Klärschlamm, Mikroplastik und Spurenstoffe Stadtwerke investieren Millionen in Eversburger Kläranlage

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Das Klärwerk in Eversburg der Stadtwerke Osnabrück muss in den kommenden Jahren für die neue Klärschlammverordnung umgerüstet werden. Foto: David EbenerDas Klärwerk in Eversburg der Stadtwerke Osnabrück muss in den kommenden Jahren für die neue Klärschlammverordnung umgerüstet werden. Foto: David Ebener

Osnabrück. Klärschlamm aus Osnabrück landet derzeit zum überwiegenden Teil auf den ausgedehnten landwirtschaftlichen Flächen vor allem in Mecklenburg-Vorpommern. Diese Art der Entsorgung neigt sich dem Ende entgegen. Die neue Klärschlammverordnung sieht ab spätestens 2029 die Verbrennung des Klärschlamms vor. Mit weitreichenden Folgen für die kommunalen Entsorger.

Ziel der Klärschlammverordnung ist die Rückgewinnung von Phosphor. Die einzig gesicherte Möglichkeit, um dieser Anforderung gerecht zu werden, sei die Rückgewinnung des Phosphors aus Asche, erläuterte Heinz-Werner Hölscher, Geschäftsführer der Netzgesellschaft der Stadtwerke Osnabrück, jetzt den Mitgliedern des Finanzausschusses. Auf die Stadtwerke kommen also in den nächsten Jahren massive technische Veränderungen an ihrer Abwasserbehandlungsanlage zu. Hölscher rechnet mit Investitionskosten bis zum Jahr 2029 – dann muss die Klärschlammverordnung in allen Kommunen mit mehr als 100000 Einwohnern umgesetzt sein – in Höhe von insgesamt 24 Millionen Euro. Er geht davon aus, dass die thermische Verwertung des Eversburger Klärschlamms bereits ab 2025 möglich sein wird.

Saftiger Batzen

Das ist ein saftiger Batzen, der sich aber über die kommenden zehn Jahre verteilen wird. Welche Auswirkungen diese technische Aufrüstung auf die Gebühren haben wird, konnte Hölscher noch nicht sagen. Die Stadtwerke gehen aber nach seinen Worten zunächst davon aus, dass das Investitionsvolumen zumindest kurzfristig ohne signifikante Gebührenerhöhung zu stemmen ist.

19000 Tonnen Osnabrücker Klärschlamm

Schon jetzt wird es für die SWO zunehmend schwerer ihren Klärschlamm loszuwerden. Ursache hierfür sind Änderungen im Düngegesetz, in der Düngeverordnung und der Stromstoffbilanzverordnung, deren Ziel es ist, Schadstoffeinträge in die Äcker zu regulieren und zu reduzieren. Zwar hat die SWO langfristige Verträge mit ihren Klärschlammabnehmern geschlossen (in Summe bis zum Mai 2022), die Entsorgungskosten hätten sich aber mit Inkrafttreten der verschiedenen Verordnungen schon jetzt auf 72 Euro pro Tonne verdoppelt, erläuterte Hölscher. Für die etwa 19000 Tonnen Osnabrücker Klärschlamm ergeben sich aktuell etwa 1,4 Millionen Euro Entsorgungskosten. Hölschers Fazit: "Die Marktlage für landwirtschaftliche Verwertung ist dramatisch verengt."

Spurenstoffe

Allerdings kennt die Abwasserbehandlung nicht nur das Problem Klärschlamm. Nicht alles, was in Eversburg ankommt ist greifbar oder mit dem Auge sichtbar. Gerade die kleinen und kleinsten Dinge bereiten den Fachleuten große Probleme. Noch ungelöst ist zum Beispiel die Reinigung des Schmutzwassers von Spurenstoffen, Pharmaka, Haushalts- und Industriechemikalien, Quecksilber und anderen. Laut Hölscher fehlen derzeit noch belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse über die Möglichkeiten zur Verringerung dieser Spurenstoffe, weshalb die SWO derzeit auch noch keine Schritte in diese Richtung unternehmen könne.

Problemfall Mikroplastik

Die Beseitigung eines weiteren Problemfalls bereitet den Anlagenbetreibern bundesweit schon seit Jahren Kopfschmerzen: Mikroplastik. Diese Partikel – zumeist kleiner als fünf Millimeter im Durchmesser – finden sich in Hautcremes, Peelings, Duschgels, Zahpasta und anderen Artikeln aus dem weiten Feld der Kosmetik. Auch wenn sich die Kuststoffgarderobe, zum Beispiel Fleecepullover, durch Abrieb oder in der Waschmaschine im Laufe der Jahre auflöst, verschwindet sie nicht geistergleich von diesem Erdball. Der Zerfall von Kunststoffprodukten findet überall statt, sei es bei Straßenbahnmarkierungen, Reifenabrieb oder unzähligen anderen Gelegenheiten in unserer kunststoffbasierten Lebenswelt. Die letzten, die diese kleinen Teilchen sehen, bevor sie im Wasserkreislauf verschwinden, sind die Mitarbeiter der Kläranlagen. Dank ihrer nahezu grenzenlosen Unverwüstbarkeit tauchen sie allerdings irgendwann auch wieder auf, gerne in Lebensmitteln, wenn sie von Fischen oder anderem Getier, dass uns als Nahrung dient gemeinsam mit dem saftigen Weidegras verspeist wurden, auf das sie zuvor als Klärschlamm zwecks der Düngung gekippt wurden.

Auch hier ist die Technik noch nicht ausgereift. Hölscher rechnet damit, dass die SWO in etwa zehn Jahren ihre Kläranlage mit einer Filtertechnik ausstatten kann, die auch diese Partikel aus dem Klärwasser fischt.


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