Muslime zeigen sich offen Osnabrücker Ahmadiyya-Gemeinde: Freitags beten sie auf Deutsch

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Die Basharat-Moschee der Ahmadiyya Muslim Gemeinde in der Atterstraße. Foto: Archiv/David EbenerDie Basharat-Moschee der Ahmadiyya Muslim Gemeinde in der Atterstraße. Foto: Archiv/David Ebener

Osnabrück. Wer ist die Osnabrücker Ahmadiyya-Gemeinde? Eine Sekte, wie es ihr oft von anderen Muslimen vorgeworfen wird? Eine ganz normale Religionsgemeinschaft? Am Mittwoch lud die Männer-Jugendorganisation der Gemeinde in Osnabrück ein, genau solche Fragen und Fragen zum Islam zu stellen.

Das eigentliche Motto des Café-Gesprächs „Kippa, Kruzifix, Kopftuch“ geriet dabei in den Hintergrund. In erster Linie ging es den jungen Muslimen darum, Fragen aller Art zu beantworten und sich offen, liberal sowie gesprächsbereit zu zeigen. Zehn Besucher fanden den Weg ins Haus der Jugend – nicht viele, aber mit mehr hatten sie auch nicht gerechnet.

„Unser Ziel ist es, eine friedliche Gesellschaft mit allen Religionen aufzubauen“, sagt Waleed Ahmed, Sprecher der Osnabrücker Ahmadiyya-Jugendorganisation. „Das geht nur durch Dialog.“ Nur so könnten Vorurteile abgebaut werden. „Wir wollen den Leuten ein Forum bieten, wo sie mit Muslimen sprechen können.“


"Es gilt für mich das Grundgesetz und nicht die Scharia."Waleed Ahmed, Ahmadiyya-Jugendorganisation Osnabrück


Knapp über 400 Mitglieder hat die Amadiyya-Muslim-Gemeinde in Osnabrück. Die Ansprache des Imam beim Freitagsgebet findet in der Basharat-Moschee in der Atterstraße bewusst auf Deutsch statt, betont Waleed Ahmed. Die Sprache verstehe die Gemeinde als Mittel gegen Fundamentalismus und für Integration. „Mein Islam sagt auch: Es gilt für mich das Grundgesetz und nicht die Scharia“, betont Ahmed.


Sie setzen sich für den Dialog zwischen den Religionen ein: Waleed Ahmed (links), Sprecher der Osnabrücker Ahmadiyya-Jugend, und Walid Khan, der zurzeit im hessischen Riedstadt eine Ausbildung zum Imam macht. Foto: Philipp Hülsmann


1889 wurde die Religionsgemeinschaft in Indien gegründet, sie bezeichnet sich als islamische Reformbewegung, die die ursprünglichen Lehren des Propheten Mohammed befolgt und verbreitet. Sie ist die einzige islamische Bewegung, die an einen Propheten und Reformer aus dem 19. Jahrhundert namens Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad glaubt.

Kritik von anderen Muslimen

Dafür werden sie von vielen anderen Muslimen kritisiert bis angefeindet, die ihrerseits glauben, dass Mohammed der letzte aller Propheten war. In einigen islamisch geprägten Staaten wie Pakistan werden die Ahmadis deshalb verfolgt. Ihr Oberhaupt Hadhrat Mirza Masroor Ahmad hat seinen Sitz in London.

Entsprechend wichtig ist den Ahmadis die Religionsfreiheit, die im Grundgesetz verankert ist. Waleed Ahmed betont: „Der Islam sagt ja nicht, dass alle anderen Religionen falsch wären.“ Den Ahmadis wird häufig vorgeworfen, das Gegenteil zu proklamieren und missionarisch unterwegs zu sein. Ähnliche Vorurteile gibt es bezüglich ihrer Einstellung zum Kopftuch bei Frauen. Waleed Ahmed hingegenbetont: „Wer kein Kopftuch tragen möchte, muss keines tragen.“

Wie das die weiblichen Gemeindemitglieder wohl sehen? Beim Café-Gespräch war keine anzutreffen. Die Ahmadiyya-Gemeinde lebt eine strikte Geschlechtertrennung – auf Grundlage des Islam, wie Ahmed erläutert. So ist die Gemeinde in fünf Organisationen aufgeteilt: jeweils eine weibliche und männliche Jugend-Gruppe für die 15- bis 40-Jährigen, eine Kindergruppe und je eine Organisation für ältere Männer und Frauen. „Jede arbeitet getrennt“, so Ahmed.

Die Gemeinde finanziert sich ausschließlich durch Mitgliederspenden – auch in Osnabrück. Durch die Flüchtlinge, die in die Stadt gekommen sind, gab es noch einmal einen Mitgliederzuwachs, überwiegend durch Pakistaner, berichtet Ahmed.

Ausbildung zum Imam

Im hessischen Riedstadt bei Darmstadt bildet die Ahmadiyya-Gemeinde ihre Imame aus. Walid Khan, der 2014 an der Gesamtschule Schinkel sein Abitur gemacht hat, studiert dort zurzeit – komplett auf Gemeindekosten, inklusive Unterbringung. 14 Semester dauert die Ausbildung zum Imam, berichtet er. Der Studiengang islamische Theologie, den es an der Universität Osnabrück gibt, sei nicht vergleichbar, so Walid Khan.

Das Motto der Religionsgemeinschaft lautet „Liebe für alle, Hass für keinen“. Jedes Jahr befreit die Jugendorganisation an Neujahr die Innenstadt vom Silvestermüll, außerdem stellen sich ihre Vertreter nun samstags in die Fußgängerzone und fordern vor der Drogerie Müller offensiv auf, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.


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