Langlebigkeit als Argument Stadt Osnabrück ordert 540 iPhones – darf sie das?

Von Rainer Lahmann-Lammert

Wie lange hält ein iPhone? Die Stadt hat 540 Apple-Smartphones geordert, weil der Hersteller die Software länger unterstütze. Foto: Rainer Lahmann-LammertWie lange hält ein iPhone? Die Stadt hat 540 Apple-Smartphones geordert, weil der Hersteller die Software länger unterstütze. Foto: Rainer Lahmann-Lammert

Osnabrück. Die Stadt Osnabrück will 540 iPhones für ihre Mitarbeiter anschaffen. Das geht aus einer Ausschreibung hervor, die in diesen Tagen endet. Darf eine Stadtverwaltung Handys ordern, die im Ruf stehen, teurer zu sein als die Konkurrenz? Ja, sagt Stadtsprecher Sven Jürgensen, dafür gebe es gute Gründe.

Unter der Vergabe-Nummer 2018_VOL_33 ist es nachzulesen: „Lieferung von 540 Apple iPhones“, öffentlich ausgeschrieben nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen. Die Angebotsfrist endet am 14. August. Wer das „wirtschaftlich günstigste Angebot“ abgibt, soll den Auftrag bekommen. Nun ist bekannt, dass Android-Smartphones von der chinesischen und koreanischen Konkurrenz deutlich preiswerter zu bekommen sind als die vom Edelanbieter Apple.

Die Frage, was „wirtschaftlich günstig“ ist, lässt sich allerdings sehr unterschiedlich interpretieren, und dabei kommt es nicht allein auf den Kaufpreis an. Stadtsprecher Sven Jürgensen weist darauf hin, dass keineswegs eines der Spitzenmodelle angeschafft werde, die zum Teil weit über 1000 Euro kosten: „Bei den ausgeschriebenen iPhones handelt es sich um eine abgespeckte Version“. Die Apple-Geräte würden in der Stadtverwaltung auch genutzt, „weil der Hersteller die benötigte Software garantiert länger unterstützt, als andere Hersteller“.

Teurer Akku-Wechsel

Die Anschaffung langlebiger Produkte hat schon in der Vergangenheit immer wieder zu Diskussionen geführt. In die Kritik war der damalige Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip geraten, als er den Ratssitzungssaal 1992 mit neuen Ledersesseln zum Stückpreis von 2000 DM (ca. 1000 Euro) ausstatten ließ. Die Kritik ist allerdings seit Langem verstummt, denn die Sessel erfüllen auch 26 Jahre später immer noch einwandfrei ihren Zweck, und sie sehen dabei immer noch gut aus.

So lange werden die jetzt ausgeschriebenen iPhones ganz sicher nicht genutzt. Apple geht bei seinen Geräten mit dem Betriebssystem iOS von einer dreijährigen Nutzungsdauer aus. Wer sein iPhone länger nutzen will, muss den Akku erneuern lassen, und das ist bei Apple eine vergleichsweise teure Angelegenheit, weil das Gerät nur von Spezialisten geöffnet werden kann. Die Konkurrenz bietet dagegen Handys an, bei denen der Akkuwechsel so einfach ist wie bei einer Taschenlampe. Ein Punkt, der ebenfalls einkalkuliert werden muss, wenn es gilt, die Langlebigkeit eines Smartphones zu beurteilen.

Das Nokia-Verbot

Dass die Beschaffung von Handys ein sensibles Thema ist, hat die Osnabrücker Stadtverwaltung schon einmal zu spüren bekommen. Als 2008 das Nokia-Werk in Bochum 2008 geschlossen und die Produktion nach Rumänien verlegt wurde, kündigte der damalige Oberbürgermeister Boris Pistorius an, die Stadt Osnabrück werde keine Nokia-Handys mehr anschaffen. Zwei Jahre später war das schon wieder vergessen.

Die Stadt orderte 170 Nokia-Geräte, und Stadtsprecher Sven Jürgensen erklärte: „Es gab keine Alternative.“ Bei Nokia sei das Preis-Leistungs-Verhältnis am günstigsten. Worte, die wie aus einer anderen Zeit klingen. Das Smartphone hat das Mobiltelefon abgelöst, Nokia-Handys werden kaum noch genutzt. Und wenn doch, dann spricht das immerhin für ihre Langlebigkeit.


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