Kunst im öffentlichen Raum „Dockingstationen“ in Osnabrücker Innenstadt laden zur Interaktion ein

Von Anne Reinert


Osnabrück. Eine „Frühstücksinsel“ und andere Skulpturen sind bis Mitte Oktober in der Osnabrücker Innenstadt zu sehen. Die „Dockingstationen“ laden seit Sonntag zur Interaktion ein – und zur Auseinandersetzung Kunst im öffentlichen Raum.

Mitten auf der Hase sitzen fünf Menschen, und trinken entspannt Kaffee. Platz genommen haben sie auf einer rosafarbenen Plattform, die die kleine Gesellschaft sanft hin und her wiegt. „Frühstücksinsel“ heißt die Skulptur von Künstler Samuel Treindl aus Münster.

Die Insel gehört zum Skulpturenprojekt „Dockingstationen“. An Dockingstationen im eigentlichen Sinne werden mobile Geräte wie Smartphones mit dem festen Netz verbunden. In diesem Fall verbinden sie Ästhetik mit praktischen Funktionen.

Beobachter, die sonst nichts mit Kunst zu tun haben

Die Idee hatte Künstler David Rauer. Bei Kulturamtsleiterin Patricia Mersinger rannte er offene Türen ein. „Kunst im öffentlichen Raum ist mir ein Herzensanliegen“, sagt sie. Denn sie erreiche viele Passanten, die sonst nicht ins Museum oder die Kunsthalle gehen.

David Rauer und seine Kollegen erlebten beim Aufbau, dass Leute neugierig nachfragten – oder verärgert reagierten. Letzteres betraf vor allem Kevin Bauers Station in der Krahnstraße. Der Niederländer hat eine Sitzbank regelrecht eingegittert. In ovalen Formen schlingt sich die Stahlskulptur um die so nicht mehr nutzbare Sitzgelegenheit. Der Titel „What the bank?!“ macht deutlich, dass das so sein soll.

Bei Kindern beliebt ist Rauers eigener Beitrag „Klemmödem“. In der Bierstraße hat er ein buntes Oval um eine Straßenlaterne „geklemmt“. Die Skulptur bietet nicht nur eine Sitzgelegenheit, sondern fordert mit Hebeln zum Spielen heraus. Wer Platz nimmt, bedient etwa einen Mechanismus, der auf der anderen Seite der Skulptur einen Hebel auftauchen lässt. Bewusst knüpft Rauer mit dem Begriff Ödem an die Wassereinlagerung im Körper an. „Die Infrastruktur bekommt ein paar Krankheiten“, erklärt er. Die bisherigen Reaktionen von Passanten zeigen: Die Ansteckung ist gut für die Laune.

Digitale Tauschbörse

Smartphone oder Tablet lohnen sich an Joshua Sassmannshausens „Dataseat“. An den Stationen an der Lohstraße, am Vordemberge-Gildewart-Platz und am Haarmannsbrunnen sind Passanten eingeladen, ihr Gerät anzudocken und Daten auf eine digitale Tauschbörse zu laden. Was das ist oder ob die Daten sogar gelöscht werden, überlässt Sassmannshausen den Nutzern. Er plant außerdem, eine Printversion der aufgeladenen Inhalte herauszubringen. Genutzt werden die „Dataseats“ mit Sitz- und Liegenflächen schon jetzt zum Verweilen. So entsteht auch ein analoges Miteinander.

Ebenfalls beliebt ist die Station der Nartur Kunstgruppe vorm Theater am Domhof. Die vier Künstler verbinden ihre Malerei mit Selfiestationen. Die abstrakten Nartur-Bilder sind zu einem Ausstellungsraum aufgebaut, in dem Passanten sich dank aufgehängter Selfiesticks fotografieren können. Überhaupt ist auch hier Interaktion gefragt. Manche Wände sollen weiter bemalt werden. Außerdem können die Nutzer ihre Selfies unter #bethereactnormal in den sozialen Medien hochladen.

Die Frühstücksinsel ist nur zu bestimmten Terminen betretbar. Dann schmiert Künstler Samuel Treindl höchstpersönlich die Brötchen und schenkt Kaffee aus. Höchstens fünf Personen dürfen gleichzeitig auf die Insel. Das Betreten über einen schmalen Steg erfolg auf eigene Gefahr.

„Dockingstationen“: Osnabrücker Innenstadt, verschiedene Orte, bis Sonntag, 21. Oktober; Infos auf www.raum2018.de.


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