Turmhohe Leihgabe Hochschule Osnabrück erforscht Abwasserreinigung im 12.000-Liter-Becken

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Die zu untersuchenden Membranmodule werden mit einem neuen Säulenschwenkkran der Gummersbacher Firma Abus Kransysteme in das Becken eingebracht. Foto: Abus KransystemeDie zu untersuchenden Membranmodule werden mit einem neuen Säulenschwenkkran der Gummersbacher Firma Abus Kransysteme in das Becken eingebracht. Foto: Abus Kransysteme

Osnabrück. Es ist fünf Meter hoch, 17 Tonnen schwer, fasst 12.000 Liter – und seine Glasscheiben sind so dick, dass sie einem Lkw-Aufprall standhalten könnten: Mit einem neuen Großbecken im Labor für Verfahrenstechnik betreibt die Hochschule Osnabrück Auftragsforschung auf dem Gebiet der Abwasseraufbereitung.

Zur Verfügung gestellt wurde der Koloss vom Wiesbadener Unternehmen Microdyn-Nadir, einem langjährigen Kooperationspartner der Hochschule Osnabrück. Das Großbecken soll helfen, die Aufbereitung von Abwässern mittels sogenannter Membran-Bioreaktoren (MBR) zu erforschen und zu verbessern. 

Diese Methode sei vorteilhaft, wenn besonders hohe Anforderungen an die hygienische Qualität des gereinigten Wassers gestellt würden, teilt die Hochschule mit. Das Labor für Verfahrenstechnik erforsche seit vielen Jahren Mechanismen der Abwasserreinigung. Das Team um die Professoren Frank Helmus und Sandra Rosenberger arbeite dabei eng mit industriellen und kommunalen Partnern zusammen.

Die Glasscheiben des 17 Tonnen schweren Großbeckens im Osnabrücker Labor für Verfahrenstechnik sind vier Zentimeter dick und sollen einem Lkw-Aufprall standhalten können – hier eine Musterplatte. Foto: Hochschule Osnabrück

Größtes Gerät im Labor

Das Großbecken aus dem Hause Microdyn-Nadir macht seinem Namen alle Ehre: Mit seiner stattlichen Höhe von fünf Metern überragt es die gesamte Laboreinrichtung. „Der 17 Tonnen schwere Koloss besteht aus vier Glasscheiben und einem Stahlrahmen. Die Glasscheiben sind vier Zentimeter dick und sollen einem Lkw-Aufprall standhalten können“, berichtet Laborleiter Helmus. Die zu untersuchenden Membranmodule werden mit einem neuen Säulenschwenkkran der Gummersbacher Firma Abus Kransysteme in das Becken gehievt. Beschafft wurde der Kran zum Teil aus Spendengeldern der Firma Saltigo aus Leverkusen, die das Labor für Verfahrenstechnik schon seit Jahren finanziell unterstützt. 

Gefüllt mit Klärschlamm-Ersatz

„Mit dem Großbecken im Pilotmaßstab sowie zwei kleineren Becken im Labor- und Technikumsmaßstab können wir nun eine vollständige Maßstabübertragung durchführen“, ergänzt Rosenberger. Diese Methode werde in der Verfahrenstechnik beim Bau technischer Produktionsanlagen eingesetzt. Studenten der Hochschule Osnabrück können sie nun bei Laborpraktika selbst erleben.


"Die Glasscheiben sind vier Zentimeter dick und sollen einem Lkw-Aufprall standhalten können"Laborleiter Frank Helmus


Aber nicht allein die Größe, sondern vor allem der Inhalt des neuen Wasserbeckens macht den Angaben zufolge das Besondere aus: Erstens ist es mit einem speziellen Klärschlamm-Ersatz gefüllt, der sich zwar wie Klärschlamm verhält, jedoch durchsichtig ist. Dieses vom Forschungsteam der Hochschule Osnabrück optimierte Ersatzmedium ermöglicht es, Strömungen im Becken genau zu untersuchen.  (Weiterlesen: Serie zum Osnabrücker Wissensforum 2018 – Wie gefährlich sind Mikrofasern im Abwasser?)

Platzsparendes Spezialmodul

Zweitens ist ein spezielles Membranmodul in diese Ersatzflüssigkeit getaucht, das die Nachklärung ersetzt. Zum Hintergrund: Bei herkömmlichen Verfahren erfolgt die Abtrennung der Biomasse vom gereinigten Abwasser in einem Nachklärbecken. Nachteil ist, dass dieser Prozess viel Platz benötigt und die Qualität des Ablaufwassers stark schwanken kann. „Unser Membranmodul stellt eine physikalische Barriere dar“, erklärt Walter Lamparter, Geschäftsführer von Microdyn-Nadir. So werde für die Wasseraufbereitung bedeutend weniger Platz benötigt als üblich – und das bei besserer und stabilerer Qualität.  (Weiterlesen: Lebender Abwasserfilter der Uni Osnabrück für Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert)


12.000 Liter fasst das Großbecken im Labor für Verfahrenstechnik der Hochschule Osnabrück. Das Unternehmen Microdyn-Nadir aus Wiesbaden hat es seinen langjährigen Kooperationspartnern für Forschungsarbeiten zur Verfügung gestellt. Foto: Hochschule Osnabrück

Fünf Jahre Zeit

Seit zehn Jahren kooperiert das hessische Unternehmen (400 Mitarbeitern in sieben Ländern) mit der Hochschule Osnabrück. Heute gehört es dem Konzern Mann+Hummel an – einem Familienunternehmen der Automotive-Branche, das mit 20.000 Mitarbeitern weltweit vier Milliarden Euro jährlich umsetzt. Beim Ausbau der MBR-Technologie setzt Mann+Hummel auf die Zusammenarbeit mit der Hochschule Osnabrück. Für fünf Jahre hat die Firma nun das Großbecken dem Labor für Verfahrenstechnik überlassen, damit in deren Auftrag Untersuchungen durchgeführt werden können.

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