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Was kostet die neue Heimat für probende Musiker? Investoren-Quartett richtet Proberäume ein, nennt aber noch keine Miete

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Neuer Platz in alten Speichergebäuden: Im Hafen sollen Proberäume für Osnabrücker Musiker entstehen. Foto: Jörn MartensNeuer Platz in alten Speichergebäuden: Im Hafen sollen Proberäume für Osnabrücker Musiker entstehen. Foto: Jörn Martens

Osnabrück Eine Investoren-Gruppe richtet in den Speichern am Hafen Proberäume ein. Damit scheint eine Alternative gefunden zu sein für die Proberäume, die demnächst am Güterbahnhof und am Limberg wegfallen. Allerdings steht noch nicht fest, wie hoch die Miete sein wird.

Die Sorgen, die hiesige Musiker seit geraumer Zeit umtreiben, könnten sich bald in Luft auflösen; die Gefahr, dass sie bald auf der Straße stehen könnten, scheint gebannt. Der Grund: Im Hafen wurden zwei große Speichergebäude, die sich im Besitz der Esos GmbH, einer Tochter der Stadtwerke, befanden, an eine private Investorengruppe verkauft, die hier Proberäume schaffen will.

„Wir machen uns nichts vor: Im Kulturbereich kann man keine Riesenrenditen erwirtschaften. Aber natürlich soll sich unser Engagement im Hafen rentieren“, erklärt Matthias Folkers. Er gehört zu einer Gruppe von vier Investoren, die die beiden Speicher im Hafen erworben haben, die nach dem Abzug der Briten aus Osnabrück plötzlich freistanden. Jahrelang hatte die Stadtverwaltung versucht, für die Immobilien Kaufinteressenten zu finden, die bereit wären, hier eine Art Kulturkiez entstehen zu lassen. Doch den einen war der Preis zu hoch, andere störte das Risiko, dass die Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude zu kostspielig werden könnte. Manch einem Musiker fiel ein Stein vom Herzen, als in diesem Jahr ein Investoren-Quartett vorstellig wurde, das all diese Bedenken offenbar in den Wind schlug.

„Frage des Geldes“

„Wir haben ein Faible für Altbauten, die unter Denkmalschutz stehen“, betont Folkers und fügt hinzu, dass seine Gruppe im Hafen etwas realisieren will, was „dem Ort gerecht wird“. Während in einem Speicher Start-Ups, Unternehmen, Verbände und Kulturvereine unterkommen sollen, werden im zweiten Proberäume entstehen. Und die werden ab Ende dieses Jahres bitter benötigt, denn das Proberaumzentrum am alten Güterbahnhof schließt definitiv Ende 2018, weil dort der Pachtvertrag ausläuft. Am Limberg, wo zurzeit noch über 60 Bands in ehemaligen Briten-Baracken rocken, haben die Musiker noch ein bisschen Karenzzeit: „Gerade wurden die Mieter informiert, dass die Verträge voraussichtlich zu Ende März nächsten Jahres gekündigt werden“, erklärt Silas Jakob von der Initiative, die die Interessen der Musiker am Limberg vertritt.

Er ist gespannt, ob der Speicher im Hafen eine adäquate Alternative zu den Baracken bieten wird. „Es ist ja auch eine Frage des Geldes. Obwohl die Quadratmeterpreise am Limberg zum Teil deutlich niedriger sind, wären unsere Musiker bereit, bis zu neun Euro zu bezahlen“, so Jakob. Eine ähnliche Einschätzung vertritt Marco Gausmann vom Osnabrücker Musikbüro, der kürzlich eine Erhebung über den Proberaumbedarf in der Stadt anfertigte. „Maximal 10 Euro Warmmiete pro Quadratmeter inklusive Stromkosten sind durchaus vertretbar“, sagt Gausmann. Derweil spricht Folkers seinerseits von „branchenübliche Mieten“, die sie ausloben wollen. Genauere Angaben kann er nicht nicht machen, da er noch nicht weiß, wie teuer die Sanierung wird. Auf keinen Fall aber wollen er und seine Investorenkollegen mit Räumen dastehen, die nicht vermietbar sind, weil zu teuer.

Bis zu 91 Räume geplant

Jedenfalls müssten alle Bands vom Güterbahnhof und vom Limberg in Hafen einen Platz finden. 60 bis 80 Räume mit einem Zuschnitt zwischen 15 und 50 Quadratmetern sollen im Speicher entstehen, dazu kämen elf Räume, die in der ehemaligen Militärpolizeiwache auf demselben Areal geplant sind. Die Deutsche Rockmusik Stiftung hatte das Gebäude im vergangenen Jahr erworben, um dort Proberaumangebote zu erschwinglichen Mietpreisen zu schaffen.

So könnte es tatsächlich passieren, dass im Hafen neues Leben entsteht. „Die Planungen sind zwar noch nicht abgeschlossen, aber wir würden im Erdgeschoss des Speichers gern einen öffentlichen Bereich mit einer Bühne schaffen, auf der Konzerte stattfinden“, sagt Folkers. Ansonsten bekäme das Mauerwerk eine Außendämmung, das Dach würde neu gedeckt, Sanitärbereiche geschaffen und neue Fenster eingebaut. Geheizt werden sollen die Gebäude per Fernwärme, die die neuen Eigentümer von den Stadtwerken beziehen.


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