Landgericht verhängt Haftstrafe Windiger Betrüger bringt Frauen aus der Region um Erspartes

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Das Landgericht Osnabrück hat ein Urteil des Amtsgericht Bersenbrück gegen einen Betrüger bestätigt. Symbolfoto: Michael GründelDas Landgericht Osnabrück hat ein Urteil des Amtsgericht Bersenbrück gegen einen Betrüger bestätigt. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Mit seiner Berufung ist ein langjähriger Betrüger vor dem Landgericht gescheitert. Der Mann aus Bünde hatte auf eine Bewährungschance gehofft, doch die versagten ihm Schöffen und der Richter der 7. Kleinen Strafkammer. Wird das Urteil rechtskräftig, bleibt der Mann für weitere 18 Monate hinter Gitter.

Die Gefängniszelle ist seit 2011 sein Zuhause. Mit einer Ausnahme. Anfang 2015 kehrte er aus dem offenen Vollzug nicht mehr in die JVA Bielefeld-Brackwede zurück. Unterschlupf fand er diesmal wieder nach bewährtem Muster: bei Frauen. Wie schon in früheren Fällen hatte sie der mehrfach wegen Betruges verurteilte Mann auf Singleportalen, Internetchats und via Kontaktanzeigen à la „Zärtlicher Chaot mit dem Herz am rechten Fleck“ ausfindig gemacht.

Charmante Weltläufigkeit

Bei ihnen machte er nicht wegen seines Aussehens Eindruck. Vielmehr überzeugte er durch seine charmante, weltläufige Art. Das kam an bei Frauen, die nach gescheiterten Ehen oder anderen Lebenskrisen wieder Halt in einem Menschen suchten.

Doch statt Stütze zu sein, zog er den Frauen den Boden unter den Füßen weg. Finanziell und seelisch. Dabei ging der Angeklagte stets gleich vor: Mit falschem Namen stellte er sich bei den Begegnungen vor und präsentierte, je nach Situation der Frauen, unterschiedliche Berufe. Mal war er ein naher Verwandter des Hauses Seidensticker, mal ein, mit dickem Mercedes vorfahrender, wirtschaftlich potenter Geschäftsmann aus Hamburg. Oder er gab sich als Detektiv aus, mit besten Kontakten zu internationalen Anwälten, die den Frauen in schlammigen Rosenkriegen helfen könnten, vielleicht ins Ausland transferierte Vermögen des Noch-Ehemanns ausfindig zu machen. Das erfordere aber Recherchekosten und Geld. Viel Geld. Manche Frauen überließen Beträge im höheren fünfstelligen Bereich. Mehrfach. Und immer in bar – aus steuerlichen Gründen, wie der Mann weismachen konnte.

Lügengeschichten

Auch Frauen mit weniger Geld auf der hohen Kante, versprach der Betrüger das Blaue vom Himmel. Einer, die bislang geringfügig in einer Spielhalle jobbte, offenbarte er beim ersten Treffen in einer Pension, dass er dieses Haus gekauft habe und es zum Hotel umbauen ließe. Die Frau werde dann Geschäftsführerin, log er. Tatsächlich gelang es ihm gewieft, dass diese Frau ihr kleines Cabriolet verkaufte und ihm das Geld dafür überließ. Es gab Frauen, die nach der letzten Barübergabe und dem dann sofort verschwindenden Mann, Privatinsolvenz anmelden mussten.

Verhandelt wurden in der Osnabrücker Berufungsverhandlung nun die Fälle jener Geschädigten, die er nach seiner Flucht aus dem offenen Vollzug, 2015 übers Ohr gehauen hatte, darunter auch eine Frau aus Bramsche. Ihr Verfahren trennte man aus Rücksicht auf die Geschädigte ab, sodass nur noch über sechs Straftaten geurteilt werden musste.

Keine Bewährung

Die Verhandlungstaktik des Verteidigers, das Berufungsgericht von einer zur Bewährung ausgesetzten Strafe wegen günstiger Sozialprognose seines Mandanten zu überzeugen, scheiterte komplett. Weder eine in Aussicht gestellte Wohnung noch Adressen potenzieller Arbeitgeber und vermeintliche verwandtschaftliche Kontakte überzeugten. „Kein Mensch könnte verstehen, Ihnen eine Bewährung zu geben“, brachte es der Richter in der Urteilsbegründung auf den Punkt. Wie schon in der ersten Instanz vor dem Amtsgericht in Bersenbrück, blieb es auch bei der dort verhängten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Den bereits in Bersenbrück ausgesprochenen Haftbefehl ließ der Berufungsrichter „wegen der Wiederholungsgefahr“ bestehen.

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