Diener des Gemeinwohls Symposium zum 70. Geburtstag von Fritz Brickwedde

Löwentorte zum Geburtstag: Christian Wulff, Fritz Brickwedde und Alexander Bonde (von links) beim Empfang in der Umweltstiftung. Foto: Hermann PentermannLöwentorte zum Geburtstag: Christian Wulff, Fritz Brickwedde und Alexander Bonde (von links) beim Empfang in der Umweltstiftung. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Demokratie sei ohne bürgerschaftliches Engagement nicht zu erhalten. Das sagte der frühere Bundespräsident Christian Wulff am Samstag in Osnabrück bei einem Symposium anlässlich des 70. Geburtstages von Fritz Brickwedde.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), deren Generalsekretär Brickwedde war, und die Heinz-Sielmann-Stiftung , deren Vorsitzender der Osnabrücker ist, hatten zu dem Symposium „Bürgerschaftliches Engagement als Stütze der Demokratie“ im Zentrum für Umweltkommunikation eingeladen. Geehrt werden sollte damit Brickwedde, der als Gründungsgeneralsekretär der DBU „Impulse für den ökologischen Umbau der Gesellschaft“ gegeben habe, wie der aktuelle Generalsekretär Alexander Bonde sagte. Zugleich sei Brickwedde mit seinen ungezählten Ehrenämtern ein Vorbild für bürgerschaftliches und politisches Engagement.

Demokratie in Gefahr

Die Demokratie brauche gerade jetzt Zivilpersonen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen, betonte Bonde. Auch Wulff mahnte: „Die Demokratie ist in Gefahr, wenn wir nicht aufpassen.“ Rassisten seien in Parlamente eingezogen, sagte der Festredner mit Hinweis auf einige Zitate der AFD.

Die Folge sei verbale und körperliche Gewalt, Attacken auf Politiker. Parolen, die früher an Stammtischen ausgetauscht wurden, würden heute zu weltumspannenden Verschwörungstheorien. Im Internet gehe es nicht um Wissen, sondern um Besserwissen.

Extrem politisiert

Es sei so leicht, etwas zu kritisieren und zu zerstören, „aber wer baut es dann wieder auf?“, fragte Wulff. Umso wichtiger seien Menschen wie Brickwedde, die durch ihren Einsatz für Umwelt und Demokratie Vorbild seien. Denn Demokratie funktioniere nur, wenn Menschen kandidieren und wählen. Brickweddes Generation, aufgewachsen in der Nachkriegszeit, sei extrem politisiert und engagiert.

Das bestätigte der Geehrte selbst: Wer das zerstörte Osnabrück erlebt habe, der könne nicht untätig bleiben. Geprägt habe ihn auch die christliche Erziehung, der Mauerbau und die „Faszination Europa“, denn „Europa hat uns als Nation nach dem Krieg gerettet“.

Womit kann ich dienen?

Früher hätten Verkäufer ihre Kundschaft mit der Frage „Womit kann ich dienen?“ empfangen. Diesen Spruch „habe ich mir hinter die Ohren geschrieben“, sagte Brickwedde. Aber anstatt dem Gemeinwohl zu dienen, würden heute immer öfter Menschen und Projekte wie die Energiewende niedergemacht.

Mutter Teresa und Machiavelli

Zuvor hatte sich Wegbegleiter wie Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und Prof. Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Hospiz- und Palliativstiftung über ihre Erfahrungen mit Brickwedde geäußert. „Als Chef eine Mischung zwischen Mutter Teresa und Machiavelli“ hieß es unter anderem. In Osnabrück gebe es mehr als 100 Stiftungen, sagte Griesert. Er kenne nur zwei, in denen Brickwedde nicht mitmische.

Das Symposium wurde moderiert von der Journalistin Angela Elis. Nicole Müller sorgte für die musikalische Umrahmung und zeigte, wie vielseitig eine Harfe sein kann.


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