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14.08.2018, 14:25 Uhr KOLUMNE

Dodesheide und Sonnenhügel von der Innenwelt abgeschnitten

Von Dietmar Kröger

Auf der Hansastraße staut sich stadteinwärts der Autoverkehr. Foto: Michael GründelAuf der Hansastraße staut sich stadteinwärts der Autoverkehr. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Wer seine Heimstatt in den Stadtteilen Dodesheide oder Sonnenhügel hat, ist baustellenerprobt. Wir reden hier nicht über Hochbauten. Es geht um Straßenbaustellen. Seit Jahren überziehen die Verantwortlichen bei Stadt und Stadtwerken die beiden Stadtteile immer wieder mit neuen Sperrungen. Von Jahr zu Jahr wird es schwieriger, in die Innenstadt zu kommen. So langsam gehen den Dodesheidern und Sonnenhüglern die Wegealternativen aus.

Modernes Pfadfindertum in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes ist gefragt. Seit dieser Woche erst recht. Denn nun haben die Stadtwerke auch noch die Kreuzung Wachsbleiche, Bramscher Straße, Lindenstraße dicht gemacht. Das hat den Vorteil, dass, wer in die Innenstadt will, den Stau auf der Hansastraße, in den er ja unvermeidlich auch noch reinfahren wird, schon mal in Ruhe betrachten kann. Denn derzeit ist es so, dass der unwissende Reisende zunächst einmal die Süntelstraße weiterfahren muss, um dann die nächste Gelegenheit, die Roopstraße, zum Abbiegen Richtung Hansastraße zu nutzen. 

Dann geht es erst einmal ein bisschen stadtauswärts, was ja an sich schon ein befremdliches Gefühl ist, wenn man eigentlich in die Innenstadt will, zum Beispiel zum Berliner Platz. Weil man ja aber hier am Stau vorbeifährt, kann man schon mal abschätzen, mit welcher Verspätung man seinen Termin erreichen wird. So weit der Pluspunkt. Ansonsten sammeln die Straßenbauverantwortlichen Minuspunkte in stattlichem Ausmaß. 

Eine Prise Kommunikation

Eine Prise Kommunikation wäre an dieser Stelle übrigens schön gewesen. Dann hätten die Verkehrsteilnehmer wenigstens wissen können (natürlich nicht müssen), dass die Kreuzung für die kommenden zwei Monate dicht ist und die Einbahnstraßenregelung der Friedhofstraße umgekehrt wurde, damit der Autofahrer via Friedhofstraße, an dieser Stelle endlich fertiggestellter Bramscher Straße und Weserstraße wahnsinnig zügig in den Stau auf der Hansastraße kommt. Hat aber keiner gesagt, konnte also auch keiner wissen.

Koordinierungsstelle

Spätestens zu diesem Zeitpunkt kommen auch dem Wohlmeinenden erste Zweifel, ob es tatsächlich eine Koordinierungsstelle für die Straßenbauarbeiten (Kost) in Osnabrück gibt. Bielefeld soll schließlich auch nur auf dem Papier existieren. Wer noch – weil wohlmeinend – an die Kost glaubt, fragt sich bei einem kurzen Überblick über die Osnabrücker Baustellensituation dann allerdings, was in diesem Zirkel besprochen wird. Die Sinnhaftigkeit von parallel eingerichteten Baustellen offensichtlich nicht. 

Baustellen müssen sein

Zugegeben: Das ist jetzt alles ein bisschen böse formuliert. Auch dürfen die Osnabrücker davon ausgehen, dass jede der derzeit in Angriff genommenen Baustellen tatsächlich auch notwendig ist. Aber die Kritik, unstrukturiert zu handeln, müssen sich die Verantwortlichen gefallen lassen. Macht es Sinn, Baustellen wie die Knollstraße, die Hansastraße und die Bramscher Straße – um nur die drei größten in diesem Bereich zu nennen – parallel laufen zu lassen? Schließlich handelt es sich hier nicht um Arbeiten, die nach spätestens vier Wochen erledigt sind.

Kräfte bündeln

Beispiel Knollstraße: Fakt ist, dass die Kanäle und die Straße mehr als marode sind. Ein Neubau ist ohne Alternative. Aber muss das tatsächlich drei Jahre dauern? Könnte es nicht auch Sinn machen, mehr Manpower zu aktivieren, getreu dem Motto: "Viele Hände, schnelles Ende"? Und wenn eine Baufirma die Kapazitäten alleine nicht aufbringt, wie wäre es mit Arbeitsgemeinschaften? Ist ein solches Projekt mit gebündelten Kräften nicht vielleicht auch in einem Jahr fertigzustellen? 

Beispiel Hansastraße: Fakt ist, dass eine Beschleunigung des öffentlichen Personennahverkehrs wünschens- und unterstützenswert ist. Was aber hätte sich die Stadt vergeben, wenn die Einrichtung der Busabbiegespur noch ein Jahr gedauert hätte, bis die Knollstraße wieder befahrbar ist? Drohte der Untergang des Abendlandes? Wohl kaum. 

Akzeptanz schaffen

Wie wollen die Baustellenverantwortlichen eine Akzeptanz für ihre Maßnahmen erreichen, wenn sie ganze Stadtteile in Geiselhaft nehmen? Setzen sie aufs Stockholm-Syndrom, demzufolge die Opfer ein positives emotionales Verhältnis zu den Tätern entwickeln, um in einem letzten Schritt mit diesen zu sympathisieren und zu kooperieren? Das wird nichts, ihr Lieben. Da sind andere Ideen gefragt.


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