Nächste Woche in Osnabrück TV-Wetterfrosch Plöger hält wenig von Katastrophengerede

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Sven Plöger ist studierter Meteorologe und Wettermoderator im Ersten. Außerdem hält er Vorträge zum Thema Klimaschutz. Foto: imago/Christoph HardtSven Plöger ist studierter Meteorologe und Wettermoderator im Ersten. Außerdem hält er Vorträge zum Thema Klimaschutz. Foto: imago/Christoph Hardt

Osnabrück. Der Meteorologe Sven Plöger ist kommende Woche zu Gast im Museum am Schölerberg, wo er einen (bereits ausverkauften) Vortrag hält. Im Interview spricht er über sein Energiesparverhalten, den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Optimismus und was er an der Diesel-Diskussion nicht versteht.

Herr Plöger, Sie halten Vorträge mit dem Titel „Klimawandel – Gute Aussichten für morgen“. Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?

Hinter den Titel kommt noch ein Fragezeichen. Und ansonsten bin ich Rheinländer und sage als solcher: Et hätt noch emmer joot jejange. Damit will ich das Thema aber nicht verniedlichen. Aber wenn man immer nur immer von der Klimakatastrophe spricht und sich sagt, wir haben eh keine Chance mehr – wie soll man dann noch die Motivation entwickeln, etwas zu tun?

Zum Beispiel?

Wir haben noch Chancen, dem Ganzen in guter Weise zu begegnen, indem wir zum Beispiel tun, was wir sagen. 1992 herrschte bei der Weltklimakonferenz in Rio de Janeiro eine große Aufbruchstimmung. Seitdem ist aber der CO2-Ausstoß weltweit um 60 Prozent gestiegen. Denn man hat genau das nicht gemacht, was man gesagt hat.

Das macht doch nicht optimistisch.

In Paris hat man’s dann verbindlich aufgeschrieben, jetzt geht es darum, die Beschlüsse auch wirklich umzusetzen. Wenn wir das wirklich machen – und das ist ein sehr dicker Satz – dann haben wir folgenden Horizont: Wenn wir die Zusammenhänge mit dem Kohlendioxid richtig verstanden haben, dann passen noch 720 Milliarden Tonnen CO2 in unsere Atmosphäre, um die Temperatur global nicht um mehr als zwei Grad ansteigen zu lassen – wobei das regional sehr unterschiedlich ist, die Arktis ist jetzt schon weit über zwei Grad, andere Regionen sind hingegen bei null. Jetzt emittieren wir aber 36 Milliarden Tonnen pro Jahr, das heißt, wir haben noch 20 Jahre. Deswegen müssen wir jetzt die Dinge tun, von denen wir gesagt haben, dass wir sie tun.

Was tun Sie persönlich? Fahren Sie schon ein Elektroauto?

Meist fahre ich Zug – also tatsächlich elektrisch. Mein Auto ist aber ein Diesel, muss ich zugeben. Wenn ich aber eine Anmerkung zum Thema Diesel machen darf...

Gerne.

Natürlich ist es skandalös, was da passiert ist – gar keine Frage. Wir haben Grenzwerte, und wenn die umgangen werden, ist das Betrug. Ich will auch weg vom Diesel und hin zum Elektrofahrzeug. Was mich in der ganzen Debatte aber immer irritiert: Wir haben einen Grenzwert, das sind in der Außenluft 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft. Wenn man aber mal nachsieht, was am Arbeitsplatz erlaubt ist, so liegen wir bei 950 Mikrogramm. Im Büro 900 und draußen 40 – wieso? Das habe ich nicht verstanden.

Und das wundert Sie?

Möglicherweise geht’s da um Peaks und Regelmäßigkeiten und die Tatsache, dass draußen auch kleine Kinder oder Schwangere den Stoffen ausgesetzt sind. Ich will den Sinn solcher Grenzwertunterschiede auch gar nicht grundsätzlich bezweifeln, es sollte dann aber sicher besser kommuniziert werden. Ansonsten benutze ich in der Stadt das Rad oder bei Regen die Straßenbahn. Aber klar, wenn ich etwas transportieren muss, dann fahre ich auch Auto. Und ich gebe ganz offen zu: Ich habe auch schon Inlandsflüge gemacht und werde es auch weiterhin tun, weil ich es nicht immer vermeiden kann. Mein zentrales Projekt ist aber ein anderes.

Nämlich?

Ich habe ein Haus, das ich mit einer Solaranlage ausgerüstet habe. Es gibt eine Warmwasserversorgung über Solarenergie mit Wärmepumpe und im ganzen Haus Infrarotheizstrahler, die mit Strom der Solaranlage betrieben werden. Das ist eine Strahlungsheizung, es fühlt sich an wie Sonnenschein. In 24 Stunden ist dieses Ferienhaus damit im Winter von 4 auf 20 Grad aufgeheizt. Wenn ich dann wieder vor Ort bin, heize ich mit Holz, also richtige Scheite, keine Pellets. Im Winter muss ich Strom aus dem Netz dazunehmen. Aber ich möchte gerne eine Batterie zur Speicherung der Energie reinbauen, damit ich dann komplett autark bin. Und dann möchte ich mir noch ein Windrad zulegen, das mich an den Tagen versorgt, an denen ich keinen Strom über die Solaranlage bekomme. Aber bereits heute produziere ich, übers Jahr gemittelt, mehr Energie mit dem Haus, als ich verbrauche.

Elektroautos gelten als eine Art Allheilmittel. Aber wird nicht immer noch viel Elektrizität aus Kohle gewonnen? Und werden die Batterien nicht zum riesigen Müllproblem, wenn es erst mal richtig viele Elektroautos gibt?

Ich finde es auch etwas erstaunlich, dass man ausschließlich auf die Elektromobilität setzt, auch wenn ich sie gut finde und unterstütze. Der Elektromotor ist allein schon deshalb toll, weil er wenige Teile hat, und obendrein gehen diese auch fast nie kaputt. Aber wenn die Batterien alt sind, müssen sie weg – wohin eigentlich? Das kann nicht die Lösung sein. Deshalb ist für mich die Batterieforschung von höchstem Interesse. Und da gibt es sehr interessante Ansätze.

Und was ist mit dem Energiemix?

Der ist fraglos das andere Problem. Wenn man im Moment den normalen Mix in ein Elektroauto einspeist, dann ist jeder Verbrenner besser. Wenn wir aber diese Energiewende so vorantreiben, wie wir es wollen, dann haben wir irgendwann sauberen Strom, und dann ist das Elektroauto unschlagbar. Aber es gibt auch noch andere Fragestellungen, die ich von höchstem Interesse finde: Was ist zum Beispiel mit synthetischen Kraftstoffen, die nicht diese Emissionen haben wie Benzin oder Diesel? Auch da wird viel geforscht, aber es geht eben nicht von heute auf morgen.

(Weiterlesen: Sven Plöger: Klimawandel macht Inselbewohner zu Flüchtlingen)


Der Vortrag von Sven Plöger „Klimawandel – gute Aussichten für morgen?!“ im Museum am Schölerberg am Mittwoch, 22. August 2018, ist bereits ausgebucht.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN