„Schaden kann passieren“ Wie sicher sind die Brücken der Stadt Osnabrück?

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Geschient, verstärkt, und trotzdem marode: Die Brücke an der Hamburger Straße ist das Sorgenkind der Straßenbauer. Foto: Michael GründelGeschient, verstärkt, und trotzdem marode: Die Brücke an der Hamburger Straße ist das Sorgenkind der Straßenbauer. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Niemand rechnete damit, dass in Genua eine Straßenbrücke einstürzen würde. Kann so etwas auch in Osnabrück passieren? Ausschließen lasse sich das nicht, sagt Jürgen Schmidt, der als Fachdienstleiter für den Straßenbau die Schwachstellen kennt. Aber er ist zuversichtlich, dass zumindest größere Schäden durch regelmäßige Kontrollen verhindert werden.

Für 178 Brücken ist die Stadt Osnabrück zuständig. Darunter sind auch Fußgängerstege über die Hase oder die Nette, aber auch so große Bauwerke wie die vor einigen Jahren erneuerte Schellenbergbrücke. Das größte Problemkind, das Schmidt und seine Kollegen zu betreuen haben, ist die Brücke an der Hamburger Straße über die Bahn. Eigentlich hätte sie längst einem Neubau weichen sollen, aber so lange der seit Jahren ausgetragene Rechtsstreit mit der 3g group (vormals Zion GmbH) nicht beendet ist, können die Arbeiten nicht beginnen.

Schon mehrfach musste das über 100 Jahre alte Bauwerk geschient und verstärkt werden. Inzwischen ist nur noch eine der beiden Fahrbahnen für den Verkehr freigegeben, und Fahrzeuge über 7,5 Tonnen müssen sich andere Wege suchen. Schmidt ist bewusst, dass die Statik der Brücke nicht mehr viel hergibt. Sollten bei der nächsten Überprüfung weitere Mängel entdeckt werden, ist eine Begrenzung auf 3,5 Tonnen geplant.

Einmal im Jahr wird die Überführung an der Hamburger Straße gründlich unter die Lupe genommen. Doch so viel Aufmerksamkeit bekommen die anderen Brücken im Stadtgebiet nicht. Alle sechs Jahre ist nach Din 1076 eine Hauptuntersuchung fällig, „mit Abklopfen und ausführlicher Begutachtung“, wie Jürgen Schmidt vermerkt. Zusätzlich werde jede Brücke alle drei Jahre in Augenschein genommen, um sichtbare Schäden aufzuspüren.

Wo die Fachleute eine konkrete Gefahr wittern, werde gezielt mit Vermessungstechnik kontrolliert, ob es zu Setzungen oder Durchbiegungen kommt. Relativ häufig komme es zu Durchfeuchtungen, berichtet der Straßenbauprofi. Auf Dauer könne so etwas an die Substanz gehen. Dann müssten Fahrbahnbeläge entfernt und defekte Dichtungen erneuert werden. Auf diese Weise habe man die Hasebrücke an der Wittekindstraße und die Nettebrücke an der Haster Mühle saniert.

Für Kontrollen und die routinemäßige Reparaturen gibt die Stadt etwa 750.000 Euro im Jahr aus. Größere Sanierungen, die Millionen kosten können, werden aus einem anderen Haushaltstitel abgerechnet. Zwei Brückenbauer stehen in städtischen Diensten. Für die Inspektion wichtiger Straßenbrücken werden aber externe Ingenieurbüros eingeschaltet.

Gravierende Schäden seien selten, sagt Schmidt, an eine böse Überraschung kann er sich aber gut erinnern. Vor etwa 20 Jahren war die Hasebrücke an der Heinrich-Heine-Straße (vor dem heutigen Alando-Palais) abgesackt, weil das Wasser einen Pfeiler unterspült hatte. Die Stadt musste die Straße kurzfristig sperren – und eine neue Brücke über die Hase bauen.

„Ein Schaden kann passieren“, gibt Schmidt zu bedenken. Aber zu einem Einsturz dürfe es nicht kommen.


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