J. S. Bach zum Kerzenschein Eckhart Kuper spielt Bachs Clavierübungen im Kreuzgang von St. Johann

Von Alexander Stukenbrok

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Konzert im Halbdunkel: Eckhart Kuper führte Bachs Clavierübungen vor. Foto: Hermann PentermannKonzert im Halbdunkel: Eckhart Kuper führte Bachs Clavierübungen vor. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück Cembalist Eckhart Kuper spielte am Dienstagabend bei Kerzenschein im Kreuzgang von St. Johann den zweiten Teil von J. S. Bachs vier Clavierübungen. Von Kuper grandios dargeboten, zeugt der zweite Teil der Clavierübungen, bestehend aus der „Ouverture nach französicher Art“ in h-Moll, sowie dem berühmten „Concerto nach italienischem Gusto“ in F-Dur, von Bachs unerschöpflichen musikalischen Ideenreichtum.

Man mag es heutzutage nicht mehr für möglich halten, aber die Musik Johann Sebastian Bachs blieb nach dessen Tod größtenteils unbeachtet und vergessen, bis sie Anfang des 19. Jahrhunderts in Berlin um Felix Mendelssohn Bartholdy und Carl Friedrich Zelter eine Renaissance fand. Ansonsten wäre der Welt jene großartige Musik, wie sie am Dienstagabend in St. Johann erklungen ist, verloren gegangen.

Eingängig, leicht, hochvirtuos, vielschichtig, wunderschön – der erste Teil der Übungen, das italienische Konzert in F-Dur, zählt nicht ohne Grund zum festen klassischen Konzertrepertoire. Für Eckhart Kuper ist es ein Paradestück! Mit Bravour meistert er jenes Konzert, das dem Spieler technisch alles abverlangt, und trifft den italienischen Ton perfekt. Ganz in die Musik versunken, nutzt er die Möglichkeiten der zwei Manuale seines Cembalos zur Variierung der Klangfarbe. Dabei entstehen barocke Klangwelten, die sich im Ambiente des mittelalterlichen Kreuzgangs von St. Johann wunderbar entfalten. Besonders im Andante zeigt sich die Schönheit eines polyphonen Kompositionsstils.

Weniger häufig hingegen wird die vierzehnsätzige französischen Ouvertüre in h-Moll aufgeführt. Umfangreicher in der Länge, wirkt das Stück stellenweise nüchterner und trockener, als ihr italienisches Pendent. Insbesondere beim Hören der „Chromatische[n] Fantasie und Fuge d-Moll“ mag man sich fragen, ob Bach hier Fingerübungen komponieren wollte. Musikalisches Schachspiel, jedoch ein wenig auf Kosten des rein sinnlichen Genießens.

Trotz alldem, zeigt sich auch in den schnellsten Melodiepassagen, im tiefsten Vordringen des harmonischen Raums die Unverwechselbarkeit der Bachschen Musik. Als Zugabe erklingt die Allemande aus Bachs 4. Partita - Eckhardt Kuper zufolge die schönste Allemande, die Bach je komponiert hat. Es ist Musik zum Staunen und zum Genießen, interpretiert von einem Cembalisten, dessen Begeisterung für die Musik Johann Sebastian Bachs in jedem Moment spürbar ist. Bravo!


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