Geschichte und Geschichten Lehrreich: Stefan Danziger bei „Kultur im Innenhof“

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Multi-Jobber:  Der Berliner Stadterklärer und Stand-Up-Comedian Stefan Danziger im „Freilufttsaal“ des Hauses der Jugend.  Foto: Philipp HülsmannMulti-Jobber: Der Berliner Stadterklärer und Stand-Up-Comedian Stefan Danziger im „Freilufttsaal“ des Hauses der Jugend. Foto: Philipp Hülsmann

Osnabrück. Eine Geschichtsstunde der amüsanten, pointierten Art erlebten die zahlreichen Zeugen des „Kultur im Innenhof“-Auftritts von Stand-Up-Comedian Stefan Danziger im Haus der Jugend.

Führer möchte er zwar nicht genannt werden. Aber als solcher erklärt der Wahlberliner Stefan Danziger Touristen aus aller Welt die Geschichte seiner Stadt. Und zwar so originell und amüsant, dass dies auch auf Comedy-Bühnen funktioniert. Längst nicht mehr nur nebenberuflich steht so der aufgeweckte junge Mann mit der frechen Schiebermütze und dem lässig offen getragenen Holzfällerhemd auch auf der Bühne im „Freiluftsaal“ des Hauses der Jugend. Und berichtet auch darüber, wie eben jene Touristen zuhause auf seine Ausführungen reagieren. Dabei bestätigt er sämtliche Klischees - etwa über naive „Amis“, die sich fragen, warum die Ost-Berliner „nicht einfach um die Mauer herum“ gegangen sind, leicht zu begeisternde Japaner, die ein Haus selbst deshalb für fotografierenswert halten, weil sich dort früher einmal ein Bäcker befand, oder über bildungsferne Jugendliche, die Hämorrhoiden für ein Sternbild halten und Primark („von Kindern für Kinder“) interessanter finden als den Reichstag.  

Billig Sympathien erkauft

Über den gegenwärtigen Zustand seiner Wahlheimat wusste der ursprünglich aus Dresden stammende Danziger zu berichten, dass der Prenzlauer Berg inzwischen zum „Schwabenländle“ mutiert sei und selbst Baustellen zu künstlerischen Performances würden. Über das Missverständnis, dass Zugezogene die Berliner Ignoranz für Toleranz halten, wunderte er sich ebenso wie darüber, dass sich ausgerechnet die beiden Friedensstädte Münster und Osnabrück einander „hassen“. Das machte es ihm allerdings leicht, sich billige lokale Sympathien zu erkaufen, indem er immer wieder dann die Nachbarstadt als Running Gag ins Spiel brachte, wenn es unsympathisch wurde. 

Historisches Wissen ausgespielt

Seine profunden Geschichtskenntnisse spielte Danziger aus, indem er etwa Berlins Tradition als Party- und Pleitestadt bis hin zu Friedrich dem Großem zurückführte. Auch erfuhren die verblüfften Zuschauer, warum Sanssouci eigentlich „ohne Würstchen“ bedeutet, wann Cesar den Salat erfunden hat und dass Berlin einmal ein Hügel im Sumpf war, wovon heute noch der Name zeugt. An vielen Beispielen erläuterte er anschaulich die unterschiedlichen, französischen bis jiddisch-hebräischen Ursprünge des Berliner Jargons. Mit Berliner Schnauze präsentierte er buchstäblich haarige Verschwörungstheorien über die nicht zufällige Abfolge russischer, amerikanischer und französischer Präsidenten. Und die weltverändernde Geschichte, als „The Big Schabowski“ aus Versehen die Mauer öffnete, erzählte Danziger so pointiert und lebendig, als sei er selbst dabei gewesen. Dabei war er seinerzeit gerade mal sechs Jahre alt und mit seinen Eltern ein Jahr zuvor aus der DDR in die Sowjetunion „falsch abgebogen“. Dafür ist er jetzt aber richtig lustig.


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