Probleme in der Region Osnabrück Fachkräftemangel in der Hauswirtschaft: 150 Firmen suchen Mitarbeiter

Von Christoph Lützenkirchen

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Osnabrück. Die Altenpflegeeinrichtungen in der Region Osnabrück haben zum Teil große Probleme, Auszubildende in der Hauswirtschaft zu finden. Der Markt ist wie leergefegt. Woran liegt das?

Romina Parisi strahlt über das ganze Gesicht. Die Frage war, was für Pläne sie für ihre Zukunft hat. „Ich will hierbleiben und es genießen. Ich mache eigentlich alles gerne, was hier zu tun ist“, sagt die 21-Jährige, die nach Abschluss ihrer dreijährigen Hauswirtschaftsausbildung seit 2017 als Fachkraft im Osnabrücker Wohnstift am Westerberg arbeitet. Wer kann das schon von seinem Job sagen? Und doch wird es immer schwieriger, Bewerber für die beiden Ausbildungsplätze der renommierten Altenpflegeeinrichtung zu finden. „Der Beruf wird heute von vielen wird belächelt“, glaubt Ute Tepe, die 52-Jährige leitet die Hauswirtschaft am Wohnstift. Sie habe auch Zeiten erlebt, in denen sich jährlich 10 bis 20 Bewerber gemeldet hätten.

Schwankende Bezahlung

Sind die beruflichen Perspektiven in der Hauswirtschaft denn so schlecht? Am Lehrgeld kann es nicht liegen. „Das ist vergleichbar mit dem in anderen handwerklichen Berufen“, weiß Ursula Fleddermann, sie ist bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für das Berufsfeld zuständig. Schon im ersten von drei Ausbildungsjahren verdienen Hauswirtschafterinnen 700 Euro im Monat. Auch das Gehalt ausgelernter Kräfte reiche vollauf für eine eigenständige Existenz, so Fleddermann. Allerdings schwankt die Bezahlung stark, am besten ist sie im Öffentlichen Dienst. „Zurzeit überbieten die Arbeitgeber sich aber gegenseitig“, berichtet die Vertreterin der Landwirtschaftskammer.

Über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit suchen allein in einem Radius von 50 Kilometern um die Stadt Osnabrück 150 Unternehmen nach einer Fachkraft. Die Bezahlung ist angemessen, der Bedarf ist groß, dennoch mangelt es an Bewerbern. Das könnte an verbreiteten Stereotypen in der Wahrnehmung des Berufs liegen; zum Beispiel dem Klassiker, dass eine Hauswirtschafterin doch nicht vielmehr sei, als eine tüchtige Hausfrau.

Berufsfachschule in Osnabrück geschlossen

Dem entgegenzuwirken wäre Aufgabe der Politik, doch die sendet andere Signale. „Die zweijährige Berufsfachschule für Hauswirtschaft in Osnabrück wurde geschlossen“, kritisiert Ursula Fleddermann. „Jetzt gibt es nur noch die Schulen in Celle und Oldenburg. Damit züchtet man den Mangel.“

Offenbar ist wenig bekannt, wie breit die Palette an Möglichkeiten ist, die der Beruf der Hauswirtschafterin bietet. „Früher waren wir in unserer Tätigkeit viel stärker auf Themen wie Küche und Wäsche beschränkt und blieben im Hintergrund“, sagt Ute Tepe. „Durch die vielfältigen Aufgaben in der Betreuung sind wir heute näher an den Menschen. Wichtige Bereiche sind aber auch die Organisation, der Umgang mit der EDV oder die Qualitätskontrolle.“

Zwei Tätigkeitsbereiche

Mindestens ein Viertel der Aufgaben in der Pflege würden durch die Hauswirtschaft abgedeckt, ergänzt Ursula Fleddermann. Sie benennt zwei Kernbereiche in der hauswirtschaftlichen Ausbildung: die Versorgung und die Betreuung von Menschen. Unter Versorgung fallen unter anderem die Nahrungszubereitung oder die Textilpflege. Die Betreuung umfasst Dinge wie Motivation, Beschäftigung und verschiedene haushaltsnahe Dienstleistungen bei Pflegebedürftigen.

Entsprechend vielfältig sind die möglichen Arbeitsplätze. Sie finden sich sowohl in Unternehmen, Privathaushalten, Kindergärten, in der Gastronomie, in Mensen, Tagungshäusern sowie Pflege-und Betreuungseinrichtungen. Wer sich weiter qualifizieren will, kann die Berufsfachschule besuchen, aber auch eine Meisterausbildung absolvieren. Anschließend ist auch ein Hochschulstudium mit dem Abschluss als Ökotrophologin möglich.

Über Karriere denkt Romina Parisi aktuell noch nicht nach. Die junge Frau rutscht schon ein wenig ungeduldig auf ihrem Stuhl hin und her. Sie und ihre 17-jährige Kollegin Josephine Hill – seit dem 1. August Auszubildende des Wohnstifts – werden bei der Essensausgabe gebraucht. Leichtfüßig springen die beiden auf, die Arbeit ruft. Im geräumigen Speisesaal der Einrichtung servieren sie lächelnd und formvollendet das Mittagessen. Man sieht es ihnen an, die Arbeit geht leicht von der Hand und macht ihnen Freude. „Das Wohnstift ist mein zweites Zuhause“, sagt Parisi, greift nach dem nächsten Teller und ist wieder unterwegs zu einem der betagten Bewohner.


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