Geschichte und Gegenwart Junge Menschen aus 16 Nationen treffen sich zu „Labor Europa“ in Osnabrück

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Willkommen in Osnabrück: Christine Grewe vom Büro Friedenskultur freut sich schon auf die europäischen Gäste beim „Labor Europa“. Foto: Gert WestdörpWillkommen in Osnabrück: Christine Grewe vom Büro Friedenskultur freut sich schon auf die europäischen Gäste beim „Labor Europa“. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Labor Europa nennt sich ein Projekt, das am 16. August startet und sich zum Ziel gesetzt hat, die 50 Teilnehmer für Europa zu motivieren. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt Organisatorin Christine Grewe vom Büro für Friedenskultur über das Konzept, über die Vorbereitungen und die Durchführung.

Frau Grewe, bald werden Sie allerhand zu tun haben, weil Sie ab Donnerstag, den 16. August, 50 junge Leute aus ganz Europa zu Besuch haben.

Grewe: Nun, sie kommen ja nicht zu mir persönlich zu Besuch. Ich kümmere mich um sie, weil sie sich auf Einladung der Stadt hier in Osnabrück zehn Tage lang intensiv mit dem Thema Europa beschäftigen werden. Das Projekt heißt „Labor Europa“. Ziel ist es, dass die Teilnehmer ihre Erfahrungen mit Geschichte und Gegenwart Europas in einen kreativen Prozess umwandeln. Aber Sie haben Recht, ich werde allerhand zu tun haben.

Was werden die Teilnehmer hier in Osnabrück tun?

Wir haben in Zusammenarbeit mit diversen Institutionen vor Ort fünf Labore entwickelt, für die sich die Teilnehmer bewerben konnten: Kunst, Geschichte, Performance, Medien und Games, sowie Musik. Nehmen wir als Beispiel das Labor Geschichte: Da arbeiten wir mit dem Museumsquartier und den Gedenkstätten Augustaschacht und Gestapokeller zusammen. Die Teilnehmer haben wir aufgefordert, ein Objekt mit nach Osnabrück zu bringen, das als Symbol für die eigene Erfahrung mit Europa, mit Krieg und Frieden geeignet ist. Die Gegenstände dienen als Grundlage für die Laborarbeit.

Und, wissen Sie, welche Objekte so nach Osnabrück kommen?

Ein Teilnehmer aus der Ukraine bringt beispielsweise eine Postkarte aus dem zweiten Weltkrieg sowie zwei Stücke Kohle aus verschiedenen Teilen seiner Heimat mit. Sie symbolisieren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft seines Landes.

Sind die Labore denn nur für die Teilnehmer gedacht oder können Bürger partizipieren?

Natürlich wollen wir die Ergebnisse der Arbeit zum Teil schon während der Laborzeit präsentieren. Es gibt deshalb eine Berufsschulklasse, die das Ganze auf Facebook und Instagram dokumentiert. Und schließlich werden alle Labore ihre Ergebnisse umfassend im Rahmen der Kulturnacht am 25. August der Öffentlichkeit vorstellen.

Wie haben Sie potentielle Teilnehmer auf Ihr Projekt aufmerksam machen können?

Es ist ja eingebunden in das „Europäische Jahr des kulturellen Erbes 2018“, das unter dem Titel „Sharing Heritage“ steht, das Erbe teilen. Also habe ich bereits bei Netzwerktreffen in Estland und Bulgarien die Trommel für unser Labor gerührt. Die meisten Teilnehmer haben sich jedoch beworben, nachdem wir das Angebot in diversen Internetforen veröffentlicht haben.

Und woher kommen die jungen Europäer, die eingeladen wurden?

Wir konnten einen Schwerpunkt in Südeuropa und Osteuropa feststellen. Italien ist stark vertreten, wir haben Teilnehmer aus Tschechien, Aserbaidschan, aber auch aus Spanien und Griechenland. Insgesamt treffen sich 16 Nationalitäten, um sich mit unseren demokratischen Werten, mit europäischer Kultur, mit den Themen Krieg und Frieden auseinanderzusetzen.

Mussten die Bewerber gewisse Voraussetzungen erfüllen?

Zunächst werden Englischkenntnisse erwartet, weil wir uns auf eine „Amtssprache“ verständigen mussten. Zudem gibt es Labore, die eine Vorbildung notwendig machen: Im Labor Musik werden beispielsweise Kompositionen von Gefangenen des Konzentrationslagers Theresienstadt einstudiert. Daher müssen die Teilnehmer natürlich ein Instrument spielen können. Weil wir keinen Bratschisten unter den Bewerbern hatten, motivierten wir eine Musikerin aus Südkorea, die am hiesigen Institut für Musik studiert, unser kleines Europa-Ensemble international zu bereichern.

Es hört sich so an, als ob Sie schon vor der Ankunft der Gäste viel um die Ohren gehabt hätten.

Das ist richtig. Zunächst haben wir im Büro für Friedenskultur das Konzept entwickelt und Kooperationspartner angeworben, dann haben wir Förderer und Finanziers akquiriert. Schließlich begann die Bewerbungsphase und als wir das unter Dach und Fach hatten, haben wir uns um die Logistik gekümmert: Flüge und Hotels buchen sowie einen Plan für die Lagerhalle machen, die während des Aufenthalts der Teilnehmer zum Laborzentrum wird. Dort treffen sich die Laboranten, die Dozenten und Schulklassen, dort werden sie verköstigt.

Sie sprechen in der Wir-Form. Das heißt, Sie haben das alles nicht allein organisiert?

Glücklicherweise habe ich tolle Mitarbeiter, die mich bei meiner Arbeit unterstützen, allen voran Anush Darbinyan, die in unserem Büro ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvierte und jetzt tatkräftig mitorganisiert. Darüber hinaus entsenden wir eine Assistentin oder einen Assistenten in jedes Labor, die die Teilnehmer an die Hand nehmen, ihnen alle Fragen beantworten und auch die Laborarbeit unterstützen.

Wer bezahlt das Labor Europa?

Das meiste Geld kommt vom Bund. Es handelt sich um 81000 Euro, die aus dem Etat von Monika Grütters stammen, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Darüber hinaus fördert uns die Felicitas und Werner Egerland-Stiftung sehr großzügig mit 65000 Euro und wir bekommen 10000 Euro für die Durchführung des Projekts vom Land Niedersachsen.


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