Bei „Feine Sahne Fischfilet“ geklaut Taschendieb aus dem Osnabrücker Hyde Park verurteilt

Von Heiko Kluge

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Vor dem Hyde Park klickten die Handschellen. Symbolfoto: imago/Rainer DroeseVor dem Hyde Park klickten die Handschellen. Symbolfoto: imago/Rainer Droese

Osnabrück. Gemeinsam mit zwei Komplizen hat ein 36-jähriger Taschendieb den Besuchern des Konzerts der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ im Osnabrücker Hyde Park hochwertige Mobiltelefone gestohlen. Jetzt schickte ihn das Amtsgericht Osnabrück deshalb für ein Jahr und zehn Monate ins Gefängnis.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautete auf schweren Bandendiebstahl. Mindestens 15 Telefone im Gesamtwert von etwa 4450 Euro sollen die drei Straftäter am 22. Februar Konzertgästen aus Hosen- und Jackentaschen gezogen haben.

Die Osnabrücker Polizei war bereits im Vorfeld von Polizeistellen in Wiesbaden, Leipzig und München davor gewarnt worden, dass professionelle Taschendiebe das Osnabrücker „Feine Sahne Fischfilet“-Konzert ins Visier genommen hätten.

Denn in Leipzig war ein Mann wegen derartiger Diebstähle während eines Konzerts der „Toten Hosen“ festgenommen worden. Auf seinem Mobiltelefon fanden die Ermittler die Nummern weiterer Verdächtiger. Zwei dieser Nummern wurden fortan überwacht. So bekam die Polizei mit, dass sich ihre Besitzer kurz vor dem Konzert aus den Niederlanden auf den Weg nach Osnabrück gemacht hatten.

Taschendiebe lieben Punk-Konzerte

Nun mussten die Beamten nur noch eins und eins zusammenzählen. Denn nach Erkenntnissen der Polizei sind Konzerte von „Feine Sahne Fischfilet“ bei Taschendieben besonders beliebt – wird dort doch der sogenannte Pogo-Tanzstil gepflegt, der mit großem Gedränge und viel Körperkontakt verbunden ist: ideale Arbeitsbedingungen für Taschendiebe.

Dementsprechend hatte die Polizei im Hyde Park Zivilbeamte postiert. Diesen fielen tatsächlich bald drei Männer auf – unter ihnen auch der Angeklagte –, die nicht zu den übrigen Besuchern passten und sich zudem verdächtig benahmen. „Sie waren nicht auf die Bühne fixiert“, beschrieb es einer der Zivilfahnder im Zeugenstand. Die Männer seien nicht der Musik gefolgt, sondern hätten stattdessen genau ihre Umgebung beobachtet.

Während des Konzerts habe ihr eine Mitarbeiterin des Hyde Parks mitgeteilt, dass einer der Konzertbesucher den Diebstahl seines Handys gemeldet hat, berichtete eine an der Aktion beteiligte Polizistin.

Handys stecken unter einer Art „Badeanzug“

Als der 36-Jährige den Hyde Park verließ, wurde er von den Beamten kontrolliert – und diese wurden fündig. Unter seiner Oberbekleidung trug der Mann ein eng anliegendes, an einen Badeanzug erinnerendes Kleidungsstück. Und darunter steckten 15 hochwertige Mobiltelefone. Seinen beiden mutmaßlichen Komplizen gelang hingegen zunächst die Flucht. Sie wurden aber mittlerweile in den Niederlanden beziehungsweise in Spanien festgenommen.

Der 36-Jährige, der den Beamten bereits am Abend des Konzerts ins Netz ging, stammt aus Südosteuropa und war in Deutschland bislang unbescholten. Vor Gericht gab er zu, die Handys gestohlen zu haben, stritt aber ab, Teil einer Bande gewesen zu sein. Er habe die Tat zusammen mit einem anderen Mann begangen, den er erst kurz vorher kennengelernt habe. Er sei erst zwei Wochen vor dem Geschehen nach Deutschland gekommen, um hier Arbeit zu suchen.

„Sind sind Mitglied einer Bande“

Doch das Gericht überzeugte er damit nicht. „Ich bin davon überzeugt, dass es in der Tat so stattgefunden hat, wie es angeklagt ist“, betonte die Vorsitzende in der Urteilsbegründung. Es handele sich nicht um eine Tat, „die bei Gelegenheit passiert“. An die Adresse des Angeklagten stellte sie klar: „Sie sind Mitglied einer Bande, die nur zur Begehung dieser Taten quer durch Europa reist.“

Ähnlich hatte sich zuvor bereits die Staatsanwältin geäußert: Die Vorgehensweise des Angeklagten und seiner Mittäter sei „an Abgebrühtheit, Frechheit und Dreistigkeit fast nicht mehr zu überbieten“.

Der Verteidiger hatte in seinem Plädoyer hingegen betont, dass es nicht gelungen sei, dem 36-Jährigen die Mitgliedschaft in einer Bande nachzuweisen. Sein Mandant habe lediglich einen einfachen Diebstahl begangen, wofür eine Bewährungsstrafe zu verhängen sei.

Doch darauf wollte sich die Vorsitzende nicht einlassen. Eine Bewährungschance komme nicht infrage.

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, wird der 36-Jährige also weiter im Gefängnis bleiben müssen. Dort befindet er sich seit seiner Festnahme im Februar. Die Zeit der Untersuchungshaft wird auf das Urteil angerechnet.


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