Ohne Portemonnaie shoppen Wer kann in Osnabrück das Smartphone als mobile Bankkarte nutzen?

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Statt mit Karte kann per Smartphone kontaktlos am Händlerterminal bezahlt werden. Dazu muss ein Kunde in der Sparkassen-App seine mobile Karte freischalten. Foto: Gert WestdörpStatt mit Karte kann per Smartphone kontaktlos am Händlerterminal bezahlt werden. Dazu muss ein Kunde in der Sparkassen-App seine mobile Karte freischalten. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Seit dem 30. Juli können Millionen Sparkassen-Kunden statt mit der Karte auch mit dem Smartphone an der Kasse zahlen. Auch bei den Kunden in der Region Osnabrück kann theoretisch das Portemonnaie zuhause bleiben. Die Volksbanken in Osnabrück wollen in den nächsten Wochen nachziehen.

Wer kann die mobile Karte nutzen?

Um das Smartphone statt der Karte nutzen zu können, müssen vier Voraussetzungen erfüllt sein: Die Person muss volljährig sein, Online-Banking machen, ein Smartphone besitzen und die passende App herunterladen. Die Technik ist allerdings nur auf Android-Geräten verfügbar.

Zuerst muss die Sparkassen-App heruntergeladen werden. Foto: Gert Westdörp

Bei den Sparkassen muss neben der jetzigen App noch die App "Mobiles Bezahlen" heruntergeladen werden. Bei den Volksbanken wird die Funktion in der aktuellen Volksbank-App eingepflegt werden, sodass keine zusätzliche App heruntergeladen werden muss. Die Pin der physischen und der digitalen Karte kann identisch sein.

Welche Sparkassen und Volksbanken in der Region Osnabrück machen mit?

Die Kunden der Sparkasse Osnabrück, Kreissparkasse Bersenbrück und Melle können die mobile Karte seit dem 30. Juli freischalten. Bei den Volksbanken wird die Funktion ab September angeboten - so auch bei der Volksbank Osnabrück, Volksbank Bramgau-Wittlage und Volksbank GMHütte-Hagen-Bissendorf. Die Volksbank Bad Laer-Borgloh-Hilter-Melle sowie die Volksbank Osnabrück Nordland und Bersenbrück planen die Einführung für dieses Jahr oder Anfang nächsten Jahres.

Um das Projekt "Mobiles Bezahlen" kümmern sich bei Sparkasse Osnabrück Christian Loetz als Projektleiter und Ralf Hellige, Bereichsleiter des Vorstandsstab. Foto: Gert Westdörp

Wie kommt die Karte ins Handy?

In der kostenlosen Sparkassen-App kann der Kunde die Funktion „Mobiles Bezahlen“ freischalten und so per Smartphone zahlen. Ähnlich wird es in der App der Volksbank sein. In der App kann der Kunde eine oder mehrere eigene Karten für das mobile Bezahlen freigeben. Bei den Volksbanken sind das Girocard, Mastercard und Visa. Bei den Sparkassen ist die Option für die Visa-Karte nicht möglich. Zusätzlich kann eine Karte als Standard-Karte festgelegt werden. Möchte man an der Kasse mit einer anderen bezahlen, wählt man diese in der App aus.

Wie funktioniert das kontaktlose Bezahlen?

Schon jetzt können Kunden mit Karten kontaktlos an einem Händlerterminal bezahlen. Dafür braucht die Karte einen NFC-Chip. NFC steht für Nahfeldkommunikation. Das heißt eine Karte muss nicht mehr in das Händlerterminal hineingesteckt werden, sondern kann dicht darüber gehalten werden. Das kontaktlose Bezahlen erfolgt aber erst bei einer Entfernung von maximal vier Zentimeter zwischen Kassengerät und Karte bzw. Smartphone. Ob die eigene Bankkarte oder das Gerät diese Technologie besitzt, ist an dem wellenförmigen Logo erkennbar. Das Logo stellt vier nach links hin geöffnete Bögen dar. In Deutschland sind etwa 650.000 der 800.000 Kassengeräte mit der NFC-Technologie ausgestattet.

Das wellenförmige Symbol zeigt, dass mit dieser Karte kontaktlos bezahlt werden kann. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Wie sicher ist das Bezahlen per Smartphone?

"Das kontaktlose Bezahlen ist mit der virtuellen Karte genauso sicher wie mit der physischen Karte", sagt Heiko Engelhard von der Volksbank Osnabrück. "Das Smartphone kann sogar als noch sicherer betrachtet werden, weil dieses mit einem eigenen Pin entsperrt werden muss", so Ralf Hellige, Leiter Vorstandsstab der Sparkasse Osnabrück. In der Sparkassen-App entscheidet der Nutzer in drei Stufen, wie mobil bezahlt werden kann. In der Ersten muss der Bildschirm aktiviert sein. In der Alternative muss das Smartphone entsperrt sein und in der dritten Stufe muss die App zusätzlich geöffnet sein. Kathrin Körber von der Verbraucherzentrale Niedersachsen sagt: "Das Betriebssystem und die App müssen immer aktuell sein, weil sonst Lücken da sind und die App gehackt werden kann."

Der Nutzer entscheidet: Um mobil bezahlen zu können, muss entweder der Bildschirm aktiv sein, das Gerät entsperrt oder die App gestartet sein. Foto: Gert Westdörp

Kann ein Dieb im Vorbeigehen Geld von meinem Smartphone oder der Karte abbuchen?

Dieses Szenario ist wohl eher Panikmache. Denn der Verbraucherzentrale in Niedersachsen wurden noch keine Probleme gemeldet. "Der Sparkasse Osnabrück ist noch kein einziger Fall bekannt", bestätigt auch Christian Loetz, Projektleiter für das mobile Bezahlen. Eine Abbuchung erfolgt nur bei einem sehr geringen Abstand zwischen Gerät und Smartphone. Außerdem müssten die Betrüger ein Kassengerät haben, dort die Zahlung eingeben und aktivieren und danach eine Weile neben der Karte oder dem Smartphone verweilen. Das Kassengerät würde außerdem bei der Zahlung piepen oder blinken. Bei kontaktlosen Zahlungen über 25 Euro wird im Kassengerät immer die Pin abgefragt. Bei weniger als 25 Euro wird in der Regel keine Pin benötigt. Dieses können Kunden abstellen lassen. "Ein Pin ist immer gut", meint Körber, "Gerade die Unaufmerksamkeit und das "mal schnell bezahlen", ist tückisch". Jeder solle sich die paar Sekunden Zeit für die Pin nehmen, weil es tatsächlich ums Geld gehe.

Was tun bei technischen Problemen?

Manche Kunden sagen, dass das Bezahlen per Smartphone am Händlerterminal nicht funktioniert. "Bisher läuft die Technik bei der Sparkasse Osnabrück einwandfrei", sagt Loetz, "Manchmal wird der NFC-Chip nicht dicht genug an das Händlerterminal gehalten". Die Technologie für das kontaktlose Bezahlen funktioniere nur bei einem geringen Abstand. Der NFC-Chip kann je nach Smartphone unterschiedlich angebracht sein. Daher rät der Fachmann: "Das Smartphone sollte möglichst parallel zum Händlerterminal gehalten werden."

Kann mit dem Smartphone international bezahlt werden?

Die NFC-Technologie an sich funktioniert auch in anderen Ländern, wobei bei der Sparkasse die Mastercard verwendet werden muss.

Was gibt es für Apple-Nutzer?

In Deutschland hat das Betriebssystem Android einen Marktanteil von 80,5 Prozent unter den deutschen Smartphone-Besitzern. Das System von Apple haben laut Marktforschungsinstitut Kantar 18,8 Prozent. Für diese Nutzer ist das mobile Bezahlen mit der App der Sparkassen oder Volksbanken nicht möglich, da der US-Konzern die NFC-Technologie nicht für Drittanbieter freigibt. Die hauseigene Lösung Apple Pay soll dieses Jahr in Deutschland eingeführt werden.


Tipps der Verbraucherzentrale für mehr Sicherheit

  • Guten Zugangsschutz (Pin) einrichten und diesen unter Verschluss halten 
  • Gerätesoftware des Smartphones oder der Armbanduhr auf dem neuesten Stand halten und automatische Updates nutzen 
  • Schutzhülle verwenden, um Funkwellen zuverlässig abzublocken und ungewolltes Auslesen zu verhindern  
  • Bei Verlust oder Diebstahl: Karten und Konten sofort sperren lassen. In den meisten Fällen kann der zentrale Sperr-Notruf weiterhelfen, der unter 116 116 rund um die Uhr zu erreichen ist, aus dem Inland gebührenfrei 
  • Abrechnungen regelmäßig kontrollieren 
  • Wer Bedenken hat, kann bei NFC-Karten das kontaktlose Bezahlen bei einigen Banken abschalten lassen

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