter des Musikbüros Osnabrück e.V. arbeitet: Als Zielmarke hatte der eine Warmmiete von fünf bis maximal zehn Euro ermittelt. „Mit den Nebenkosten liegen wir deutlich über dem Wert“, sagt Bracke und fordert auf, nachzusteuern.

Die Kulturverwaltung hingegen sieht die Bands selbst in der Pflicht. Zumindest kann man den Appell des Kulturdezernent Wolfgang Beckermann an die Eigenverantwortlichkeit so verstehen. Es herrsche offenbar bei vielen Künstlern der Eindruck, „sobald jemand Kulturarbeit leistet, muss das unterstützt werden“, sagt Beckermann. Von diesem Automatismus hält Beckermann wenig, und natürlich kann man ihm nicht widersprechen, wenn er sagt, „wir haben viele Aufgaben vor uns“. Mit strengen Absagen hält er sich aber genauso zurück, wie mit freudigen Bewilligungen: Er bittet „Vertreter der Szene und Eigentümer an einen Tisch.“

Ein gängiges Instrument, um die Interessen einer Szene zu bündeln, ist dabei die Gründung eines Vereins, und tatsächlich ist in Bandkreisen davon die Rede. Auch Mersinger bringt diese Idee ins Spiel, denkt dabei aber nicht nur an Verhandlungen über Mietkosten, sondern an ihr Kreativquartier: Sie sieht am Hafen Potenzial für einen „soziokulturellen Ort“, einen „Ort der Begegnung.“ Das schöne dabei: „Dafür gibt es Förderprogramme.“ Drittmittel aus solchen Programmen könnte ein Verein beantragen, und wenn Mersinger in diesem Zusammenhang sagt, „ohne städtische Hilfe wird es nicht gehen“, klingt das so, als wäre sie durchaus bereit, dafür einen Eigenanteil aus dem Kulturhaushalt locker zu machen. Den setzen Drittmittelgeber in aller Regel allerdings auch voraus. Trotzdem: Wer zehn Euro plus Nebenkosten pro Quadratmeter nicht aufbringen kann oder will, steht womöglich bald auf der Straße.

Hase 29 schafft Mehrwert

Wie viel Mehrwert städtische Investitionen in Kultur generieren können, legte Elisabeth Lumme für Hase 29, die Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück, dar. Seit 2016 betreibt dieser Verein seinen Ausstellungsraum in einem ehemaligen Ladenlokal in der Hasestraße, und die bisherige Bilanz liest sich nicht nur aus künstlerischer Sicht gut, sondern dürfte auch das nüchternste Kaufmannsherz höher schlagen lassen. Mit zuletzt 31200 Euro Zuschuss aus dem Etat der Stadt und der Sparkassenstiftung ausgestattet, hat der Verein 75150 Euro Drittmittel eingeworben. Und auch die Besucherzahlen lassen sich sehen: 2017 kamen 9700 Gäste in den Ausstellungsraum, und für 2018 hat Hase 29 bis 31. Juli schon knapp 5900 Besucherinnen und Besucher angezogen. Das beeindruckt auch den Kulturausschuss: „Hochachtung“ spricht Brigitte Neumann (CDU) der Künstlerinitiative aus, und Heiko Schlatermund (SPD) verspricht „weiterhin die Unterstützung durch meine Fraktion.“ Weiterlesen: „Tangency“, das aktuelle Hase-29-Projekt


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