Einmal ganz untertauchen Baptistengemeinde tauft neue Mitglieder im Moskaubad

Von Anke Herbers-Gehrs

20 Gläubige wurden im Moskaubad von Pastor Heiko Reinecke getauft. Es war das erste Tauffest der Baptistengemeinde. Foto: Michael Gründel20 Gläubige wurden im Moskaubad von Pastor Heiko Reinecke getauft. Es war das erste Tauffest der Baptistengemeinde. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Zum ersten Mal nutzte die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Osnabrück, auch Baptisten genannt, die Nähe zum Moskaubad, um 20 neue Mitglieder durch die Ganzkörper-Taufe in ihrer Mitte aufzunehmen.

Etwas irritiert guckten die noch wenigen Schwimmer des Osnabrücker Freibades, als sich am Sonntag gegen 10 Uhr immer mehr Menschen in festlicher Kleidung versammelten und bald darauf ungewohnte Klänge übers Wasser tönten: Die Osnabrücker Baptistengemeinde feierte im Moskau-Bad eine festliche Taufe. Im Unterschied zu den meisten anderen christlichen Gemeinden taufen die Baptisten durch Untertauchen des gesamten Körpers. Dabei muss sich der Täufling bewusst und freiwillig zur Taufe entschieden haben, das bedeutet, dass keine Babys oder Kleinkinder getauft werden. 

Am Sonntag war der jüngste Täufling neun Jahre alt, der älteste 56. Neben den Jugendlichen aus der Gemeinde ließen sich auch zwei Chinesen und vier iranische Flüchtlinge taufen, die damit vom Islam zum christlichen Glauben konvertierten. In weißer Kleidung saß die Gruppe am Beckenrand des Liegebeckens, das ans Hallenbad grenzt. Gut 300 Gemeindemitglieder, Angehörige und Freunde begleiteten sie, einige Besucher mussten auf die Tribüne jenseits des Schwimmerbeckens ausweichen.

Bei der Begrüßung zum Gottesdienst bedankte sich der stellvertretende Gemeindeleiter Martin Meyer ausdrücklich beim Team des Moskaubades. „Sie waren sehr freundlich und hilfsbereit von der ersten Kontaktaufnahme an und überzeugt, dass der Badebetrieb nicht gestört wird“, sagte auch Gemeindeleiter Hartmut Birth am Rande der Veranstaltung. Sonst finden die Taufen im Taufbecken des Gemeindehauses statt.

Nach der Predigt von Pastor Heiko Reinecke wurde es ernst: Heiko Reinecke und Jonny Böhmer, auch aktiv in der Gemeindeleitung, stiegen als Taufhelfer, ebenfalls weißgekleidet, ins Wasser. Nacheinander kamen dann die Täuflinge und hörten zunächst von ihren Taufpaten ihren Taufspruch, für die ausländischen Täuflinge übersetzt in Farsi beziehungsweise Chinesisch. Der Täufling faltete dann die Hände vor der Brust, die beiden Taufhelfer legten ihm ihre Hände unterstützend auf den Rücken und er ließ sich nach hinten fallen, wurde ganz untergetaucht und schnell wieder hochgehoben. 

Dazu braucht man schon Vertrauen, und so viel Kraft hatte die Sonne am Sonntag Morgen auch noch nicht, zudem wehte ein leichter Wind. Dennoch: „Mir war gar nicht kalt, es war wunderschön!“, sagte Robinho Böhmer, der Jüngste der Gruppe. „Normalerweise bekomme ich immer Atemnot, wenn ich unter Wasser bin. Aber heute habe ich mich befreit gefühlt.“ Auch Renata Mergler, mit 54 eine der Ältesten, fand es nicht kalt. „Ich hatte auch keine Angst, nur frohe Erwartung.“

Zu den Osnabrücker Baptisten gehört schon seit Jahrzehnten eine starke Sinti-Gruppe. Am Sonntag wurden fünf Mitglieder getauft. Manfred Böhmer, Großvater von Robinho und seit Jahrzehnten im Vorstand der niedersächsischen Sinti engagiert für Akzeptanz der Sinti in der Gesellschaft, fühlt sich in dieser freikirchlichen Gemeinde besonders aufgehoben. „

Wir werden hier angenommen, es geht nicht um Hautfarbe oder Rasse, alle sind Geschwister im Glauben“, sagte er. Mit den neuen Täuflingen ist die Osnabrücker Baptisten-Gemeinde auf etwa 300 Mitglieder angewachsen. Im Anschluss an die Taufe wurde zum Beisammensein im Gemeindehaus in der Kokschen Straße eingeladen.


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