Das bessere Leben im Blick Selbsthilfegruppe ehemals Drogenabhängiger

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Damit muss Schluss sein: Wer zur Selbsthilfegruppe kommen möchte, muss clean sein. Foto: dpa/Frank LeonhardtDamit muss Schluss sein: Wer zur Selbsthilfegruppe kommen möchte, muss clean sein. Foto: dpa/Frank Leonhardt

Osnabrück. In der Selbsthilfegruppe (SHG) „Horizont“ treffen sich allwöchentlich ehemalige, inzwischen abstinente Drogenabhängige, um ihre persönliche Entwicklung zu reflektieren und sich auf ihrem Weg gegenseitig zu stärken.

„Eine Sucht wird man auch in der Abstinenz nicht wirklich los, sie begleitet einen ein Leben lang“, sagt Rainer Schönlau, der die Gruppe nach außen vertritt und die Gruppentreffen moderiert. Das Wort „Sucht“ habe nicht von ungefähr Ähnlichkeit mit dem Wort „Suche“: Sucht sei Ausdruck des fehlgeschlagenen Versuchs, den eigenen Lebensweg zu finden. „Der Süchtige hat ein Stück seiner Lebensentwicklung verpasst.“ Wer diese Entwicklung nachholen wolle, müsse auf Drogen verzichten.

Die SHG gibt es seit 2007; die meisten der derzeit sechs Teilnehmer sind Mitte 20 bis Mitte 30, ein Alter, in dem die jugendliche Unbedarftheit, mit der sie oftmals in die Drogenkarriere rutschten, einer erwachseneren Haltung Platz macht. Betroffene werden häufig von Ärzten oder Kliniken auf die Möglichkeit der Selbsthilfe hingewiesen. Neben der Gruppe „Horizont“ gibt es für junge ehemalige Drogenabhängige noch die Gruppe „DJ Mick“ des Kreuzbundes, sowie eine Gruppe der Narcotics Anonymous. Viele Ex-Abhängige konsumierten mehrere verschiedene Drogen - man spricht von Polytoxikomanie – und begannen häufig schon mit 13 oder 14 Jahren. „Je weniger Perspektive ein Jugendlicher sieht, desto geringer seine Widerstandskraft gegen die überall, auch in Osnabrück, erhältlichen Drogen, nach deren Genuss sich alle Probleme ins Nichts aufzulösen oder ihre Bewältigung so viel einfacher erscheint.“

Viele kommen erst, wenn der körperliche Verfall unübersehbar ist oder sie bereits zusammengebrochen sind. „Ich wollte eigentlich gar nicht mit den Drogen aufhören“, erzählt ein Gruppenmitglied, „ich glaubte auch nicht, dass ich süchtig war.“ Er fand damals, dass er sein Leben im Griff habe. Trotz hohen Drogenkonsums sei er seinen Verpflichtungen im Beruf und in der Familie lange nachgekommen: „Mit Cannabis habe ich gechillt, mit Amphetaminen habe ich mich gepowert.“ Er sei ein richtiger „Hochleistungsarbeiter“ gewesen. Dennoch brach nach einem Arbeitsunfall und dem Verlust seines Führerscheins die vermeintlich heile Welt zusammen. Er verlor den Job, seine Frau trennte sich von ihm. „Ich wog nur noch 76 Kilo und hatte eingefallene Wangen.“ Aber in den Entzug und die Therapie sei er eigentlich nur gegangen, um seinen Führerschein wieder zu erlangen, nicht etwa, weil er sich ein Leben ohne Drogen vorstellen konnte oder gar wünschte.

Er sei dann noch während der stationären Therapie regelmäßig zur SHG gekommen und dort habe sich sein Sinneswandel angebahnt. Nun, drei Jahre später, sei er sehr froh über seine dauerhafte Abstinenz, denn er habe nicht nur die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) zur Wiedererlangung seines Führerscheins bestanden, sondern auch wieder einen guten Job und neue Freunde gefunden. Außerdem bleibe jetzt mehr Geld übrig. Leider geht die Geschichte nicht für alle SHG-Teilnehmer so gut aus: „Wir haben eine beträchtliche Fluktuation in der Gruppe, nicht alle schaffen es, clean zu bleiben“, berichtet Schönlau.

Abstinenz sei aber die Voraussetzung für die Teilnahme an der SHG, denn wer „breit“ sei, dem sei alles „scheißegal“. Diejenigen, die in die SHG kommen, wollten etwas in ihrem Leben ändern. Für sie biete die SHG einen Schutzraum, in dem sie nicht gefährdet werden, sondern Unterstützung auf dem langen und harten Weg zu stabiler psychischen Gesundheit bekommen. Erfahrungsgemäß dauere es bis zur Stabilität durchaus ein bis zwei Jahre, und gerade der Übergang von der „Schutzglocke“ Therapie zu einem selbstbestimmten Leben stelle die Menschen immer wieder vor neue Herausforderungen. Deshalb finden die Treffen der SHG jede Woche statt. „So sind die Teilnehmer immer wieder aufgefordert, sich mit sich selbst zu beschäftigen, ihren Weg zu überdenken“, so Schönlau. „Sie müssen lernen, ihr Unbehagen mit bestimmten Situationen wahrzunehmen und sich rechtzeitig bessere Lösungen als die Einnahme von Drogen zu überlegen.“ Bei den anderen Gruppenmitgliedern finde man zudem das Interesse und die Anteilnahme, die in der restlichen Gesellschaft zumeist fehle. Und zu sehen, dass andere bereits stabil sind, dass es zu schaffen ist, gebe Hoffnung.

Die Gruppe trifft sich jeden Montag ab 19.30 Uhr im Haus der Gesundheit, Hakenstraße 6, in Osnabrück,

Kontakt: Büro für Selbsthilfe, Tel. 0541 501 8017, oder Mail: buero-selbsthilfe-ehrenamt@Lkos.de


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