Suche nach Identität Felix-Nussbaum-Haus zeigt Werke des russischen Malers Yury Kharchenko

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Häuser auf der Leinwand, aber „Kein Ort Zuhause“: Das Nussbaum-Haus stellt Werke zu künstlerischer Spurensuche von Yury Kharchenko aus. Foto: David EbenerHäuser auf der Leinwand, aber „Kein Ort Zuhause“: Das Nussbaum-Haus stellt Werke zu künstlerischer Spurensuche von Yury Kharchenko aus. Foto: David Ebener

Osnabrück „Kein Ort Zuhause“ lautet der Titel der Ausstellung, die am 19. August in Osnabrück eröffnet wird. Mit seinen Ölbildern geht der Künstler Yury Kharchenko auf eine künstlerische Spurensuche nach Heimat und Identität.

Der „Triumph des Todes“ hängt nicht mehr an seinem angestammten Platz. Das finale Bild des Malers Felix Nussbaum, in dem die „Gerippe zum Tanz spielen“, malte er kurz vor seiner Deportation nach Auschwitz und seiner Ermordung durch die Nationalsozialisten. Im Felix-Nussbaum-Haus hat es eigentlich einen prominenten Platz am Ende des Rundgangs durch das von Daniel Libeskind erbaute Museum. Doch jetzt wurde es in den oberen, aufstrebenden Gang gehängt, wo es mit einer temporären Ausstellung des aus Russland stammenden und in Deutschland lebenden Künstlers Yury Kharchenko korrespondiert.

An den Wänden des Ganges hängen kleinformatige Ölbilder mit menschlichen Figuren, die sich aufzulösen scheinen, gequälte Kreaturen, die auf der Suche nach einem Ausweg sind, vom Leben aber eigentlich nichts mehr zu erwarten haben. Eine düstere Sprache sprechen diese „Magic Windows“, diese Fensterbilder, mit denen Kharchenko Bezug auf die Biografie Nussbaums nimmt.

Lebensbejahender und optimistischer zeigt sich dagegen der Hauptteil der Ausstellung, der im zentralen Raum des Nussbaum-Hauses zu sehen ist. Riesige, bis dreieinhalb Meter hohe Bilder präsentiert der Künstler hier, in denen er sich mit seiner eigenen Existenz konfrontiert. Er malt „Häuser“. Eine Art Schablone dient als Grundstruktur für seine Häuser, als Rahmen für das, was in diesen Gebäuden passiert. Hier wird Jazz gespielt, dort ist rege Betriebsamkeit, in einem anderen lächeln sich die Menschen an, weil es ihnen gut geht. Das alles ist pure Imagination, denn man sieht weder Instrumente noch lächelnde Menschen. Kharchenkos Visionen sind nicht gegenständlich. Es handelt sich um eine abstrakte Spurensuche nach der eigenen Identität.

Suche nach Heimat und Identität

„Die verborgene Spur“ hieß eine Ausstellung im Felix-Nussbaum-Haus, mit der die Kuratoren vor zehn Jahren „Jüdische Wege durch die Moderne“ beschritten. Auf diese Schau wurde Kharchenko aufmerksam, und es war seither sein Ziel, seine Bilder in diesem Gebäude zu zeigen, deren Architektur so eng mit der Biografie Nussbaums verbunden ist. Kharchenko, im Jahr 1986 in Moskau geboren, gehört allerdings einer ganz anderen Generation an. Und so nennt er seinen Blick auf den Holocaust paradox, weil er als Jude, der die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat und dessen Eltern als Juden in Stalins Sowjetunion ihre Herkunft verleugneten, jetzt zwischen allen Stühlen sitzt. Mit seinen Bildern lässt er den Betrachter an seiner Suche nach Heimat und Identität teilhaben.

„Zwischen den Räumen“ heißt eine andere Serie mit großformatigen Arbeiten Kharchenkos, die jetzt im Nussbaum-Haus zu sehen sind. Sie vermitteln einen aktuellen Bezug zu Osnabrück, denn das diesjährige Kulturextra wurde unter das Thema „Raum“ gestellt. „Die Ausstellung im Felix-Nussbaum-Haus erscheint wie gemacht für unseren Schwerpunkt“, erklärt Patricia Mersinger, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kultur.


Felix-Nussbaum-Haus (Osnabrück, Museumsquartier, Lotter Str. 2):

„Kein Ort Zuhause“. Werke von Yury Kharchenko. Sonntag, 19. August (Eröffnung um 11.30 Uhr), bis 18. November, Di.–Fr. 11–18 Uhr, 1. Do. im Monat 11–20 Uhr, Sa. und So. 10–18 Uhr. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen: 45 Euro.

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