Rinderhalter stark betroffen Landvolk erwartet Dürre-Hilfe für Bauern in der Region Osnabrück

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Osnabrück. Niedersachsens Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke erwartet, dass die Bundesregierung den Notstand ausrufen und wegen der Dürre Hilfszahlungen an die notleidenden Bauern bewilligt. Schulte to Brinke, der auch Vorsitzender des Bauernverbands im Kreis Osnabrück ist, sagt: „Die Äcker sind immer noch staubtrocken. Auf sandigen Böden gibt es beim Getreide mehr als ein Drittel Ernteausfälle.“

Besonders betroffen sind Bereiche im Süden des Landkreises wie Bad Laer-Remsede oder etwa Glandorf, wo beim Getreide laut Schulte to Brinke nicht einmal die Hälfte der durchschnittlichen Ernte eingefahren werden konnte. Das Grünland ist demnach sogar total vertrocknet. Besonders betroffen sind Futterbaubetriebe wie etwa Rinderhalter. „Sie kämpfen ums Überleben, weil sie das Futter für die Tiere selbst anbauen müssen“, erläutert er. Die Ernte werfe aber nicht ausreichend für die Tiere ab und es sei fast unmöglich, etwa Heu in den Mengen auf dem Markt zuzukaufen. Besonders betroffen sind Biobauern, weil es um ein Vielfaches teurer ist, Bio-Futter einzukaufen als konventionelles.

Futtervorräte wären im November aufgebraucht, doch Henning Aumund hatte Glück

Einer der 95 Biobauern in der Region Osnabrück ist Henning Aumund aus Ostercappeln. Seine Futtervorräte für die 120 Milchkühe wären nach seiner Prognose normalerweise bereits im November aufgebraucht, doch er hatte Glück im Unglück. „Wir Bios sind gut vernetzt“, sagt er und lacht. „Ein befreundeter Biobauer aus Melle hatte im letzten Jahr zu viele Futtervorräte angelegt, weil er auf Nummer sicher gehen wollte.“ Im Juni nahm er ihm die erste Charge ab, im Juli die zweite und vor wenigen Wochen sagte er ihm: „Ich nehme alles, was noch da ist.“ Insgesamt habe er so für 25.000 Euro Futter zukaufen müssen, aber unterm Strich war es eine Win-win-Situation: „Ich war froh, dass ich überhaupt noch an Futter kam und der befreundete Biobauer hat profitiert, weil ich ihm so das Futter abnehmen konnte, das er sonst vielleicht gar nicht losgeworden wäre.“ Hätte er geahnt, was für ein Sommer in diesem Jahr auf ihn zukommt, hätte auch er im vergangenen Jahr größere Futtervorräte angelegt. „Aber wir arbeiten mit der Natur. Das ist ein bisschen wie ein Pokerspiel.“

Viehbestand wegen Futtermangels um zehn Prozent reduziert

Um die Kosten zu drücken, habe er sich schweren Herzens von etwa ein Dutzend Kühen trennen müssen, um den Viehbestand so um rund zehn Prozent zu reduzieren. Nun hofft er, dass wegen der zu erwartenden Milchknappheit im Herbst auch die Milchpreise steigen und den Dürreschaden so zumindest ein wenig einzuschränken. Der niedersächsische Landvolk-Chef Schulte to Brinke, der auf seinem Hof in Bad Iburg selbst Kühe hält, weiß, dass das Vieh in dieser hochsommerlichen Hitze einerseits weniger Milch gibt und dass wegen der Futterknappheit andererseits knapp zehn Prozent mehr Kühe zum Schlachter gebracht werden. Somit rechnet auch er wegen der insgesamt geringeren Milchleistung mit höheren Milchpreisen.

Ernteeinbußen von etwa 30 Prozent

Wegen des Futtermangels musste sich der Biobauer von rund ein Dutzend Kühen trennen. Foto: Swaantje Hehmann

Der Leiter der Bezirksstelle Osnabrück der Landwirtschaftskammer, Jörg Schomborg, sieht im Landkreis wegen der unterschiedlichen Böden, die Wasser entweder besser oder schlechter speichern können, eine unterschiedliche Betroffenheit. Bei den 3500 Landwirten im Kreis rechnet er im Schnitt mit Ernteeinbußen von etwa 30 Prozent. Besonders betroffen seien Raps mit etwa 40 Prozent und Kartoffeln, Mais sowie Grünland mit knapp 50 Prozent. Auch die Schweinehalter seien durch die geringere Getreideernte und die erhöhten Futterkosten belastet. Im Ackerbau fehlten erhebliche Einnahmen aufgrund der geringeren Ernte: „Ein kleiner Teil wird dort durch die um circa zehn Prozent höheren Erzeugerpreise gegenüber dem Vorjahr ausgeglichen“, analysiert Schomborg. Er geht nicht davon aus, dass es flächendeckende staatliche Ausgleichsmaßnahmen für die Betriebe in der Region geben wird. Staatliche Hilfe wegen einer schweren Dürre können Bauern ohnehin nur erwarten, wenn die Ernte um mehr als 30 Prozent unter dem Schnitt der vergangenen Jahre liegt.


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